High Tech für historische Fenster

02.11.2010 | Mainz
Im Oktober feierte die Bauhaus-Universität Weimar ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ließ sie zwei ihrer historischen Gebäude restaurieren - den Van-de-Velde-Bau und das "Bauhaus.Atelier". Durch die Ausstattung mit Restaurierungsglas des Technologiekonzerns SCHOTT wirken selbst die Scheiben der beiden Gebäude authentisch.

Gleichzeitig erfüllen die Spezialgläser mit der welligen Oberflächenstruktur aktuelle Anforderungen bezüglich Sicherheit, Wärmedämmung, Sonnen- und UV-Schutz.

Als einer der Gründungsorte der Bauhaus-Schule der Architektur steht der Van-de-Velde-Bau auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Das "Bauhaus.Atelier", ursprünglich für den Tiermaler Albert Brendel erbaut, gilt als technisches Kulturdenkmal. "Zu einer authentischen Restaurierung der beiden Gebäude gehörte auch, die Optik der zur Bauzeit eingesetzten Fenster nachzuempfinden", erklärt Professor Dr.-Ing. Gerd Zimmermann, Rektor der Bauhaus-Universität Weimar, "Zugleich legten wir jedoch Wert auf Glasfunktionen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen."

Im Rahmen der Sanierung des Van-de-Velde-Baus durch die beiden Architekturbüros Pitz & Hoh Architektur und Denkmalpflege GmbH und Junk & Reich Architekten, Planungsgesellschaft mbH rekonstruierte die Weimarer Tischlerei Heider-Wallisch GmbH die historischen Fenster. Hierfür verwendete sie Isolierglaseinheiten von SCHOTT in einem erstmals kombinierten Aufbau: Die äußere Scheibe besteht aus dem Restaurierungsglas "Tikana". Es zeichnet sich durch eine leicht unregelmäßige Oberflächenstruktur aus. In diesem Fall erhielt es zusätzlich eine Sonnenschutzbeschichtung, die zur Klimatisierung der Innenräume beiträgt. Die innere Scheibe besteht aus Floatglas. Diese Scheibe wurde mit einer Wärmeschutzbeschichtung veredelt, um im Winter den Wärmeverlust über das Glas zu verringern. Der Scheibenzwischenraum beträgt lediglich vier Millimeter und ist zur optimalen Wärmedämmung mit dem Edelgas Krypton gefüllt.

Beim 1886 erbauten "Bauhaus.Atelier" ruht das Glasdach auf einem filigranen Metallfachwerk. Die Produktion von Modellformen, also Gläsern mit unterschiedlichen Winkeln, stellte eine Herausforderung dar. Insgesamt 434 Verbundglaseinheiten lieferte SCHOTT für das "Bauhaus.Atelier", das unter Federführung der Weimar Planung und BauGestaltung Jörg Hänel, freier Architekt, restauriert und saniert wurde. Die Glasmalerei Ernst Kraus rekonstruierte die Dach- und Wandverglasungen. Zwischen die Außenscheibe aus dem Restaurierungsglas "Restover" und die Innenscheibe aus Weißglas wurden mehrere Lagen PVB-Folien integriert, die die UVA-Transmission nahezu vollständig reduzieren. Das als äußere Scheibe des Verbunds gewählte "Restover" ähnelt durch seine wellige Oberfläche dem um die Jahrhundertwende gefertigten Fensterglas.

Die Restaurierungsgläser "Restover" und "Tikana" fertigt SCHOTT beide als Ziehglas im traditionellen Fourcault-Verfahren, das inzwischen weitgehend durch modernere Prozesse verdrängt wurde. Die für historisches Fensterglas charakteristische unregelmäßige und lebendig wirkende Struktur entsteht durch Manipulationen während der Produktion.

Quelle: Pressemeldung SCHOTT AG

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