Megatrend Nachhaltigkeit: Umweltmanagement ist keine Frage der Unternehmensgröße

27.11.2009 | Dortmund
Umweltbewusstes Wirtschaften gehört heute zum Businessplan nicht nur großer Konzerne, sondern auch vieler kleiner und mittlerer Unternehmen. Aus gutem Grund: Nachhaltigkeit in ihren vielfältigen Facetten ist zum Megatrend in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geworden. Der Begriff "Umweltmanagement" verdeutlicht die strategische Bedeutung des Themas.

Auf der 12. Umweltjahrestagung der Akademie Fresenius vom 24. bis 25. November 2009 in Mainz berichteten 14 Experten über Best-Practice-Beispiele und gaben einen Überblick über die Entwicklung verschiedener Umweltschutz-Normen und Managementsysteme.

Der Brundtland-Bericht von 1987 definiert "Nachhaltige Entwicklung" als eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Diese volkswirtschaftliche Ebene stellte Thomas Loew (Institute 4 Sustainability, Berlin) der betrieblichen Ebene gegenüber: Corporate Social Responsibility (CSR) ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit zu integrieren. Loew ordnete auf der Fresenius-Konferenz das Begriffs-Wirrwarr rund um das Thema Nachhaltige Entwicklung: Letztlich gehe es darum, globale Herausforderungen wie Klimaschutz, Ressourcenknappheit, Armut und Hunger sowie regionale Herausforderungen, die jedes Land individuell betreffen, zu meistern. Über CSR tragen Unternehmen ohne Gesetzeszwang dazu bei, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Mittelstand im Blick: Integriertes Managementsystem nach Maß

Janet Weinig (Hessisches Umweltministerium) stellte auf der Fachtagung der Umweltakademie Fresenius "EcoStep" vor, ein Integriertes Managementsystem, das auf die Bedürfnisse von kleinen und mittleren Betrieben aller Branchen zugeschnitten ist. EcoStep wurde vom Hessischen Umweltministerium gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt. "Mit EcoStep können Unternehmen mit überschaubarem Aufwand die wichtigsten Grundzüge moderner Managementsysteme betriebsbezogen einführen und damit den kontinuierlichen Verbesserungsprozess auf den Weg bringen", sagte Weinig. Neben den relevanten Normforderungen berücksichtigt EcoStep Aspekte wie Marketing, Produkthaftung, Einhaltung der gesetzlichen Forderungen und den Einsatz von Kennzahlen. Der modulare Aufbau des Managementsystems soll eine spätere vollumfängliche Einführung von Managementsystemen nach ISO-Standard erleichtern. Zusätzlich werden bei Bedarf weitere branchenspezifische Standards berücksichtigt, die nicht auf ISO-Normen basieren, wie Klimaschutz, Datenschutz und HACCP. Dabei baut EcoStep auf den bestehenden Strukturen auf und integriert vorhandene Dokumente. Laut Weinig ist EcoStep "ein Anzug, der kleinen Unternehmen passt", wobei auch eine Akzeptanz bei Großbetrieben angestrebt wird.

Green Building - Nachhaltigkeit mit Fundament

Energie-Effizienz ist heute mehr denn je eine Frage der Architektur: Intelligentes, "grünes" Bauen liegt im Trend. Dr. Norbert Hiller (Intechnica Consult, Nürnberg), stellte auf der Umweltjahrestagung vor, wie Gebäude ressourceneffizient und nachhaltig konzipiert werden können. Gute Isolation, ausreichend Fensterflächen, Sonnenschutz, Begrünung, intelligente Kühlung und kontrollierte Lüftung - es gibt viele Optionen für eine intelligente Bauweise. Die Summe der Maßnahmen und die Gesamtkonzeption sind entscheidend. Dazu nannte Hiller auf der Fresenius-Konferenz Best-Practice-Beispiele: So wird am Stammsitz Nürnberg der Firma Werner & Mertz ein neues Verwaltungsgebäude gebaut, das voraussichtlich einen Energieüberschuss von 21 Megawattstunden pro Jahr erzielen wird. Geothermie, Betonkernaktivierung, Nachtkühlung, Kleinwindkraftanlagen und Photovoltaik machen es möglich. In Nürnberg leitet Intechnica ein LEED-Projekt ("Leadership in Energy and Environmental Design"): Dort wird ein ehemaliges industrielles Fotolabor (23.000 Quadratmeter Geschossfläche) umfassend renoviert und umgebaut. Das Besondere: Zusätzlich zur energieeffizienten Bauweise werden 95 Prozent tragender Wände, Böden und Decken weiterverwendet und der Materialrecyclinganteil beträgt 75 Prozent.

Green Building lohnt sich, sagt Hiller: "Der Marktwert der Immobilie steigt, während das Leerstandrisiko sinkt. Durch die bessere Qualität lassen sich auch höhere Nettokaltmieten erzielen." Neben US-amerikanischen LEED stellte Hiller drei weitere Zertifikate vor: Das DGNB-Siegel ist das erste und einzige deutsche Zertifikat und wird seit 2009 ausgestellt. BREEAM ist der weltweit älteste Standard (seit 1990), basierend auf dem britischen System mit 110.000 ausgestellten Zertifikaten. Außerdem gibt es noch das "EU Green Building Logo", das an die EU-Gebäuderichtlinie angelehnt ist.

Quelle: Pressemeldung Die Akademie Fresenius GmbH

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