NPR 1813: dank Praxisrichtlinie ergonomische Bürostühle für alle

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Bei Umfragen und Studien werden durchschnittliche Körpergrößen und Gewichtsmaße für die Einwohner Deutschlands berechnet. Doch was ist mit den Menschen, die nicht dem Durchschnitt entsprechen? Wenn diese in einem Büro arbeiten – wie sollen sie ergonomisch sitzen? Die DIN EN 1335:2000 besagt, dass Bürodrehstühle eine feste Höhe und Sitztiefe haben sollen. Doch angesichts der Tatsache, dass bereits 15,5 Prozent aller Menschen übergewichtig sind, stellt sich hier ein enormes Problem dar. Für sie passen die Stühle einfach nicht! Genauso geht es denjenigen, die kleiner und/oder leichter als der Durchschnitt sind.

Die DIN EN 1335:2000

Die Sitzhöhe eines Bürodrehstuhls muss laut DIN EN 1335:2000 zwischen 40 und 51 Zentimeter betragen, die Sitztiefe muss zwischen 38 und 44 Zentimeter liegen. Der gesamte Sitz darf nicht weniger als 40 Zentimeter breit sein. Vorgeschrieben ist, dass die Stühle für Menschen mit einem Körpergewicht von bis zu 100 Kilogramm geeignet sein müssen. Für die Errechnung dieser Werte wurde von einem durchschnittlich großen Menschen ausgegangen, der zwischen 1,51 und 1,92 Meter groß ist. Allerdings gibt es nicht wenige Menschen, die genau diesen Maßen eben nicht entsprechen. Sie sind deutlich kleiner oder größer – Basketballspieler und „Size Sero“-Models müssen schließlich irgendwoher kommen – und vor allem oft deutlich schwerer. Ein normaler Bürodrehstuhl ist mit einer Überlastung nur allzu schnell kaputt zu bekommen, gerade die Federung sowie die Rollen funktionieren unter zu hoher Gewichtsbelastung nicht lange.

Der Arbeitgeber ist in Deutschland aber verpflichtet, passende Büromöbel für die Angestellten bereitzustellen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Ergonomie, denn das Sitzen soll nicht nur bequem sein, sondern vor allem gesund. Die Bürodrehstühle müssen daher – ebenso wie die Schreibtische – den Körpermaßen angepasst sein. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Das fragt sich so mancher Firmeninhaber, wenn er einen Mitarbeiter büromöbeltechnisch ausstatten will. Die falschen Möbel im Büro gefährden sowohl die Sicherheit als auch die Gesundheit der Mitarbeiter. Eine Lösung bietet die NPR 1813, die die Größe des niederländischen Arbeitsstuhls regelt.

Büromöbel nach der Praxisrichtlinie NPR 1813:2009

Menschen in Deutschland können sich an der Praxisrichtlinie NPR 1813 der Niederlande orientieren. Hier ist geregelt, wie der perfekte Bürodrehstuhl aussehen sollte. Dabei sind die Ansprüche an Büromöbel hier in den Niederlanden deutlich höher als in Deutschland. Im Nachbarland sind die Menschen durchschnittlich größer – aufgrund der stetigen Zuwanderung aber zum Teil auch kleiner. Groß gewachsene Friesen leben hier neben kleineren Asiaten – der Durchschnitt würde irgendwo in der Mitte liegen. Würde hier die deutsche DIN EN 1335 angewendet werden, würden in die entsprechenden Größen nur etwa 50 Prozent der gesamten niederländischen Bevölkerung fallen – die übrigen müssten mit Bürodrehstühlen klarkommen, die nicht passend sind. Es gibt daher den sogenannten niederländischen Arbeitsstuhl. Dieser ist in Bezug auf seine Maße deutlich weiter gefasst und soll von 41 bis 55 Zentimeter in der Höhe verstellbar sein. Die Sitztiefe muss laut NPR 1813 zwischen 38 und 48 Zentimeter betragen. Hier können sowohl größere als auch deutlich kleinere Menschen bequem sitzen. Außerdem liegt das Augenmerk natürlich auf dem Gewicht der Angestellten: Der niederländische Arbeitsstuhl trägt auch ein höheres Gewicht besser.

Fortschritte auch in Deutschland

Auch in Deutschland haben die Hersteller von Büromöbeln erkannt, dass die Menschen bei Weitem nicht alle dem Durchschnitt entsprechen. Die Forderungen an perfekte Büromöbel gehen daher inzwischen über die DIN EN 1335 hinaus. Es gibt hierzulande die Richtlinie BGI 650, bei der von einer Sitzhöhe zwischen 40 und 51 Zentimetern ausgegangen wird, die Empfehlungen gehen sogar zu einer Höhe von bis zu 53 Zentimetern. Die Sitztiefe soll zwischen 40 und 42 Zentimeter betragen, empfohlen wird eine Spannbreite von 37 bis 47 Zentimeter. Die Empfehlungen sind also deutlich weiter gefasst in ihren Maßangaben.

Wichtig sind in jedem Fall die Einstellmöglichkeiten. Der Bürodrehstuhl muss sich perfekt in der Höhe anpassen lassen. Als Faustregel gilt hier, dass die Beine nebeneinander auf den Boden gestellt werden müssen und der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel ca. 90° betragen soll. Natürlich hält niemand den ganzen Tag über seine Beine in dieser Position, er soll jedoch wenigstens die Möglichkeit dazu haben.

Das ergonomische Arbeiten ist allerdings nur im Zusammenspiel von Bürostuhl und Schreibtisch möglich. Daher werden auch immer wieder Forderungen nach besser anpassbaren Schreibtischen laut. Die bisher auf dem Markt befindlichen Tische lassen sich in Höhe und Neigung oft nur unzureichend verstellen und sind ebenfalls wieder nicht für Menschen geeignet, die aus dem Raster des Durchschnittsdeutschen herausfallen.

Neue Hersteller und Angebote berücksichtigen die NPR 1813

Viele Hersteller von Büromöbeln haben den Trend erkannt und bieten inzwischen auch Bürodrehstühle an, die ergonomisch perfekt sind und die dennoch für Menschen passen, die eben nicht dem Durchschnitt entsprechen. Es sind zudem einige neue Hersteller auf dem Markt, die eigene Produktpaletten in XXL entworfen haben und damit genau den Markt bedienen, der bislang nicht beachtet wurde. Allerdings muss dazugesagt werden, dass diese Möbel noch längst kein Standard sind und wer ein Büro neu ausstatten will, muss bei Sonderwünschen sicherlich erst nach den innovativen Anbietern suchen.

Einige Anbieter haben sich auf Bürodrehstühle spezialisiert, die besonderen Anforderungen standhalten müssen. Diese Stühle bieten zum Beispiel Armlehnen, die in der Breite verstellbar sind. Der Einstieg in den Stuhl ist damit leichter. Für Menschen, die unter Versteifungen der Gelenke leiden, gibt es extra Ausführungen. Diese „Arthrose-Stühle“ verfügen über Sitzbreiten von bis zu 50 Zentimeter. Besonders übergewichtige Menschen werden bei den neuen Modellen ebenso fündig. Die Stühle sind sehr robust und halten auch einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm stand.

Insgesamt geht die Ergänzungsrichtlinie bzw. Richtlinie NPR 1813 deutlich über die DIN EN 1335 hinaus. Daher halten sich die Designer der Büromöbel eher an die Empfehlungen als an die in der DIN festgehaltenen Vorschrift. Dabei ist festzustellen, dass der Trend insgesamt eher zum massiv verstellbaren Bürostuhl geht. Damit wird dem Fakt Rechnung getragen, dass immer mehr Menschen aus dem Raster des Durchschnitts herausfallen. Natürlich gibt es auch für durchschnittlich gewachsene Menschen ergonomische Bürostühle, die das tägliche Arbeiten angenehmer gestalten und Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ausschließen. Doch die Anpassung der Richtlinien an die Praxisrichtlinie NPR 1813 der Niederlande ist längst überfällig, denn: Wer entspricht schon dem Durchschnitt?

Bürostühle, die der NPR 1813 entsprechen

Zu guter letzt möchten wir einige aktuelle Modelle der Hersteller von Bürostühlen auflisten, welche der Ergänzungsrichtlinie NPR 1813 entsprechen. Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • HAG Futu 1020 Futuknit
  • rohde & GRAHL xenium-duo back
  • rohde & GRAHL xenium-basic
  • Inwerk Marum
  • Inwerk Almere
  • EasySit® Bürostuhl (design by vottelerdesign)
  • mono-balance® Bürostuhl
  • Mera Bürodrehstuhl Modell XS-XL NPR mer74

Bildnachweis: © morguefile.com – clarita

About Author

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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