NORD/LB finanziert Sale-and-lease-back kommunaler Wohnungsbestände in Halle

16.07.2008 | Hannover/Braunschweig
Rund 2.250 Einheiten des kommunalen Wohnungsbestandes in der Stadt Halle sind Gegenstand einer innovativen und bundesweit richtungweisenden Finanzierungstransaktion mit Vorbildcharakter: Sie werden von der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) in einer Sale-and-lease-back-Transaktion an eine eigene Objektgesellschaft verkauft und von dieser dann zurückgemietet. Der Kaufpreis beläuft sich auf 81 Mio. Euro.

Nach Ablösung bestehender Darlehen beträgt die frei werdende Liquidität rund 43 Mio. Euro. Diesen Betrag setzt die Stadt Halle zur Entlastung ihres Haushalts ein. Die Transaktion wird finanziert von der NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt und strukturiert durch die LHI Leasing GmbH. Die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle (Saale), Dagmar Szabados, machte deutlich, dass dieses Geschäft ein wichtiger Baustein dafür sei, dass sowohl die Stadt als auch das städtische Wohnungsunternehmen handlungsfähig bleiben: "Wir haben damit einen Weg gewählt, der dem Unternehmen seine Wirtschaftkraft und die Arbeitsplätze erhält, den Mietern der kommunalen Wohnungsgesellschaft Sicherheit gibt und uns als Stadt in einer schwierigen Phase die weitere Entwicklung im Stadtumbau ermöglicht", unterstrich Dagmar Szabados die Bedeutung der Transaktion.

Das Geschäft umfasst ein Portfolio von 2.244 Wohneinheiten mit einer Fläche von knapp 109.000 Quadratmetern, 15 Geschäftseinheiten mit einer Fläche von 645 Quadratmetern sowie 159 Einstellplätze. Alle Objekte sind Kernbestände mit hoher Vermietungsquote. Die HWG transferiert dieses Portfolio an die neu gegründete und von der LHI geführte Objektgesellschaft HWG Wohnungsverwaltung GmbH & Co. KG, an der die HWG 99,9 Prozent hält und von der sie alle Objekte für eine Dauer von 30 Jahren zurück mietet.

Die LHI hat hierfür das Leasingmodell W-Lease als attraktive Alternative gegen den Einstieg internationaler Investoren entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine individuell auf die Anforderungen der kommunalen Wohnungsgesellschaften zugeschnittene Leasinggestaltung unter Berücksichtigung bilanzieller, steuerlicher und kommunalpolitischer Aspekte. Die HWG behält dabei strategischen Einfluss auf den Wohnungsbestand und dessen Verwaltung. Ihr stehen die Mieten zu, und sie profitiert von zukünftigen Wertsteigerungen des Wohnungsbestandes. Im Jahr 2038 kann die HWG zudem eine vereinbarte Rückkaufoption ziehen.

"Die uneingeschränkte Nutzung des Wohnungsportfolios liegt nach wie vor bei uns", erläuterte Dr. Heinrich Wahlen, Geschäftsführer der HWG, am Mittwoch vor Journalisten in Halle. "Für unsere Mieter und Mitarbeiter ändert sich nichts - Aufgaben wie Instandhaltung, Verwaltung und Vermietung bleiben in den Händen der HWG." Das Sale-and-lease-back-Geschäft sei wesentlicher Bestandteil eines Haushaltskonsolidierungskonzepts, das die Stadt Halle Ende vergangenen Jahres beschlossen habe. Angestrebt werde ein Abbau des Altschuldendefizits um 300 Mio. Euro bis zum Jahr 2012. "Kommunale Wohnungsgesellschaften sind ein Motor der Stadtentwicklung. Daher hat sich die Stadt Halle ganz bewusst entschieden, das Wohnungsportfolio nicht an internationale Finanzinvestoren zu veräußern. Wir wollten unsere Mieter vor Spekulationen schützen", betonte Wahlen. "Ebenso wichtig war uns, den Kapitalstock der Stadt Halle für zukünftige Generationen zu erhalten und zu mehren." Die langfristig geschlossene Partnerschaft mit NORD/LB und LHI sei daher für alle Beteiligten sehr vorteilhaft.

"Wir freuen uns, dass unsere jahrelange Kundenbeziehung zur HWG mit diesem Pilotprojekt jetzt eine neue Dimension erreicht. Wir schätzen uns, und wir vertrauen uns. Die Transaktion setzt einen Meilenstein - sowohl im Umgang mit kommunalen Wohnungsbeständen als auch in der Entwicklung unseres Geschäftsfeldes Wohnungswirtschaft", stellte Dr. Jürgen Allerkamp, Mitglied des Vorstandes der NORD/LB, heraus. "Über die reine Kreditgewährung hinaus bieten wir gemeinsam mit der LHI eine komplett strukturierte Finanzierungslösung an. Die HWG bekommt somit alles aus einer Hand", ergänzte Bankdirektor Jens Zillmann, Leiter des Bereiches Kundenbetreuung Wohnungswirtschaft in Magdeburg. Die Wohnungswirtschaft ist längst zu einem der Wachstumsgeschäftsfelder der Landesbank avanciert.

"Mit W-Lease haben wir ein Leasingmodell entwickelt, das Vorbildfunktion hat. Dass dieses eine sinnvolle Alternative zum Verkauf kommunaler Wohnungsbestände bietet, zeigt das große Interesse anderer Kommunen und deren Wohnungsunternehmen", betonte Robert Soethe, Geschäftsführer der LHI.

Die Unternehmen im Profil:

Die HWG, gegründet im Jahr 1922, bewirtschaftet derzeit rund 21.000 Wohnungen. Die städtische Gesellschaft ist als großes, standortprägendes Wirtschaftsunternehmen einer der stärksten Motoren des städtischen Wirtschaftskreislaufs. Bestandsinvestitionen, die Beteiligung am Stadtumbauprozess sowie soziales, kulturelles und sportliches Engagement stellen neben der Quartiersentwicklung im Sinne einer "Stadtrendite" erhebliche Beiträge zur Vermögenssicherung, -entwicklung und Stadtqualität Halles dar. Bis zum Jahr 2012 wird die HWG zum einen durch das oben beschriebene Leasingmodell, zum anderen durch Grundstücksverkäufe und durch den Verkauf von Gesellschaftsanteilen insgesamt 142 Mio. Euro für den Abbau des städtischen Defizits erwirtschaften. Das Unternehmen trägt damit dazu bei, dass die Stadt handlungsfähig bleibt und wichtige infrastrukturelle Maßnahmen zum Nutzen der Bürger der Stadt Halle realisiert werden können.

Die NORD/LB ist die führende Universalbank im Norden Deutschlands mit geschäftspolitischer Konzentration auf Norddeutschland sowie Nordosteuropa. Als Landesbank von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt unterstützt sie die öffentliche Hand bei kommunalen Finanzierungen. In ihrer Funktion als Girozentrale übernimmt die NORD/LB zudem die Aufgaben einer Zentralbank für 67 Sparkassen sowohl in den genannten Bundesländern als auch in Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer Bilanzsumme von 201,5 Mrd. EUR (31.12.2007) gehört die NORD/LB zu den zehn größten Kreditinstituten in Deutschland. In Europa nimmt sie Platz 36 ein, weltweit Platz 55. Insgesamt beschäftigte die Bank Ende 2007 rund 5.600 Mitarbeiter im Konzern. Als international tätige Geschäftsbank ist die NORD/LB an den bedeutendsten Finanz- und Handelsplätzen mit Niederlassungen präsent, z.B. in London, Singapur und New York. Darüber hinaus ist die Bank in Beijing und Shanghai ansässig. Eines ihrer Wachstumsgeschäftsfelder ist die Wohnungswirtschaft. Der Finanzierungsbestand in diesem Bereich beträgt aktuell rund 1,85 Mrd. Euro. Bis zum Jahr 2013 ist ein Wachstum von durchschnittlich 500 Mio. Euro im Jahr angestrebt.

Die LHI strukturiert seit über 34 Jahren erfolgreich intelligente Finanzierungslösungen für Unternehmen, Kommunen und Investoren. Dabei bringt sie alle Seiten eines Investments zusammen - zum Vorteil aller Beteiligten. Die LHI konzipiert und verwaltet alle Formen der Nutzungsüberlassung für Unternehmen und Kommunen. Investoren bietet die LHI mit Publikumsfonds und Private Placements renditestarke und sichere Produkte. Ob Leasing oder Fonds, die Konzepte der LHI sind auch international tragfähig. So ist das Tochterunternehmen LHI Leasing Polska Sp. z.o.o. Marktführerin im Immobilienleasing in Polen. Ein Büro wurde im Jahr 2006 in Moskau eröffnet. Abgerundet wird das Leistungsspektrum durch die begleitenden Dienstleistungen. Nach dem Motto "alles aus einer Hand" bietet die LHI erfolgreich Real Estate Management, die Verwaltung von Objektgesellschaften, Strategische Immobilienanalyse und Versicherungslösungen an. Gesellschafter der LHI sind die Landesbank Baden-Württemberg, die einen Anteil von 51 Prozent hält, sowie die NORD/LB (49 Prozent).

Quelle: Pressemeldung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale

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