Möbelstile: Die wichtigsten Möbelstile im Überblick

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Bei einer Wohnung soll jedes Detail stimmen, daher sind auch die Möbelstile auf Accessoires bzw. umgekehrt abzustimmen. Die folgende Übersicht hilft beim Finden des individuellen Wohnstils.

Möbelstile für Kenner: Darum ist der Stil wichtig

Vielen Menschen gefällt eine Kommode in einem Stil, der Schrank in einem anderen Möbelstil. Sessel und Tisch sind noch einmal aus einer anderen Epoche und schon wirkt das Wohnzimmer (oder jeder andere Raum) wie frei zusammengewürfelt. Ein wenig mag dies anmuten, als hätte der Wohnungsbesitzer auf dem Flohmarkt eingekauft oder verschiedene Möbelstücke aus Erbschaften unterbringen wollen.

Das Ganze hat weder Hand noch Fuß und es lässt sich keine konkrete Stilrichtung erkennen. Schade eigentlich, denn die meisten Möbel kommen erst dann richtig zur Geltung, wenn sie sich unter ihresgleichen befinden.

Bauernmöbel in der Küche sollten auch mit einer Vitrine bzw. Anrichte einhergehen, Möbel aus der Gründerzeit hingegen wollen andere Möbelstücke dieses Stils neben sich wissen. Nur aufeinander abgestimmte Möbelstücke wirken harmonisch und lassen einen angenehmen Gesamteindruck entstehen.

Dabei ist es natürlich durchaus möglich, einen bewussten Stilbruch einzubauen und auf Möbel zu setzen, die jeweils einer ganz anderen Epoche entstammen. Hier muss aber deutlich werden, dass dieses eine Möbelstück bewusst so gewählt wurde, das verhindert den Eindruck der wild zusammengestellten Möblierung.

Zu unterscheiden sind wunderbare Möbelstile für jede Wohnung von unterschiedlichen Oberflächenstrukturen. Es gibt Möbel, deren Oberfläche behandelt worden ist, sodass aus einem modernen Sideboard eine Kommode im Vintage-Style oder im Shabby Chic entsteht. In dieser Form behandeln lassen sich fast alle Möbelstücke, sie entstammen dennoch aber einer bestimmten Zeit. Die genaue Herkunftszeit lässt sich anhand verschiedener Kriterien herausfinden.

So kann es sein, dass die Beschläge und Ornamente speziell gestaltet sind, es sind Schnitzereien oder Intarsien zu finden. Nicht immer ist eine hundertprozentige Zuordnung der Stile möglich, denn auch innerhalb einer Epoche haben sich die Möbeldesigner weiterentwickelt und eigene Vorlieben auf ihre Möbelstücke übertragen.

Die im Folgenden vorgestellten Möbelstile sind daher nur grobe Anhaltspunkte bzw. Stile, die sich als allgemeingültig herauskristallisiert haben. Dazwischen gibt es Überschneidungen der Stile bzw. sind die Möbelstücke mit Elementen aus anderen Epochen versehen.

Vielen Menschen gefällt eine Kommode in einem Stil, der Schrank in einem anderen Möbelstil. Sessel und Tisch sind noch einmal aus einer anderen Epoche und schon wirkt das Wohnzimmer (oder jeder andere Raum) wie frei zusammengewürfelt.

Vielen Menschen gefällt eine Kommode in einem Stil, der Schrank in einem anderen Möbelstil. Sessel und Tisch sind noch einmal aus einer anderen Epoche und schon wirkt das Wohnzimmer (oder jeder andere Raum) wie frei zusammengewürfelt. (#01)

Möbelstile: Kurzer Überblick über die wichtigsten Stilrichtungen

An dieser Stelle findet sich eine Auswahl der Möbelstile, wie sie heute bekannt und vor allem noch für die Innengestaltung von Häusern und Wohnungen verwendet werden:

  • Gotik
    Möbelstücke im gotischen Stile stammen aus den Jahren von 1140 bis 1500, die Teile waren weniger massiv und deutlich feiner als in der vorangegangenen Romanik. Sie weisen geschnitzte, bemalte und durchbrochene Flächen auf, die sich an die gotische Architektur mit den verschiedenen Pfeilern und Gewölben anlehnen. Gleichzeitig sind Gotik-Möbel recht komfortabel und weisen sogar mehrere Funktionen auf: Tische besitzen Platten zum Herausklappen und lassen sich damit als Schreibtische verwenden. Schränke erhielten damals Schubladen und Stühle Lehnen für Rücken und Arme.
  • Renaissance
    Die Renaissance stammt aus Italien und schloss sich an die Gotik an. Bei diesen Möbelstücken wird die Suche nach schönen und kunstvollen Formen deutlich, wie sie auch in der Architektur dieser Zeit sowie in der Bildhauerei zu finden ist. Betten und Truhen mit Sockeln, Reliefs und geschnitzte Figuren sind nur wenige Merkmale der Möbelstücke dieser Zeit. Insgesamt zeigen sich die Möbel aus der Renaissance eher klassisch und klar, die Proportionen sind ausgewogen.
Der vintage Moebelstil liegt total im Trend

Der vintage Moebelstil liegt total im Trend (#02)

  • Barock
    Die Zeit des Barock beginnt ungefähr um 1575, als erste Sofas und Kommoden auftragen, dazu Pfeilerspiegel und Anrichten. Die typisch gekrümmten Linien, umfassenden Vergoldungen und Schnitzereien sind typisch für den Barock, dazu kamen verschiedene Schmuckelemente wie Putten, Früchte, Blumen und Girlanden. Gebrauchsmöbel waren eher zurückhaltend, Luxusmöbel für die hohen Herrschaften protzig bis prunkvoll gestaltet. Noch heute sind sie als „Louis IV. Möbelstücke“ bekannt.
  • Rokoko
    In der Spätphase des Barocks entstand der Rokoko als Möbelstil von Louis XV. Muschelornamente, die vergoldet und geschnitzt waren, dazu Verzierungen und Linien, die sich vor allem durch ihre Asymmetrien auszeichneten, waren gang und gäbe. Die Beine von Tischen und Stühlen präsentieren sich mit den typischen S-Linien, teilweise sind auch C-Linien verbreitet. Aus dieser Zeit stammen die heute noch zahlreich verbreiteten Sekretäre und Schreibtische, die wuchtig und gleichzeitig elegant wirken.
Möbelstile wie der Biedermeier sind bis heute noch verbreitet und erfreuen sich auch in moderner Zeit größter Beliebtheit.

Möbelstile wie der Biedermeier sind bis heute noch verbreitet und erfreuen sich auch in moderner Zeit größter Beliebtheit.(#03)

  • Biedermeier
    Möbelstile wie der Biedermeier sind bis heute noch verbreitet und erfreuen sich auch in moderner Zeit größter Beliebtheit. Sie zeichnen sich durch ihre klaren Formen aus, die an den Klassizismus angelehnt sind. Das Holz spricht regelrecht, meinen Bewunderer dieser Stilrichtung. Es weist eine typische Maserung auf, ist mit speziellen Fugen versehen und präsentiert sich in der Schellack-Bearbeitung mit hohem Glanz.
  • Gründerzeit
    Die Gründerzeit wird von 1860 bis 1895 gesetzt, diese Epoche ist also nicht wirklich lang. Die Möbelstücke aus dieser Zeit zeigen sich in unterschiedlichen Formen, wobei hier auch von der Neogotik oder dem Neobarock die Rede ist. Gern wurden in dieser Zeit verschiedene Stile miteinander kombiniert
Die Zeit des Barock beginnt ungefähr um 1575, als erste Sofas und Kommoden auftragen, dazu Pfeilerspiegel und Anrichten. Die typisch gekrümmten Linien, umfassenden Vergoldungen und Schnitzereien sind typisch für den Barock

Die Zeit des Barock beginnt ungefähr um 1575, als erste Sofas und Kommoden auftragen, dazu Pfeilerspiegel und Anrichten. Die typisch gekrümmten Linien, umfassenden Vergoldungen und Schnitzereien sind typisch für den Barock. (#04)

  • Jugendstil
    Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Jugendstil angesiedelt, der sich durch seine kurvigen Linien und asymmetrischen Ornamente auszeichnet. Verschiedene Motive zieren die Möbelstücke, vor allem Ranken und Blumen sind hier zu sehen. Kunst und Handwerk verbanden sich und die Einrichtung im Jugendstil wurde ein Kontrast zum ebenfalls verbreiteten Art Déco, welcher sich durch industrielle Fertigungsverfahren auszeichnete.

Die einzelnen Möbelstile greifen ineinander und verschwimmen so auch. Moderne Hersteller bedienen sich an mehreren verschiedenen Stilen und warten gleichzeitig mit eigenen Kreationen auf, die sich an frühere Vorbilder anlehnen. Ein Beispiel dafür sind die Bauernmöbel, die immer ein wenig antik wirken sollen. Sie sind aus Massivholz gefertigt, wirken eher wuchtig und groß. Sie sind für hohe und große Räume geeignet und können unterschiedliche Verzierungen aufweisen.

Gleichzeitig stehen manche Bauernmöbel auf Sockeln und beziehen damit auch die Elemente aus der Stilrichtung der Renaissance mit ein. Sie finden sich gern in Wohnungen und Häusern wieder, die im derzeit modernen Landhausstil eingerichtet werden.

Die Renaissance stammt aus Italien und schloss sich an die Gotik an. Bei diesen Möbelstücken wird die Suche nach schönen und kunstvollen Formen deutlich, wie sie auch in der Architektur dieser Zeit sowie in der Bildhauerei zu finden ist.

Die Renaissance stammt aus Italien und schloss sich an die Gotik an. Bei diesen Möbelstücken wird die Suche nach schönen und kunstvollen Formen deutlich, wie sie auch in der Architektur dieser Zeit sowie in der Bildhauerei zu finden ist.(#05)

Verschiedene Möbelstile: Antik oder nicht antik, das ist hier die Frage

Es ist kaum möglich, die Möbelstile der verschiedenen Epochen so konkret zu definieren, dass keine Überschneidungen möglich sind und dass es auch nicht zu Verwechslungen kommen kann. Doch die oben genannten Kriterien bieten einen ungefähren Anhaltspunkt für die Einordnung. Vielmehr wird heute danach gefragt, ob die Möbelstücke antik oder ob sie nur „auf alt gemacht“ sind. Manch einer mag sagen, dass dies keinen Unterschied mache, Hauptsache, die Möbelstücke wirken wie antike Gegenstände.

Echte Kenner protestieren hier natürlich und wünschen sich nur echte Antiquitäten. Leider sind die Fälschungen auf dem Markt mittlerweile so gut, dass sie nur schwer von den echten antiken Möbeln zu unterscheiden sind.

Juristisch gesehen gelten Möbelstücke, die wenigstens 100 Jahre alt, als antike Gegenstände. Allerdings besitzen längst nicht alle Teile mit diesem Alter einen wirklichen Sammlerwert. Sie müssen gut erhalten oder gut restaurierbar und vor allem selten sein.

Heute werden viele Möbelstile maschinell kopiert, wobei gerade Antiquitäten ganz oben auf der Liste der Fälscher stehen. Moderne Techniken und Technologien machen dies möglich, allerdings sehr zum Leidwesen der Sammler und Antiquitätenhändler.

Generell ist es empfehlenswert, beim Antiquitätenkauf auf das Fachwissen eines Experten zu vertrauen. Wer sich selbst auf Antiquitätensuche begibt, kann sich zwar Hinweise und Hilfestellungen in einschlägigen Fachbüchern erlesen, doch das Expertenwissen bei der Besichtigung lässt sich damit nicht ersetzen.

Generell ist es empfehlenswert, beim Antiquitätenkauf auf das Fachwissen eines Experten zu vertrauen. Wer sich selbst auf Antiquitätensuche begibt, kann sich zwar Hinweise und Hilfestellungen in einschlägigen Fachbüchern erlesen, doch das Expertenwissen bei der Besichtigung lässt sich damit nicht ersetzen. (#06)

Einige Merkmale jedoch lassen auch einen Laien zu dem Schluss kommen, ob es sich um eine echte Antiquität handelt oder um einen Gegenstand, der eben nicht in reiner Handarbeit vor mindestens 100 Jahren hergestellt worden ist:

  • scharfe Ecken und Kanten: Aus jüngerer Zeit, da antike Möbelstücke weich und abgerundet sind, Kanten sind individuell bearbeitet und nicht gleichmäßig
  • glatte Sägeflächen: Meist durch Benutzung einer Kreissäge, Möbelstück muss nach 1840 hergestellt worden sein
  • glatte Ränder: Ebenfalls durch Benutzung einer elektrischen Säge entstanden
  • dünnes Furnier: Modernes Möbelstück, frühere Furniere waren deutlich dicker als heutige
  • glatte Zapfen, Verzierungen und Schwalbenschwänze: Modernes Möbelstück, antike Verzierungen sind weitaus unebener und rauer
  • “neuer Look“: Möbelstücke ohne Gebrauchsspuren stammen meist aus neuerer Zeit

Natürlich können all diese Punkte nur Hinweise auf mögliche moderne Herstellungsverfahren sein. Mittlerweile finden sich in zeitgemäßen Wohnungen gern auch Möbel im Shabby Chic, die nachträglich mit Patina und Wurmstichen versehen wurden, um einen antiken Eindruck zu erzeugen. Doch derartige Einrichtungsstile unterscheiden sich von antiken Möbelstilen und lassen sich durch einen Kenner leicht durchschauen.

Generell ist es empfehlenswert, beim Antiquitätenkauf auf das Fachwissen eines Experten zu vertrauen. Wer sich selbst auf Antiquitätensuche begibt, kann sich zwar Hinweise und Hilfestellungen in einschlägigen Fachbüchern erlesen, doch das Expertenwissen bei der Besichtigung lässt sich damit nicht ersetzen. Außerdem ist die Kenntnis über verschiedene Möbelstile Voraussetzung, so lassen sich Fälschungen ebenfalls besser erkennen.


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About Author

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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