Architektur: Die Bedeutung handwerklicher Baukunst

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Die Architektur in Deutschland ist überaus vielseitig, wobei sich Sachverständige bei manchen Bauten nicht ganz einig sind. Ist das schon Kunst oder nur Ausdruck des Beherrschens handwerklicher Fähigkeiten?

Architektur: Kunst oder Handwerk?

Ganz Deutschland lebt von den architektonischen Meisterleistungen großer Baukünstler, wobei allein das Wort „Baukunst“ schon Erklärung genug ist. Es handelt sich hierbei nicht nur um bloßes handwerkliches Können, denn die Planer von Gebäuden sind in den seltensten Fällen auch diejenigen, die die baulichen Aufgaben umsetzen und damit ein Gebäude entstehen lassen. Vielmehr ist es die Kunst, eine theoretische Vorstellung in die Praxis umzusetzen bzw. umsetzen zu lassen, was in der Vergangenheit in Deutschland sehr gut gelungen ist.

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Kultur in Deutschland, wie auf dieser Infografik von Smava.de zu sehen ist, durch zahlreiche Gebäude bereichert wird:

  • Brandenburger Tor,
  • Kölner Dom
  • oder Wartburg

sind nur drei Beispiele für solche Bauten, die sich bis in die neue Zeit hinein einen besonderen Charakter und eine große Bedeutung bewahren konnten.

Dennoch sind sich Sachverständige einig: Architektur heißt nicht nur, ein Gebäude zu planen. Es muss auch umsetzbar sein, damit ein wirklicher Bau entsteht, der monografisch für die Kunst des Architekten steht. Theoretisches Wissen muss sich mit praktischen Kenntnissen verbinden, fachliches Können geht Hand in Hand mit der Methodik des Bauens.

Zahlreiche Wettbewerbe mit herausragenden Ergebnissen zeigen, dass die Kunst auf der einen Seite durch kreative Ideen bereichert wird, dass aber auch große Herausforderungen an die technischen Fertigkeiten gestellt werden. Ohne diese gibt es keine Umsetzung kreativer Konzepte und Ideen!

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Kultur in Deutschland Infografik, wie auf dieser Infografik zu sehen, durch zahlreiche Gebäude bereichert wird: Brandenburger Tor, Kölner Dom oder Wartburg sind nur drei Beispiele für solche Bauten, die sich bis in die neue Zeit hinein einen besonderen Charakter und eine große Bedeutung bewahren konnten.

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Kultur in Deutschland Infografik, wie auf dieser Infografik zu sehen, durch zahlreiche Gebäude bereichert wird: Brandenburger Tor, Kölner Dom oder Wartburg sind nur drei Beispiele für solche Bauten, die sich bis in die neue Zeit hinein einen besonderen Charakter und eine große Bedeutung bewahren konnten.(#01)

Baukunst und Stil in der Architektur

In allen Epochen gibt es bestimmte Stilrichtungen, nach denen sich die Architektur richtet oder die den Ideen der Architektur folgen. Auch der heute wieder moderne Bauhausstil entstand einst aus revolutionären Ideen und stand für eine einzigartige Kunst, die zur Stadtbaukultur wurde. Dabei waren für die Bauten des 19. Jahrhunderts vor allem die Tatsachen entscheidend, dass neue technische Errungenschaften verfügbar wurden und dass die Erwerbstätigkeit der Menschen anstieg. Damit auch ihr Einkommen und es war möglich, größere Häuser zu bauen, die nicht mehr nur rein funktionalen Gesichtspunkten folgten.

Neue Lebensräume entstanden und das im wahrsten Sinne des Wortes! Die Räume sollten Platz zum Leben lassen und nicht nur Möglichkeit sein, im Trockenen und Warmen zu schlafen oder zu speisen. Die Architektur wurde zur Kunst, wobei sie diesem Anspruch schon einmal gerecht wurde. Man denke nur an die Bauten der Antike! Moderne Architektur aber soll logisch und funktional sein, dabei einer gewissen Ordnung folgen. Die Stadtbaukultur ist auf Einheitlichkeit ausgerichtet, was allerdings in vielen Regionen bedeutet, dass der Kunst kaum noch Platz eingeräumt wird.

Häuser müssen sich nach städtebaulichen Vorschriften richten, verlangen eine Einheitlichkeit in Größe und Design. Hierbei mag es sich tatsächlich nur noch um Handwerk handeln, das entsprechend der Vorgaben zum Baurecht und zur Statik ausgeführt wird. Neue Formen und Stile entstehen dort, wo das freie Bauen noch möglich ist und selbst dort richten sich die Architekten immer wieder nach Vorbildern aus früheren Jahrhunderten.

Architektur heißt nicht nur, ein Gebäude zu planen. Es muss auch umsetzbar sein, damit ein wirklicher Bau entsteht, der monografisch für die Kunst des Architekten steht.

Architektur heißt nicht nur, ein Gebäude zu planen. Es muss auch umsetzbar sein, damit ein wirklicher Bau entsteht, der monografisch für die Kunst des Architekten steht. (#02)

Heute sind vor allem die folgenden Punkte wichtig:

  • Architektur muss einer Linie folgen
  • einfache Umrisse der Gebäude
  • unauffällige Proportionen
  • schlichte Fenster und Türen
  • Unterschiede durch farbigen und strukturierten Putz
  • kleinflächige Dachziegel

Moderne Gebäude, die den Anspruch an die Kunst erfüllen wollen, zeichnen sich durch ihre Schlichtheit aus, durch Unauffälligkeit und das Einfügen in die bereits vorhandene Baustruktur. Alles Gewollte wird zurückgehalten, genau das macht die Schönheit der Bauten aus. Allerdings mag diese Sichtweise im Auge des Betrachters liegen und die alte Baukunst wird nichts an ihrer Bedeutung verlieren, wie Wettbewerbe bzw. vorgestellte Konzepte immer wieder beweisen.

Dennoch stellt sich die Frage, inwieweit etwas derart Schlichtes schön sein kann und die Bezeichnung „Kunst“ verdient. Umgekehrt werden Experten fragen, warum Kunst nicht schlicht sein kann und beide Seiten haben recht. Allerdings zeigt das allgemeine Verständnis von Baukunst, dass diese mehr als nur funktional sein soll.

Gebäude aus der Antike oder aus der Zeit des Barock zeigen, dass es immer auch etwas mehr sein darf. Oder besteht die heutige Baukunst vielmehr daraus, Funktion und Design zu verbinden und jedem seine Freiheit zu lassen, die er sich auch beim Wohnen und Leben wünscht? Dem entgegen stehen allerdings die erwähnten städtebaulichen Konzepte, die ein festes Design für ganze Straßen vorgeben.

Video: Bausünde oder die hohe Kunst der Architektur? – Die Wiederentdeckung des Brutalismus

Architektur und Künste: Wo fängt das eine an und hört das andere auf?

Geht es um die Erklärung der Künste, wird Architektur meist nicht einbezogen. Dennoch gibt es den bereits erläuterten Begriff der Baukunst, unter dem in der Regel eine besondere Art des Bauens verstanden wird. Dabei bedeutet das lateinische Wort „architectura“ nichts anderes als „Baukunst“ und sagt noch nichts darüber aus, ob es sich um einen zweckmäßigen Bau oder um ein Gebäude mit besonderen künstlerischen Ansprüchen, bei denen sich eine Person monografisch verwirklichen wollte, handelt. Im weitesten Sinne geht es um die handwerkliche Beschäftigung mit gebautem Raum, wobei das Entwerfen und Gestalten die hauptsächliche Aufgabe der Architektur ist.

Architekten sehen sich als Künstler, die sich wissenschaftlich mit planvollen Entwürfen zur gebauten Umwelt auseinandersetzen, die einzigartige Ideen entwickeln und eigene Epochen schaffen. Die herausragenden Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass ein künstlerischer Anspruch auch durchaus gerechtfertigt ist.

Der moderne Begriff der Architektur umfasst aber neben der funktionalen Schaffung von Wohnraum auch die ästhetische Gestaltung desselben. Wobei es sicherlich eine Streitfrage ist, ob das Entwerfen und Planen von Hochhäusern mit hundert und mehr Stockwerken tatsächlich der Kunst zuzurechnen ist oder ob darin nicht einfach nur das Geschick zu erkennen ist, so viel Raum wie nötig auf so wenig Grundfläche wie möglich zu setzen. Ob das Kunst oder eher Mathematik ist, sei einmal dahingestellt.

Doch auch die Landschaftsarchitektur ist der Architektur zuzurechnen, wobei es hier wiederum eher um gestalterische Aspekte geht. Diese müssen sich in die vorhandenen Landschaften einfügen und dank der Komponente „Natur“ bleibt ein Mindestmaß der Verbindung aus Kunst und Leben erhalten. Wohingegen der Städtebau eher Funktion und Leben verbindet, was nicht zuletzt aus praktischen Erwägungen geschehen muss.

Eine wirkliche Grenze zwischen Architektur und Handwerk sowie zwischen Architektur und Kunst lässt sich demnach nicht ziehen. Dennoch tun sich einige architektonische Meisterwerke durch ihre gestalterische Qualität hervor und dienen nicht nur rein praktischen Nutzungsmöglichkeiten. Immer wieder versuchen Architekten, mit ihren Werken mehr zu tun, als bloß dem Bedürfnis nach umbauten Raum zu folgen.

Die verschiedenen Meinungen zur Baukunst zeigen aber auch, dass ohne handwerkliche Fähigkeiten keine Konzepte umgesetzt werden könnten. Allerdings beschränkt sich der Anspruch, Architektur zur Kunst und damit Handwerk zum Teil der Kunst werden zu lassen, immer noch auf Museums- und Theaterbauten, wie Kritiker bemängeln.

Welche Bedeutung hat die handwerkliche Baukunst?

Welche Bedeutung hat die handwerkliche Baukunst? (#03)

Der Bildungs- und Wohnungsbau folgt nach wie vor praktischen Aspekten, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Einkaufszentren werden ebenfalls nach praktischen und vor allem sicherheitsrelevanten Kriterien gebaut. Fragen rund um das Design ordnen sich der Finanzierbarkeit des Vorhabens, dem allgemeinen Bild derartiger Gebäude und der praktischen Umsetzung unter. Nun stellt sich die Frage, welche baulichen Kunstwerke die Architekten unserer Zeit der Nachwelt hinterlassen mögen.

Wird die aktuelle Architektur als Baukunst im Gedächtnis bleiben, die mit Betonklötzen und dem Verzicht auf jegliche Verschönerung glänzte? Werden Gebäude keinerlei Emotionen mehr hervorrufen können, weil sie auf das Design verzichten? Sicherlich können sich Architekten aus dem Museums- und Theaterbau einiges abschauen und sollten auf ausgezeichnete Arbeiten blicken, die wirklich herausragend sind und die die Architektur wieder als Baukunst sehen lassen.

Abschließend stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat die handwerkliche Baukunst? Die handwerkliche Beschäftigung mit dem Bauen muss sich wieder stärker auf die künstlerische Gestaltung der Bauten konzentrieren, wenn am Ende Gebäude entstehen sollen, die der modernen Zeit angemessen sind, die aber dennoch das Zeug dazu haben, als Baudenkmäler in die Geschichte einzugehen.

Sicherlich kann nicht jedes Gebäude ein Prunkbau werden, zumal die Ansprüche an solche Bauten sehr unterschiedlich sind. Aber kleine Details, die einzigartig und in dieser Form bei keinem anderen Gebäude zu finden sind, sollten wieder verstärkt Einzug halten, um die Trennung in Handwerk und Architektur wieder aufzuheben. Beide sollten zur Baukunst, die sie einst waren, verschmelzen und so das bauliche Einerlei beenden.

Das Handwerk ist die Voraussetzung für die Umsetzung architektonischer Entwürfe, dennoch darf es nicht dominierend sein. Umgekehrt muss sich das Design in den Rahmen des Machbaren einfügen, zumal Wohn- und Geschäftsräume am Ende auch noch bezahlbar sein müssen.


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About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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