Ökologisch bauen : Nachhaltiges Bauen vorgestellt

Ökologisch bauen: Nachhaltiges Bauen vorgestellt

In Architektur

Ökologisch bauen war früher eine besondere Alternative, heute ein nachhaltiger Trend. Die Basis-Baumethoden und Gütesiegel vorgestellt.

Ökologisch bauen: Nachhaltigkeit seit hunderten von Jahren

Grün und grüner! Man könnte meinen, der Trend hin zum grünen Heim sei eine Neuheit, ist es aber gar nicht. Die Idee, ökologisch Häuser zu bauen, entspringt im England des 18. Jahrhunderts.

Auch heute sind die Engländer noch Vorreiter. Das höchste Holzgebäude Europas steht mit einer Höhe von 300 Metern neben dem Barbican Centre in London.

Nach Deutschland kam der Nachhaltigkeitsgedanke letzten Endes durch den Arzt Hubert Palm. Sein Buch “Das gesunde Haus” war wiederum Grundlage für das Haus Folkerts am Starnberger See, eines der ersten nachhaltigen Häuser in Deutschland, das der Architekt Heiko Folkerts in den späten 1970ern entwarf.

Ökologisch bauen: Das höchste Holzgebäude Europas steht mit einer Höhe von 300 Metern neben dem Barbican Centre in London. (#01)

Ökologisch bauen: Das höchste Holzgebäude Europas steht mit einer Höhe von 300 Metern neben dem Barbican Centre in London. (#01)

Effizienz und Qualität: Ökologisch bauen

Das Haus und seine Bauteile werden beim Grünen Bauen als Teil des natürlichen Stoffkreislaufs gesehen.

Ziele sind…

…hohe Qualität: Gebäude sollten so entworfen werden, dass sie viele Jahre bestehen bleiben und mit hochwertigen Produkten gebaut werden. So fallen weniger Kosten und Abfallstoffe für die Renovierung an.

…langes Leben: Ideal ist, dass ein Haus durch die vorausgegangene gute Qualität besonders lange instandgehalten werden kann, ohne dass Häuser abgerissen oder in die Umwelt für neue Gebäude eingegriffen werden muss.

…effiziente Energienutzung: Man setzt auf Isolation und darauf, dass Energie und Wärme in- und außerhalb des Gebäudes so gut genutzt werden wie möglich.

Die goldene Regel: Je kleiner das Gebäude für seine Bewohner, desto besser.

Ökologisch bauen: Holz

Holzbau ist eine Methode, um ökologisch zu bauen, die ihren Ursprung in Nordamerika hat und immer beliebter wird. Grund dafür sind diese Vorteile.

  • Nachhaltig: Holz wächst natürlich nach
  • Effizient: Für die Holzherstellung braucht man weniger Energie
  • Vielfältig: Die Zeiten, in denen Holz einzig und allein für Blockhäuser verwendet wurde, sind vorbei—Holz kann man mittlerweile für viele Bauprojekte nutzen
  • Maßgefertigt: Holzelemente werden auch spezialangefertigt, weil der Rohstoff sehr flexibel, schnell herzustellen und zu verwenden ist
  • Alternativ: Holz ist leichter als Stahl und druckfest wie Beton
  • Wärmedämmend und feuchtigkeitsspendend: eignet sich vor allem für eine behagliche Atmosphäre in Wohnräumen
Holzbau ist eine Methode, um ökologisch zu bauen, die ihren Ursprung in Nordamerika hat und immer beliebter wird. (#02)

Holzbau ist eine Methode, um ökologisch zu bauen, die ihren Ursprung in Nordamerika hat und immer beliebter wird. (#02)

Ökologisch bauen mit Holz: Schwierigkeiten

So viele Vorteile es auch hat, so gibt es auch Bedenken, wenn man mit Holz ökologisch bauen möchte. Brand-, Dämm- und Schallschutz können die Gründe sein, sich auch gegen Holz zu entscheiden.

Andererseits gibt es auch simple Tricks, diesen Gefahren entgegenzuwirken. Massivholzwände etwa haben eine innere Schutzschicht, die verhindert, dass Feuer wirklich tief eindringen oder gar durchdringen kann. Im Brandfall wäre dann nur die oberste Schicht der Wand verkohlt.

Außerdem kann Holz vor allem im Rahmen gut dämmen. Innerhalb des Traggerippes können ein bis zwei Schichten hinzugefügt werden, um den isolierenden Effekt zu verstärken. So wäre es möglich, mit einem Holzgebäude sogar den Passivhaus-Standard zu erreichen (mehr Informationen am Artikelende).

Ökologisch bauen: Mauerwerk

Holz ist aber bei Weitem nicht so tragfähig und robust. Ein Vorteil also für das Mauerwerk. “Nichts gibt einem so sehr ein solides Sicherheitsgefühl wie eine richtige Mauer”, sagt Architekt Tim Ludger.

Der Aspekt dürfe keinesfalls unterschätzt werden. “Nicht ohne Grund heißt es Heim”, so Ludger. “Man muss sich behaglich, heimelig und sicher fühlen können.”

Ziegel beim Mauerwerkbau gibt es in allen möglichen Formen und Materialien. Am gängigsten ist Beton. Die Mauersteine werden mit Mörtel oder Kleber miteinander verbunden und abgedichtet. Häuser aus Mauerwerk können einschichtige Wände (monolithisch) oder mehrschichtige Wände (polylithisch) haben.

Regel: Je schwerer die Ziegelsteinart, desto tragfähiger ist Wand. Je tragfähiger die Wand, desto dünner kann sie sein. Außerdem sind Mauerwerk-Immobilien aus schwererem Stein in der Regel schützender vor Lärm.

Ökologisch bauen: Ein Vorteil für das Mauerwerk. “Nichts gibt einem so sehr ein solides Sicherheitsgefühl wie eine richtige Mauer”, sagt Architekt Tim Ludger. (#02)

Ökologisch bauen: Ein Vorteil für das Mauerwerk. “Nichts gibt einem so sehr ein solides Sicherheitsgefühl wie eine richtige Mauer”, sagt Architekt Tim Ludger. (#02)

Mauerwerk ökologisch bauen: Ziegelarten

Dämmziegel: sind unglaublich leicht und kommen als Ton-, Glasbeton- oder Vulkangranulatziegel vor. Die Wände isoliert man allgemein mit Perlite oder Styropor. Dämmziegel leiten Wärme gut, sind aber nicht sehr tragfähig und deshalb am besten für Ein- bis Zweifamilienhäuser geeignet.

Vollziegel: leiten Wärme ebenso gut, wenn die Wand richtig isoliert wird. Vollziegel gibt es aus Ton, Beton und Kalksandstein.

Hybridstein: vereint die Eigenschaften aus tragfähigem Vollstein und isolierenden Dämmziegeln aus Gasbeton oder einer integrierten Dämmschicht.

Ökologisch bauen: Strohballen

Obwohl Strohballen als Baumaterial noch nicht so häufig verwendet werden, wie Holz und Beton, könnten sie bald auf der Überholspur sein. Strohballenbau ist ebenso nachhaltig und CO2-neutral wie Holz.

Die Herstellung ist aber noch energieärmer: Der Aufwand ist insgesamt etwa hundertmal geringer verglichen mit dem für Mineralwolle- und Polystyrol-Produktion. Weitere Vorteile:

  • Umweltfreundlich: Strohballen sind nach Verwendung vollständig kompostierbar
  • Gesund: verputzt mit Lehm ermöglicht der Strohballenbau ein gesundes und behagliches Raumklima
  • Isolierend: ab einer Wandbreite von 45 Zentimetern könnten Strohballenwände einen Passivhausstandard erreichen

Ökologisch bauen: Mit Strohballen

Es gibt zwei verschiedene Methoden, mit Strohballen zu bauen.

  1. Strohballen als Wandmaterial: Die bloßen Strohballen werden unverarbeitet als Baumaterial verwendet, um die Wände zu ziehen.
  2. Strohballen als Lastträger: Die Strohballen werden durch Holzstreben stabilisiert. Das ist mit einem Holzgerüst vergleichbar, das mit Strohballen ausgestopft wird, wobei Stroh in erster Linie als Wärmedämmer verstanden wird. Diese Methode ist in Deutschland aber nur für Häuser einem Geschoss bis maximal anderthalb Geschossen zulässig.
Ökologisch bauen: verputzt mit Lehm ermöglicht der Strohballenbau ein gesundes und behagliches Raumklima. (#04)

Ökologisch bauen: verputzt mit Lehm ermöglicht der Strohballenbau ein gesundes und behagliches Raumklima. (#04)

Ökologisch bauen mit Strohballen: Schwierigkeiten

Leider ist Stroh sehr anfällig für Feuchtigkeit und muss deshalb besonders geschützt werden. Man muss für Innen- und Außenwände beachten…

Innenwände: Durch Alltag und Atmung sind die Innenräume in jedem Fall einem gewissen, ständigen Feuchtigkeitsgrad ausgesetzt. Deshalb sollten Strohballenwände luftdicht und diffusionsfähig sein, was durch Lehmputz erreicht werden kann. Zugleich erhöht das auch den Brandschutz.

Außenwände: Gerade vor Platzregen und Unwetter müssen Gebäude aus Strohballen besonders geschützt werden. Zu einer äußeren Lehmschicht sollten die Außenwände noch mit Kalk verputzt und abgedichtet werden.

Während des Baus ist es auch wichtig, dass Strohballenwände direkt verputzt und verarbeitet werden. So verhindert man, dass Feuchtigkeit schon vor dem Einzug eindringt. Zusätzlich schützt man die Wände so davor, dass sich Ungeziefer einnisten kann.

Ökologisch bauen: Siegel und Gütezeichen

Schon beim Materialkauf entscheidet man sich für oder gegen ökologisches Bauen. Eine Übersicht der wichtigsten Siegel und Gesellschaften.

Gütesiegel/Bündnis Bedeutung Bewertungskriterien
DGNB (= Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) meist zuständig für Großprojekte innerhalb Deutschlands, Gebäude ab 6 Wohneinheiten •  Überwacht wirtschaftliche, ökologische und infrastrukturelle Aspekte des Hausbaus

•  Verlangt Vorzertifikat in der Planung für den ökologischen Hausbau

BNB (= Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen) vor allem für öffentliche Bauprojekte (Büros, Verwaltungs- und Unterrichtsräume, Labors) •  Überwacht wirtschaftliche, ökologische und infrastrukturelle Aspekte des Hausbaus

•  Formuliert die Baustandards für Bauherren vor Produktion vor

•  Ab einem Gebäudewert von 2 Millionen Euro ist ein BNB-Prüfsiegel für öffentliche Immobilien verpflichtend

LEED (= Leadership in Energy and Environmental Design)
lohnt sich besonders für internationale Großunternehmen, weil einzelne Gebäude untereinander verglichen werden können
•  Untersucht Standortanbindung und logistische Aspekte des Bauprojektes

•  Bewertet Wärmenutzung, Atmosphäre und Energie- Effizienz der Immobilie sowie Design, Innenraumqualität, Innovation und Behaglichkeit

•  Prüft verwendete Materialien, Ressourcen des Gebäudes auf Nachhaltigkeit

BREEM (= Building Research Establishment Environmental Assessment Method) seit 1990 •  Untersucht voraussichtliche Lebensdauer und Qualität des Gebäudes im Hinblick auf Bau, Gesundheit für Bewohner, Behaglichkeit, Umweltfreundlichkeit und Emission
Passivhaus Prüfer: Passivhaus Institut, Darmstadt; vergibt Standardklassen (Klassik, Plus, Premium) für Gebäude, Sanitäranlagen und Bauteile •  Bewertet Energie-Effizienz und ökologische Eigenständigkeit des Gebäudes (nach eigenen Kriterien)

Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: Grekov’s – #01: Kiev.Victor – #02: Aigars Reinholds – #03: esbobeldijk – #04: ushi

Klaus Müller-SternÖkologisch bauen: Nachhaltiges Bauen vorgestellt

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