Wohnungsmarkt: Warum die Wohnungssuche so schwierig ist

Wohnungsmarkt: Warum die Wohnungssuche so schwierig ist

In Immobilien

Wer in Deutschland eine Wohnung sucht und vielleicht noch Student ist oder schon eine ganze Familie mitbringt, hat schlechte Karten. Warum ist das so?

Erste Hürde: Makler, Vermieter, andere Mieter

Wer eine Wohnung sucht, muss sich mit Menschen gut stellen können. Viele davon sind nicht gerade die Zeitgenossen, mit denen man gern seine Zeit verbringen möchte, denn sie sind arrogant, eingebildet und wenig nett zu ihren Mitmenschen. Die Rede ist von Maklern und Vermietern, wobei wir uns an dieser Stelle bei allen entschuldigen wollen, die nicht so sind und wirklich eine Wohnung vermieten möchten. Doch es gibt sie, die Makler und Vermieter, die jedes Klischee erfüllen, das uns durch das Fernsehen oder andere Medien vorgestellt wird. Die einen horrenden Preis für eine Bruchbude verlangen wollen und damit im schlimmsten Fall auch noch Erfolg haben.

Die die Not der Wohnungssuchenden ausnutzen und dafür sorgen, dass ihre gesamte Branche in Verruf gerät. Mittlerweile gleicht die Wohnungsbesichtigung einem Bewerbungsgespräch, zu dem Sie bitte gleich das polizeiliche Führungszeugnis mitbringen. Außerdem brauchen Sie eine Bewerbungsmappe, die Sie bitte zu jedem Termin mitbringen und die alle nötigen (und unnötigen) Unterlagen enthält. Dann kann die Suche auf dem Wohnungsmarkt losgehen!

Schriftliche Bewerbung erwünscht?

Wer sich privat bei einem Vermieter vorstellen will oder ein Zimmer in einer WG beziehen möchte, muss sich schriftlich bewerben. Immer häufiger wird verlangt, dass derartige Bewerbungsschreiben zur ersten Kontaktaufnahme übermittelt werden. Bei einer WG gilt natürlich als wichtigster Inhalt, dass Sie den Putzplan einhalten werden und dass Sie ordentlich sind sowie Entspannung in die Gruppe bringen. Sprich: Sie sorgen für den Nachschub an Bier und anderen Getränken! Bei Wohnungsgesellschaften und konservativen Maklern hingegen kommt es eher darauf an, dass Sie sich als ebenfalls konservativ, natürlich gut betucht und immer schön ruhig vorstellen. Ihre Kinder machen keinen Lärm – Moment. Welche Kinder?

Sie dürfen natürlich keine Kinder mitbringen! Die ziehen später ganz plötzlich dazu. So oder so ähnlich stellen sich viele Vermieter das künftige Leben vor. Babygebrüll oder der Lärm von Kleinkindern ist nicht erwünscht, im Haus soll es schön ruhig bleiben. Wenn schon Kinder, dann sollen die doch bitte älter sein oder die Familie darf gern an den Stadtrand ziehen. Ob es dort bezahlbaren Wohnraum oder überhaupt eine Wohnung gibt, von der aus die Kinder auch noch in Kindergarten und Schule kommen, ist nicht von Interesse. Hauptsache, niemand von den anderen Mietern beschwert sich!

Das Bewerbungsgespräch, das eigentlich eine Besichtigung sein soll, dient dazu, dass sich Vermieter bzw. Makler und Wohnungsinteressent kennenlernen.

Das Bewerbungsgespräch, das eigentlich eine Besichtigung sein soll, dient dazu, dass sich Vermieter bzw. Makler und Wohnungsinteressent kennenlernen.(#01)

Das Bewerbungsgespräch überstehen

Das Bewerbungsgespräch, das eigentlich eine Besichtigung sein soll, dient dazu, dass sich Vermieter bzw. Makler und Wohnungsinteressent kennenlernen. Es geht aber vor allem darum, zu erfahren, ob der potenzielle Mieter ausreichend vermögend ist und sich nicht später als Störfaktor erweisen könnte. Somit müssen Sie sich als wahrer Traummieter darstellen und kehren sämtliche positiven Eigenschaften nach außen, die Sie haben und von denen Sie schon gehört haben. Sie haben einen Makel an der Wohnung entdeckt? Bitte, das war’s dann. Sie können gehen, es gibt schon hundert andere Bewerber, die die Wohnung mit Kusshand nehmen.

Merken Sie sich: Einen Makel darf immer nur der Vermieter oder der Makler ansprechen. Leider würden wir an dieser Stelle gern hinzufügen, dass dies eine völlig überzogene Darstellung ist, doch leider ist das nicht der Fall. Die schwierige Wohnungssuche, die vor allem für Familien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, ist leider Alltag und es warten überall Fettnäpfchen, die sich nicht als lustig erweisen, sondern als grober Fauxpas.

Dieser führt dazu, dass Sie sich eine andere Wohnung ansehen können. Bis zu 20 Absagen sind keine Seltenheit, das gilt vor allem für Studenten und Familien. Das ist auch insofern erschreckend, als dass es viele Regionen und Orte gibt, in denen Wohnungen leer stehen oder wo sogar der aktive Rückbau von Neubauten betrieben wird, weil die Räumlichkeiten nicht zu vermieten sind. Allerdings ist das eher in ländlichen Regionen der Fall, in Ballungsgebieten herrscht der gegenteilige Ausnahmezustand.

Vorbereitung ist bei der Wohnungssuche der Schlüssel zum Erfolg.

Vorbereitung ist bei der Wohnungssuche der Schlüssel zum Erfolg.(#02)

Wann eine Wohnung suchen?

Es gibt sogar bestimmte Zeiten, in denen die Wohnungssuche erfolgreicher ist als in anderen:

  • während der Ferien wird am wenigsten gesucht
  • auch in November und Dezember gibt es ein „Suchtief“
  • ab Januar steigt die Anzahl der Wohnungssuchenden ständig an
  • von Januar bis Ostern und danach bis ca. Juni/Juli ist Hochsaison
  • Immobilien mit Garten oder Terrasse boomen im Frühling
  • saisonaler Trend vor allem bei Grundstücken mit Garten, weniger bei Wohnungen

Diese Erkenntnisse konnten verschiedene Immobilienmakler und Wohnungsvermieter gewinnen. Doch auch die Suchenden selbst finden den Sommer zum Umziehen am schönsten, dann folgt der Frühling. Nur wenige wollen gern im Herbst umziehen, verschwindend gering ist die Zahl der Umzugswilligen im Winter. Wer beruflich umziehen muss, kann sich allerdings nicht nach saisonalen Befindlichkeiten richten.

Wer eine Wohnung sucht, sollte nach diesen Erkenntnissen folgenden Tipp beherzigen: Suchen Sie eine Wohnung, wenn andere gerade nicht auf der Suche sind, und nutzen Sie vor allem den Herbst, den Winter oder die Sommerferien zur Suche. Die Chance, den Zuschlag zu erhalten, steigt in diesen Zeiten stark an.

Diese Erkenntnisse konnten verschiedene Immobilienmakler und Wohnungsvermieter gewinnen.

Diese Erkenntnisse konnten verschiedene Immobilienmakler und Wohnungsvermieter gewinnen. (#03)

Tipps zur Wohnungssuche

Vorbereitung ist bei der Wohnungssuche der Schlüssel zum Erfolg. Überlegen Sie sich daher genau, was Sie suchen: Wie viele Zimmer und Quadratmeter brauchen Sie und möchten Sie zentral wohnen? Ist auch eine Wohnung am Rand der Stadt interessant und brauchen Sie eine Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel? Soll das Bad mit Tageslicht ausgestattet sein und wünschen Sie sich einen Balkon? Verfassen Sie zwei Listen: Auf eine kommen die Wünsche, die wirklich erfüllt werden müssen, auf der anderen Seite die, die einfach nur schön wären und die Wohnung zur absoluten Traumwohnung werden lassen. Die zweite Liste beinhaltet damit die Punkte, auf die Sie notfalls auch verzichten könnten.

Beginnen Sie mit der Suche mindestens drei bis vier Monate vor dem Termin, zu dem Sie umziehen wollen. Kündigen Sie die alte Wohnung aber nicht vorschnell, denn es gibt Regionen, da ist der genannte Zeitraum viel zu kurz. Gerade in Ballungsgebieten oder in Uni-Nähe werden Sie rasch erfahren, dass die Wohnungssuche zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen geraten kann. Wichtig ist, dass Sie dann nicht unter Zeitdruck stehen. Wichtig für die Suche in Ballungsräumen: Sie können bereits von Anfang an davon ausgehen, dass Sie Ihre Erwartungen zurückschrauben und nach Kompromissen suchen müssen.

Verlassen Sie sich nicht nur auf die Anzeigen im Internet oder in der Zeitung, sondern nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Kanäle, wenn Sie Ihre Traumwohnung suchen. Viele Wohnungen werden gar nicht erst inseriert, daher sollten Sie sich auch im Bekanntenkreis umhören. Per Mundpropaganda werden mehr Wohnungen vermietet als angenommen! Möglich ist auch, selbst eine Suchanzeige zu schalten, über die sich ein Makler oder Eigentümer melden kann. Hierfür brauchen Sie allerdings ein wenig Glück und vielleicht auch ein Quäntchen Kreativität beim Formulieren einer Anzeige.

Wenn Sie den ersten Kontakt zum Makler oder Vermieter aufnehmen, halten Sie bereits die nötigen Informationen bereit. Vor allem dann, wenn Sie als Familie einziehen wollen: Fragen nach dem Einkommen sind üblich. Achten Sie darauf, die entsprechende Person korrekt anzureden und vermieden Sie allgemeine Floskeln. Schlagen Sie einen Termin für die Besichtigung vor oder bitten Sie selbst um einen Vorschlag. Geben Sie Ihren vollständigen Namen und Ihre derzeitige Adresse an und fügen Sie, bei schriftlicher Kontaktaufnahme, ein Motivationsschreiben bei.

Gerade in Ballungsgebieten oder in Uni-Nähe werden Sie rasch erfahren, dass die Wohnungssuche zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen geraten kann.

Gerade in Ballungsgebieten oder in Uni-Nähe werden Sie rasch erfahren, dass die Wohnungssuche zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen geraten kann.(#04)

Hindernisse bei der Besichtigung

Nicht nur die Suche selbst ist schwer, auch der Besichtigungstermin kann zu einem einzigen Fallstrick werden. Wie bereits beschrieben wurde, ist der Besichtigungstermin heute vielmehr ein Bewerbungsgespräch, bei dem es darauf ankommt, sich möglichst umfassend und positiv zu präsentieren. Es geht weniger um die Wohnung als vielmehr um Sie! Achten Sie darauf, dass die Chemie zwischen Ihnen und dem Vermieter oder Makler stimmt, was nicht selten ein gewisses schauspielerisches Talent voraussetzt. Treten Sie in ordentlicher Kleidung an, achten Sie auf Pünktlichkeit und Anstand.

Fragen Sie zum Beispiel, ob Sie die Wohnung auch mit Schuhen betreten können. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, scheint heutzutage out zu sein. Somit heben Sie sich mit einer solch banalen Frage positiv von vielen anderen Bewerbern ab.

Wer in Deutschland eine Wohnung sucht und vielleicht noch Student ist oder schon eine ganze Familie mitbringt, hat schlechte Karten. Warum ist das so?

Wer in Deutschland eine Wohnung sucht und vielleicht noch Student ist oder schon eine ganze Familie mitbringt, hat schlechte Karten. Warum ist das so?(#05)

Gut vorbereitet zur Besichtigung: Diese Unterlagen sollten Sie mitbringen

Wichtig ist, dass Sie zu Ihrer Bewerbung (Besichtigung der Wohnung) nur komplett ausgestattet gehen. Führen Sie daher unter anderem Ihren Personalausweis mit, damit Sie sich ausweisen können. Außerdem sollten Sie ihn zuvor kopieren, so können Sie das Duplikat gleich beim Makler oder Vermieter lassen bzw. Ihren Unterlagen beifügen.

In Ihre Bewerbungsmappe gehören außerdem die Einkommensnachweise sowie die Mieterselbstauskunft. Darin geht es um Ihr Einkommen, um Ihren Familienstand, ob Sie rauchen oder nicht, ob Sie Kinder haben und ob Sie Haustiere mitbringen oder später halten wollen. Niemand ist zu diesen Angaben verpflichtet, aber Sie können sicher sein, dass Sie direkt aussortiert werden, wenn Sie die Beantwortung der entsprechenden Fragen verweigern.

Das gilt auch für nicht zulässige Fragen zu Schwangerschaft oder Religionszugehörigkeit: Niemand muss diese Fragen beantworten. Angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt ist es aber klar, dass sich der Makler bei entsprechender Auswahl für die Mietinteressenten entscheiden wird, die seine Fragen beantworten. Zulässig ist aber, dass Sie lügen und das kann der Vermieter zumindest in dem Moment nicht nachprüfen.

Wichtig ist des Weiteren die Schufa-Auskunft, damit der Makler Ihre Zahlungsmoral besser einschätzen kann und weiß, ob Sie eventuell bereits Schulden haben.

Vergessen Sie nicht, eine Personenbeschreibung beizufügen! Sie gehen damit nicht mehr in der gesichtslosen Masse der Bewerber unter, sondern der Makler oder Vermieter kann Sie besser einordnen. Das gilt auch bei der Wohnungssuche durch Studenten. Hier sollte die Personenbeschreibung die restliche Studienzeit und die Studienrichtung umfassen. Stellen Sie sich als zielstrebig und erfolgsorientiert dar, zwei Eigenschaften, auf die Vermieter großen Wert legen.

Eventuell kann es sinnvoll sein, eine Begründung beizufügen, warum Sie eine Wohnung suchen und warum es ausgerechnet diese Wohnung sein soll. Im Prinzip sind das die Inhalte des Motivationsschreibens, welches Sie ohnehin der Mappe beifügen sollten. Gehen Sie davon aus, dass der Makler die Bewerbungsmappen einbehalten wird und vereinbaren Sie direkt einen Termin zur Rückgabe mit ihm. In den meisten Fällen wird er Sie mit „Ich melde mich bei Ihnen“ vertrösten wollen. Bitten Sie ihn um ein konkretes Datum oder wenigstens um eine Frist, denn so haben Sie die Chance, nach dem aktuellen Stand zu fragen und gegebenenfalls die Bewerbungsmappe zurückzufordern.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Makistock  -#01: Antonio Guillem -#02:  fizkes-#03: Monkey Business Images-#04: Daniel M Ernst -#05: Solis Images

Marius BeilhammerWohnungsmarkt: Warum die Wohnungssuche so schwierig ist

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