Mietkaution: Mietkautionsschutzbrief als Option?

In Mieter, Recht

Der Einzug in eine neue Wohnung ist ein aufregendes Erlebnis, das beim Blick ins Portemonnaie schnell getrübt wird: Die neue Küche, die frischen neuen Gardinen oder die Lieblingstapete gehen mächtig ins Geld – kaum jemand hat da einen vierstelligen Betrag übrig, den er auf ein Konto schiebt, auf das er die nächsten Jahre keinen Zugriff hat – doch ohne eine Mietkaution darf in Deutschland kaum ein Mieter einziehen. Die Zahl der Umzüge wird auf rund 2,3 Millionen pro Jahr geschätzt – eine ähnlich hohe Zahl an Mietkautionen dürfte dabei von Mieter zu Vermieter geschoben werden. Das Deutsche Institut für Marketing geht davon aus, dass jährlich rund 2,4 Milliarden Euro als Sicherheit für private Mietverhältnisse auf Kautionskonten eingezahlt werden.

Der Mietkautionsschutzbrief

Mieter können sich den Griff in den eigenen Geldbeutel jedoch auch sparen – mit einem so genannten „Mietkautionsschutzbrief„. Im Internet werben zahlreiche Anbieter um Mieter, die ihre Kaution nicht aus eigener Tasche zahlen wollen: „Haben Sie etwa Geld zu verschenken?“, heißt es etwa beim Anbieter „kautionsfrei.de“ auf der Homepage. Die Idee hinter dem Kautionsschutzbrief ist denkbar einfach: Der Mieter muss die Kaution nicht eigenständig aufbringen und bewahrt sich stattdessen finanziellen Spielraum, um andere Investitionen wie die Küche oder neue Möbel anschaffen zu können. Der Kreditrahmen bei der Hausbank wird nicht angetastet. Zudem sind die Konditionen des Mieters bei Anbietern wie „kautionsfrei.de“ meist günstiger als ein Ratenkredit.

kautionsfrei.de, Wohnbürgschaft & Co.

Auch für den Vermieter soll sich das Geschäftsmodell lohnen – er erhält statt der Mietkautionen einen Bürgen, nämlich das Versicherungsunternehmen. Verschwindet der Mieter und hinterlässt in der Wohnung das große Chaos, bekommt der Vermieter gesichert maximal drei Nettokaltmieten ausbezahlt. Der Vermieter selbst muss keine Gebühren zahlen. Um finanzschwache Mieter und sicherheitsliebende Vermieter scharen sich inzwischen gleich mehrere Anbieter, die sich um die Bezahlung der Mietkaution kümmern wollen: Neben dem online Dienstleister „kautionsfrei.de“ bietet die R+V-Versicherung eine Kautionspolice an. Die Deutsche Kautionskasse bietet die „Wohnbürgschaft“ an und verlangt für ihre Police fünf Prozent Zinsen pro Jahr, bei der „Kautionspolice“ von Eurokaution sind es 5,9 Prozent.

Vorteile: Mietkaution aus eigener Tasche zahlen

Zukünftige Mieter sollten sich allerdings gut überlegen, ob sie die Mietkaution nicht doch aus eigener Tasche bezahlen können. Denn während Mieter nach dem Auszug üblicherweise ihre Kaution zurück bekommen, sehen sie bei Kautionsschutzbriefen hinterher keinen Cent. Und je länger der Mietvertrag dauert, umso mehr Geld werfen Mieter mit dem Kautionsschutzbrief aus dem Fenster: Bei einer Kaution von 1000 Euro und einer Mietdauer von zehn Jahren sowie einem Zinssatz von fünf Prozent gehen beispielsweise 500 Euro drauf. Zudem ist gar nicht sicher, ob Vermieter von dem Versicherungsmodell überhaupt überzeugt sind: „Vermieter haben lieber Geld in der Hand, als dass sie sich auf Versprechungen von Versicherungen verlassen“, sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes. Denn wenn sich ein Vermieter darauf einlässt, dass er anstelle der Mietkaution z. B. Barkaution, die Bürgschaft akzeptiert, trägt er das Risiko, wenn der Versicherer pleitegeht.

Auch die Stiftung Warentest stellt den Kautionspolicen kein gutes Zeugnis aus: „Trotz mickriger Zinsen ist ein Sparkonto immer noch die bessere Lösung für beide Mietparteien“, heißt es in einem Test vom Mai 2009. Die Stiftung Warentest empfiehlt Mietern und Vermietern, eine Tagesanleihe der Bundesrepublik Deutschland für die Hinterlegung der Kaution zu nutzen. So können Mieter die Tagesanleihe in Höhe der Mietkaution kaufen und dem Vermieter kostenfrei verpfänden. Vergleichsweise fair sind auch die Konditionen der „Umweltbank“ – diese bietet das Sparbuch mit derzeit 1,75 Prozent Zinsen an. Vor der Anlage der Mietkaution in Fonds oder andere volatile Anlagen rät die Stiftung Warentest allerdings ab: „Eine sichere Lösung ist das nicht, denn auch konservative Fonds können ins Minus geraten“, warnen die Finanzexperten der Stiftung.


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Hans-Jürgen SchwarzerMietkaution: Mietkautionsschutzbrief als Option?

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