Messie-Syndrom: vermüllte Wohnung ist der Horror für Vermieter

Messie-Syndrom: vermüllte Wohnung ist der Horror für Vermieter

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Der Begriff Messie-Syndrom stammt von dem englischen Wort „mess“, was im Deutschen in etwa „Unordnung“ oder auch „Unordentlichkeit“ entspricht. Im englischen Sprachraum kennt man für das „Messie-Syndrom“ noch den Begriff des “Compulsive Hoarding”, was in etwa so viel bedeutet wie zwanghaftes Sammeln. Eine weitere Variante des Messie-Syndroms ist das so genannte “Animal Hoarding”. Hier halten Betroffene in Wohnung oder Garten übermäßig viele Tiere.

Gerät man als Vermieter an einen Messie, so ist dies in der Regel mit erheblichen Problemen und Kosten verbunden. Außerdem kann ein langwieriger Prozess-Marathon folgen, dessen Ausgang nicht immer fest steht.

Was ist das Messie-Syndrom?

Man sollte meinen, dass man Menschen, die an dem Messie-Syndrom leiden, auf der Straße erkennen würde. Wer seine Wohnung zumüllt, der sollte nach landläufiger Meinung auch selbst schmutzig sein. Das heißt ungewaschen und mit schmutziger Kleidung. Dabei ist in den allermeisten Fällen das genaue Gegenteil der Fall.

Unter den Messies befinden sich in beträchtlicher Anzahl Akademiker oder Menschen, die in leitenden Positionen arbeiten. Erstaunlicher Weise werden Messies in dem Lebensumfeld außerhalb Ihrer Wohnung, oft als pedantisch und mit einer starken Neigung zum Perfektionismus wahrgenommen. Und genau hier liegt das Problem von vielen Messies.

Aus dem Bestreben möglichst alles perfekt zu machen, gerät man ziemlich leicht in einen Zustand der Dauerüberforderung. Zum Beispiel will ein Mensch, der an einem Messie-Syndrom leidet, möglichst jedes kleine Teil in seiner Wohnung in eine entsprechende Schublade einsortieren. Vielfach wird damit auch begonnen, doch schnell werden Messies mit der Realität der Unlösbarkeit dieser Aufgabe konfrontiert. Zuerst bleibt bei den Betroffenen der Abwasch unerledigt und wird nur noch dann erledigt, wenn es unbedingt nötig ist oder es wird nur abgewaschen was man gerade benötigt.

Dann geht es weiter mit der Wäsche und nach und nach bildet sich hier eine Schmuddelecke und dort bleibt ein Stapel Zeitungen liegen. Resultierend aus diesem stetig steigenden Durcheinander wächst auch der Zustand der Überforderung und damit verschlimmert sich das Problem immer mehr. Der Messie steckt in einem Teufelskreis fest, aus dem es aus seiner Sicht kein Entrinnen gibt. Das Chaos wächst und wächst.

Aber auch diverse psychische Probleme (z.B. eine Depression oder zwanghafte Angst) können Auslöser für ein Messie-Syndrom sein. Ein Mensch der in seinem Leben nur wenig Zuneigung bekommen hat, oder der schwere Verluste hinnehmen musste, kann die kleinste Art der Zuwendung als wichtig erachten. Im Allgemeinen denkt man hier an Fotos oder Briefe. Das wäre noch im normalen Bereich. Doch bei schwer vereinsamten Menschen kann es dazu kommen, dass selbst die in Briefkasten eingeworfene Werbung als solche Zuwendung aufgefasst wird. Diese dann in den Müll zu werfen wird emotional erlebt, wie wenn man einen guten Freund ziehen lassen muss. Deshalb horten und sammeln die Betroffenen selbst Werbung.

Andere am Messie-Syndrom leidende Menschen können aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zwischen wertvoll und Müll unterscheiden. Dies führt dann dazu, dass Tageszeitungen, Lebensmittel-Verpackungen oder längst abgelaufene Lebensmittel aufbewahrt werden. Auch krankhafte Sparsamkeit (Geiz) kann dieses Phänomen hervorrufen. Man könnte das ja vielleicht noch irgendwann gebrauchen. Dass die Artikel, wenn dann gesucht, meist in der Unordnung nicht mehr gefunden werden, verdrängen die Betroffenen gekonnt.

Dies war jetzt nur ein kurzer Einblick in das Messie-Syndrom. Tatsächlich gibt es noch viel mehr Ursachen für diese Störung. Doch egal wie unterschiedlich die Auslöser auch sein mögen, das Endergebnis ist immer das Gleiche. Eine total vermüllte Wohnung und/oder Garten. Oftmals stapelt sich der Unrat in der Wohnung auf einen Meter Höhe und mehr und es existieren zwischen den einzelnen Müllbergen nur noch schmale Gänge.

Messie-Syndrom – es geht noch schlimmer

Richtig schlimm wird es, wenn der Messie Lebensmittel oder andere biologische Substanzen hortet. Hier kommt es zu starken Geruchsbelästigungen und Ungezieferbefall, die zu einer kompletten Unbewohnbarkeit der Wohnung führen können. Die Folge sind neben den Gerichtskosten und den Kosten für die rechtliche Durchsetzung der Räumung auch noch die Entsorgungskosten und die Geldbeträge die man für die Renovierung der Messie-Wohnung ausgeben muss. Wenn man als Vermieter mit einem Messie konfrontiert wird, ist dies ein Albtraum, der vor allem Kleinvermieter in den Ruin treiben kann.

Mieter mit dem Messie-Syndrom: Hilfe für den Vermieter

Ist man als Vermieter an einen Mieter mit dem Messie-Syndrom geraten, ist es oftmals garnicht so leicht diesen wieder los zu werden, da die Rechtssprechung in der Bundesrepublik äußerst mieterfreundlich ist. Dieser eigentlich sehr gute Zustand kommt aber in vielen Fällen praktisch einer Enteignung des Vermieters gleich. So auf jeden Fall Stimmen aus verschiedenen Vermieter-Vereinigungen.

Was kann man als Vermieter tun, wenn man einen Messie als Mieter hat?

Das Beste ist, bereits im Vorfeld Vorsorge zu tragen. Dazu empfiehlt es sich vom künftigen Mieter eine Selbstauskunft zu verlangen in der auch die Namen der ehemaligen Vermieter genannt werden müssen. Auch die Erlaubnis, diese kontaktieren zu dürfen, sollte Bestandteil dieser Selbstauskunft sein. Stimmt der Mieter dem nicht zu, sollte man sich am besten einen neuen Interessenten für die Wohnung suchen.

Hat man einen an einem Messie-Syndrom leidenden Menschen erst einmal in der Wohnung, kann man diesen nur unter bestimmten Bedingungen loswerden. Zum Beispiel dann, wenn andere Mieter sich wegen Geruchsbelästigungen beschweren. Allerdings sollte man diese Aussagen protokollieren, um bei einem eventuellem Prozess Beweise in der Hand zu haben.

Messie-Syndrom: Letzte Möglichkeit für den Vermieter

Sollte man anderweitig auf eine Messie-Wohnung aufmerksam werden, so sollte man als Erstes das Gespräch mit dem Mieter suchen und diesem unter Fristsetzung die Möglichkeit geben, die Wohnung wieder in einen normalen Zustand zu bringen. Um dies überprüfen zu können, sollte man sich im Mietvertrag auch vorbehalten, die Wohnung in gewissen Abständen zu besichtigen.

Kommt der Mieter der Aufforderung nicht nach, kann man entweder fristgemäß oder fristlos zum nächstmöglichen Monatsende kündigen. Mit der fristlosen Kündigung sollte man allerdings vorsichtig sein. Wendet sich der Mieter an eine Schlichtungsstelle, kann diese unter Umständen einen Kündigungsschutz von bis zu drei Jahren aussprechen.

Für die Kündigung ist jedoch Vorraussetzung, dass eine erhebliche Beeinträchtigung von Seiten des Messies ausgeht. Dies ist in der Regel aber nur der Fall, wenn sich starke Gerüche bilden oder sich Ungeziefer zeigt. Gerade solche Dinge, Gegenstände oder Situationen sollte man als Vermieter dann genau dokumentieren. Bestenfalls macht man Fotos von dem Chaos bzw. der Unordnung – mit Angabe von Datum und Ort.

Treten die letztgenannten Störungen ein, kann man sich auch an das Ordnungsamt wenden. Diese können dann den Mieter im Rahmen der Gefahrenabwehr veranlassen, die Wohnung wieder in den Normalzustand zu versetzen. Kommt er dem nicht nach, kann die Wohnung auch von Amts wegen geräumt werden. Die Kosten für diese Maßnahmen sind vom Messie-Mieter zu tragen.


Bildnachweis: © morguefile.com – dave

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Klaus Müller-SternMessie-Syndrom: vermüllte Wohnung ist der Horror für Vermieter

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