Bodenarten: vor der Hausplanung prüfen!

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Welche Bodenarten gibt es? Und warum sind sie ein wichtiger Bestandteil bei der Hausplanung? Wozu dient das Bodengutachten? Diese Fragen sollte sich ein Bauherr unbedingt VOR dem Hausbau stellen.

Bodenarten: Welche Rolle spielen sie?

Es gab ein Ereignis, das der Menschheit sehr gut vor Augen geführt hat, dass es wichtig ist, die Bodenarten vor dem Hausbau zu kennen. Das berühmte Beispiel ist der schiefe Turm von Pisa, der nicht schief wäre, wenn die Architekten einen anderen Platz für ihr Bauwerk gewählt hätten. Doch damals, im 12. Jahrhundert, kümmerte sich niemand wirklich darum, dass ein sandig-lehmiger Untergrund nicht die beste Wahl für die Errichtung eines Gebäudes sein könnte. Oder darum, was der Bodenrichtwert des Grundstücks, auf dem gebaut werden soll, aussagen könnte.

Heute hingegen ist bekannt, dass sich Sandböden oder Schluffböden unterschiedlich gut für den Hausbau eignen und dass die Eigenschaften der Bodenarten durchaus wichtig sind. Bauherren sollten daher nicht nur auf die Lage sowie den Preis des Grundstücks achten, das sie kaufen wollen.

Ebenso wichtig ist die Antwort auf die Frage, ob der Untergrund überhaupt um Bau eines Hauses geeignet ist, wobei nicht nur die Bodenarten relevant sind, sondern auch das Wasser. Ein hoher Grundwasserspiegel oder sich stauendes Sickerwasser kann zu Wasseransammlungen im Keller und zu feuchten Wänden führen.

Die folgenden Bodenarten sind wie folgt für den Hausbau geeignet:

  • Gut bis sehr gut: Nichtbindiger Boden
    Er steht aus Sand und Kies und weist einen geringen Feinkornanteil auf. Er kann Wasser gut aufnehmen und die Gefahr für Setzungen nach dem Bauende ist gering.
  • Weniger geeignet: Bindiger Boden
    Ein bindiger Boden weist einen hohen Anteil an Ton und Lehm auf und kann sich unter Druck verformen. Er lässt Wasser nur schwer hindurch, das Haus kann sich nach Abschluss der Bauarbeiten setzen, was zu Rissen in den Wänden führen kann.
Welche Bodenarten gibt es? Und warum sind sie ein wichtiger Bestandteil bei der Hausplanung?

Welche Bodenarten gibt es? Und warum sind sie ein wichtiger Bestandteil bei der Hausplanung? (#01)

Bodenarten: Sieben verschiedene Bodenklassen für den Hausbau

Die Eigenschaften der Bodenarten bestimmen deren Eignung für den Hausbau. Wichtig ist, im Rahmen der Anfertigung eines Bodengutachtens herauszufinden, ob die unter der Oberfläche liegende Struktur sowie die Eigenschaften des Bodens geeignet sind oder ob das Haus doch lieber an einer anderen Stelle errichtet werden sollte. Die folgenden Bodenklassen werden dabei definiert:

  • Bodenklasse 1
    Dabei handelt es sich um den Mutterboden, der die oberste Schicht darstellt. Hier sind Lehm und Kies ebenso enthalten wie Ton und Sand. Des Weiteren finden sich zahlreiche Bodenlebewesen in dieser humusreichen Schicht wieder.
  • Bodenklasse 2
    Damit werden Bodenarten bezeichnet, die nur schwer Wasser abgeben können und die eher breiig beschaffen sind.
  • Bodenklasse 3
    Diese Bodenklasse beinhaltet zum Beispiel feste Torfarten sowie andere leicht lösbare Bodenarten. Sand, Kies, Ton und Steine sind hier nicht bindend gemischt.
  • Bodenklasse 4
    Diese Böden sind mittelschwer lösbar und bestehen ebenfalls aus Sand, Lehm, Kies und Ton. Der Wassergehalt ist entscheidend, denn er macht den Boden halbfest bis weich.
  • Bodenklasse 5
    Die Bodenarten der Klasse 5 sind schwer lösbar und besitzen einen höheren Steingehalt. Auch dieser Boden ist weich bis halbfest.
  • Bodenklasse 6
    Der Boden dieser Klasse setzt sich aus lösbarem Fels zusammen, die Felsarten sind leicht brüchig und bröckeln stark. Sie können auch sehr verwittert und weich sein.
  • Bodenklasse 7
    Ein nicht verwitterter Tonschiefer ist das typische Beispiel für diese Bodenklasse, die aus schwer lösbarem Fels besteht.
Ein fertiges Haus ist naturgemäß kein Leichtgewicht, was bedeutet, dass der Boden darunter viel zu tragen hat. Dies ist auch der Grund, warum es auf die Tragfähigkeit der Bodenarten ankommt. Denn: Der Boden muss zuverlässig tragen, andernfalls kommt es zu Schäden am Bau. Diese lassen oft gar nicht lange auf sich warten, denn die ersten Setzungen des Gebäudes gehen rasch vonstatten.

Ein fertiges Haus ist naturgemäß kein Leichtgewicht, was bedeutet, dass der Boden darunter viel zu tragen hat. Dies ist auch der Grund, warum es auf die Tragfähigkeit der Bodenarten ankommt. Denn: Der Boden muss zuverlässig tragen, andernfalls kommt es zu Schäden am Bau. Diese lassen oft gar nicht lange auf sich warten, denn die ersten Setzungen des Gebäudes gehen rasch vonstatten. (#03)

Verschiedene Bodenarten, unterschiedliche Eignung

Nachdem die Bodenklassen nun bekannt sind, lässt sich daraus deren Bedeutung für den Hausbau ableiten, wobei die Kriterien „bindig“ oder „nichtbindig“ wichtig sind. Um Sandböden oder Schluffböden zu erkennen, ist in der Regel nicht einmal eine Bodenprobe nötig. Wer ein wenig an der Oberfläche gräbt, kann die Art des Bodens bereits erkennen. Ein Sandboden erweist sich als trocken und krümelig und scheint nicht einmal bei Regen zu binden. Was für Pflanzen weniger gut ist, ist für den Bau eines Hauses jedoch sehr gut. Wer als Bauherr herausgefunden hat, welche Struktur der Boden am geplanten Bauort aufweist, kann sich mit der Art des Fundaments befassen, denn es ist auch von den Bodenarten abhängig, ob eine Bodenplatte oder ein Streifenfundament gegossen wird.

Nun stellt sich die Frage, ob der Hausbau auch bei schlechteren Böden möglich ist. Kann eine vorherige Bodenbearbeitung dabei helfen, den Boden so zu verändern, dass er auch bei schlechten Ausgangseigenschaften das Haus sicher stehen lässt? Anders als im Garten, wo die Bodenbearbeitung für die Pflanzen entsprechend vorgenommen werden kann und durch das Aufbringen von Humus bessere Wachstumsbedingungen geschaffen werden, ist dies bei einem Haus freilich nicht möglich. Dennoch gibt es einige Verfahren, die die Bodeneigenschaften verändern und verbessern und damit sicherstellen, dass das Haus auch an einer eigentlich ungünstigen Stelle sicher gebaut werden kann.

Ein nicht tragfähiger Boden kann ausgehoben werden. Dies nennt sich Bodenersatzverfahren und ist vergleichsweise aufwendig. Es wird dabei der nicht geeignete Boden ganz oder in Teilen durch einen baulich gesehen besseren Boden ausgetauscht. Des Weiteren ist es möglich, dass zu lockere Erde unter Einsatz technischer Hilfsmittel verdichtet wird. Teilweise werden Zement und Kalk zugeben, damit diese Bindemittel eine Verfestigung des Bodens bewirken können. Dieser ist damit tragfähiger, was einer Setzung des Hauses entgegenwirkt.

Grundstückskauf: Bodenarten bestimmen!

Viele künftige Bauherren verlieben sich in die Lage eines Grundstücks. Sie träumen von dem Haus, das dort einmal stehen wird. Wie schön der Ausblick von dort sein wird! Dabei vergessen sie, dass jedes Haus ein stabiles Fundament braucht, das aber wiederum nur entstehen kann, wenn der Boden darunter die entsprechende Struktur aufweist.

Es sei daher jedem Grundstückskäufer, der plant, ein Haus auf dem Grundstück zu errichten, empfohlen, ein Bodengutachten mit Bodenprobe durchführen zu lassen. Dies ist umso wichtiger, wenn die Baupläne vorsehen, dass das Haus unterkellert wird. Auch dann, wenn einmal eine Firma auf diesem Grundstück ansässig war, ist das Bodengutachten empfehlenswert. Denn nicht selten finden sich Altlasten auf einem solchen Grundstück und der neue Besitzer hat am Ende vielleicht sogar mit der Entsorgung von Giftmüll zu kämpfen. Die Vorteile eines Bodengutachtens liegen auf der Hand, denn dieses schützt vor teuren Fehlentscheidungen.

Zwar ist es rechtlich geregelt, dass der Verkäufer eines Grundstücks negative Eigenschaften nicht verbergen darf. Doch nicht alle Verkäufer sind wirklich ehrlich und so kann es durchaus passieren, dass ein Grundstück in dem gutem Glauben erworben wird, dass hier einst das Familienanwesen entsteht.

Zwar ist es rechtlich geregelt, dass der Verkäufer eines Grundstücks negative Eigenschaften nicht verbergen darf. Wie ärgerlich, wenn sich im Nachhinein Probleme mit Altlasten zeigen, die zwar gerichtlich geregelt werden können, aber jede Menge Ärger bedeuten!

Zwar ist es rechtlich geregelt, dass der Verkäufer eines Grundstücks negative Eigenschaften nicht verbergen darf. Wie ärgerlich, wenn sich im Nachhinein Probleme mit Altlasten zeigen, die zwar gerichtlich geregelt werden können, aber jede Menge Ärger bedeuten! (#02)

Bedeutung der Bodenarten: Wenn der Boden nicht trägt

Ein fertiges Haus ist naturgemäß kein Leichtgewicht, was bedeutet, dass der Boden darunter viel zu tragen hat. Dies ist auch der Grund, warum es auf die Tragfähigkeit der Bodenarten ankommt. Denn: Der Boden muss zuverlässig tragen, andernfalls kommt es zu Schäden am Bau. Diese lassen oft gar nicht lange auf sich warten, denn die ersten Setzungen des Gebäudes gehen rasch vonstatten. Oft zeigen sie sich in einem nicht mehr ganz ebenen Fußboden, der zu einer Seite hin abfällt. Risse in den Acrylkanten des Übergangs von Fußbodenfließen zu Sockelleisten sind ebenfalls rasch zu sehen.

Teilweise zeigen sich Setzungen auch in den Ecken der Räume, wenn sich die Tapete plötzlich schräg verzieht, weil eine Wand nach unten sackt. Dabei ist nicht von großen Strecken die Rede, es reichen bereits ein oder zwei Zentimeter, um große Schäden zu verursachen. Um genau das zu verhindern, ist ein geotechnischer Bericht wichtig, der als Bodengutachten bezeichnet wird. Er ist die Basis für die Statik bzw. für die Berechnung derselben, außerdem wird das Fundament auf Basis dieses Berichts berechnet.

Um die Bodenarten professionell bestimmen zu lassen, braucht es einen Sachverständigen für Geotechnik, denn er kann das nötige Baugrundgutachten erstellen.

Wichtig: Der Gutachter muss seine Bewertungen nach den Vorgaben der DIN 4020 und der DIN 1054 erstellen. Er wendet technische Verfahren für die Analyse an und entnimmt mithilfe eines Kernbohrers Bodenproben an verschiedenen Stellen. Vor allem die künftigen Ecken des Gebäudes stehen dabei im Fokus. Die Bohrung selbst reicht rund drei Meter tiefer als das Fundament später gehen soll. Aus den verschiedenen Bodenschichten, die hier entnommen werden, lassen sich Rückschlüsse auf die Tragfähigkeit des Bodens sowie auf die Wasserverhältnisse vor Ort ziehen.

Die Kosten für ein Baugrundgutachten liegen zwischen 500 und 1000 Euro, wobei der Umfang des Gutachtens maßgeblich ist. Teilweise steigt der Preis unter Berücksichtigung zusätzlicher Leistungen auf bis zu 2.500 Euro, die im Hinblick auf den späteren Hausbau jedoch gut investiert sind.


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About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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