Notwendige Maßnahmen gegen Verkehrsinfarkt

25.07.2008 | Erkrath
Die steigende Verkehrslast auf deutschen Straßen sowie Möglichkeiten eines zukunftsgerechten Verkehrswegebaus waren Themen des Westdeutschen Verkehrsforums 2008 in Mönchengladbach.

Die Prognosen für die Verkehrsentwicklung auf deutschen Straßen geben zu denken. Trotz eines fortlaufenden Bevölkerungsrückgangs aufgrund des demografischen Wandels in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland wird die Mobilität stetig zunehmen - vor allem im dicht besiedelten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dies berichten einhellig Studien des Ministeriums für Bauen und Verkehr NRW und des ADAC Nordrhein-Westfalen. Auf dem Westdeutschen Verkehrsforum, das Ende Juni in Mönchengladbach stattfand, wurde vor allem deutlich, dass die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland nicht unwesentlich von Investitionen und Innovationen im Verkehrswegebau abhängt.

Güterverkehr wird die Straßen noch stärker belasten

Laut Aussage von Horst Bremer, Verkehrspolitischer Sprecher des ADAC in NRW, wird der wachsende Anteil der älteren Menschen die Verkehrsmenge stärker beeinflussen als der erwartete Rückgang der Gesamtbevölkerung. Die Mobilität nimmt also zu. Prognostiziert ist ein Anstieg des PKW-Bestandes in Deutschland von derzeit rund 46 Mio. PKWs auf rund 50 Mio. PKWs im Jahre 2020. Weiterhin ist mit einer starken Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße zu rechnen.

Der Schienenverkehr, so der gegenwärtige Trend, wird hingegen die aufkommende Verkehrslast nicht auffangen können. Denn obgleich die Verkehrsleistung auf der Schiene von rund 92 Mrd. tkm (Tonnenkilometer) im Jahr 2004 auf 152 Mrd. tkm im Jahr 2025 voraussichtlich steigt, wird sie auf der Straße fast das Fünffache des Verkehrs auf der Schiene im Jahr 2025 betragen (von rund 393 Mrd. tkm im Jahr 2004 auf rund 700 Mrd. tkm in 2025).

Unterfinanzierung bei Erhalt und Ausbau der Infrastruktur

Eines ist schon heute abzusehen. Die Verkehrszunahme wird laut Expertenmeinung überwiegend auf den Hauptverkehrsachsen, den Autobahnen stattfinden. Ungewiss sind derzeit allerdings die Möglichkeiten einer adäquaten Finanzierung. Ministerialdirigent Ekhart Maatz, Ministerium für Bauen und Verkehr NRW, sprach in Mönchengladbach von einer generellen Unterfinanzierung bei Erhalt und Ausbau von Bundesfernstraßen. Dem Investitionsrahmenplan 2006 bis 2010 für den Bundesfernstraßenbau, der von einem Gesamtvolumen für Erhalt, Neu- und Ausbau der Bundesfernstraßen in Höhe von 32,4 Mrd. Euro ausgehe, entspreche lediglich eine mittelfristige Finanzplanung in Höhe von 19,9 Mrd. Euro für den betreffenden Zeitraum. Diese aktuelle Unterfinanzierung beklagte auch Rolf Crone, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung e.V. Der Finanzbedarf zur Realisierung der dringendsten Bundesverkehrsprojekte, so Crone, betrage rund 7 Mrd. Euro jährlich. Die Finanzausstattung des Bundesverkehrswegeplans stelle allerdings lediglich ein Budget von 5,2 Mrd. Euro jährlich zur Verfügung, wobei die Finanzierungslinie bis 2011 sogar noch auf 4,5 Mrd. Euro jährlich zurückgefahren würde. Insgesamt steht also der rapiden Steigerung des Verkehrsvolumens eine mittelfristige Unterfinanzierung für den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur entgegen. Maßnahmen gegen diese Unzulänglichkeit sieht Ekhart Maatz unter anderem in einer Steigerung der Mautgebühren sowie einer Steigerung von PPP-Projekten (Public Private Partnership) auf mittelfristig gesehen über 15 Prozent vom Gesamtfinanzierungsbedarf. Dabei müsse der Nachholbedarf im Bereich Infrastruktur auch mit Beteiligung des Bundes aufgearbeitet werden.

Innovationen bei Kommunikationssystemen und Kreisverkehren

Doch nicht nur Erhalt und Ausbau sowie die Sicherung der Finanzierung sind laut Referenten des Westdeutschen Verkehrsforums notwendig zur Sicherung der Infrastruktur. Ebenso müsse die Innovation vorangetrieben werden. Prof. Dr. Bernhard Steinauer, Lehrstuhl für Straßenwesen der RWTH Aachen, plädierte deshalb für intelligente Systeme, welche Daten über den Zustand der Straßenverhältnisse direkt an die Fahrzeuge senden und eine Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern ermöglichen. Auf diesem Wege ließen sich Unfälle aufgrund unvorhersehbarer Verkehrsbeeinträchtigungen frühzeitig verhindern.

Ein weiteres System mit Zukunftspotential dürfte der Bau von Kreisverkehren in Betonbauweise sein. Dr. Dieter Birmann von der TU München stellte Planung und Bau des ersten deutschen Kreisverkehrs in Betonbauweise vor, der in Bad Sobernheim im Jahre 2006 fertig gestellt wurde. Der Vorteil der „weißen“ Ausführung besteht laut Birmann vor allem darin, dass sie nicht nur beim Neubau, sondern auch bei der Sanierung bestehender Verkehrsknoten eine wirtschaftliche Lösung mit einem guten Langzeitverhalten darstellt. Kreisverkehre als solches haben sich laut Aussage von Helmut Nikolaus, Präsident der Vereinigung der Straßen- und Verkehrsingenieure NRW, wegen ihrer vorteilhaften verkehrstechnischen Eigenschaften schon seit langem bewährt. Erkenntnisse hierüber sind unter anderem in ein Merkblatt der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen eingeflossen.

Appell an die Politik

Das Fazit des Westdeutschen Verkehrsforums 2008 in Mönchengladbach stellt zugleich einen Appell an die Politik dar, höhere Investitionen für eine funktionsfähige und sichere Infrastruktur zu tätigen und den Mut für innovative Lösungen aufzubringen. Wie sehr die wirtschaftliche Zukunft Deutschland von der Infrastruktur abhängt, zeigte unlängst die Studie „Deutschland 2020“ der Unternehmensberatungsgruppe McKinsey&Company, wonach im Jahr 2020 ein Verkehrsinfarkt mit unabsehbaren Folgen für die Volkswirtschaft drohe, sofern nicht schon bald gezielte Investitionsmaßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur getätigt würden.

Quelle: Pressemeldung BetonMarketing Deutschland GmbH

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