Bunker-Anlagen

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Die Zahl der Bunker Anlagen in Europa ist schier unermesslich. Schon seit über einhundert Jahren werden Bauwerke zur Verteidigung von Städten und Landstrichen errichtet, die wir im klassischen Sinne als „Bunker“ bezeichnen können. Dunkle und gedrungene Bauten, oft nur mit wenigen Sehschlitzen ausgestattet oder gar ganz ohne Augen. Oftmals geht von ihnen eine bedrohliche Stimmung aus. Nicht alle Bunker Anlagen sind uns bekannt – auch wenn sie in unserer unmittelbaren Nachbarschaft liegen. Wir haben Licht ins Dunkel gebracht und einige der Relikte aus längst vergangenen Zeiten hervorgeholt.

Bunker: Anlagen aus ganz Europa

Dänemark, die Tschechische Republik und Deutschland stehen auf unserer Liste.

Die Bunker-Anlagen von Törring / Lemvig

Im dänischen Törring / Lemvig (Limfjord) findet sich eine Bunker-Anlage, die im letzten Krieg nur eine nachrangige Rolle spielte. Dort stehen sogenannte Regelbau Bunker vom Typ Regelbau 669 „Schartenstand für Feldgeschütze (60°) ohne Nebenräume“. Die Bunker-Anlage wurde von der deutschen Wehrmacht errichtet. In ihnen lag die Heeresküstenbatterie 19 mit vier Geschützen 12,2 cm „K 390“. Wer sich für die militärhistorischen Details interessiert: es gab auch noch zwei 7,62-cm-Pak 39 (r), zwei 2-cm-Flak 38, zwei 5-cm-Kwk., sechs 8,2-cm Granatwerfer 274 (r), drei 8,8 cm Raketenpanzerbüchsen 54 ‚Panzerschreck‘, drei schwere MG 42, drei leichte MG 42, ein 60-cm Scheinwerfer, zwei 150-cm Scheinwerfer – so zumindest ein Inventarverzeichnis des Deutschen Atlantikwall-Archiv, welches wir bei unseren Recherchen im Internet aufgestöbert haben.

Ein historisch interessierter Dänemarkreisender hat den Ort aufgesucht und gefilmt. In seinem Video nimmt er uns mit in die Betonbauwerke.

Die Bunker-Anlagen von Stachelberg

In der Tschechischen Republik liegt die Festung Stachelberg. Die Festungsanlage wurde im Zuge der Mobilmachung der Tschechischen Republik im Jahr 1937/38 zur Verteidigung gegen das damalige Deutschland errichtet. Die Bunker-Anlage ist sehr weitläufig und verfügt in einer Tiefe von 20 bis 60 Metern über ein unterirdisches Labyrinth an Galeriegängen von 3,5 Kilometern Gesamtlänge. Die Bunker-Anlagen wurden als sogenannte Artilleriegruppe errichtet, doch nie vollendet. 12 Objekte wurden begonnen, 11 sollten mit Galerien verbunden werden.

Die Werkgruppe besaß zwei Artilleriekassematten, von denen eine jede mit drei 10-cm-Haubitzen ausgestattet waren. Zwei weitere Objekte mit Dreh- und Hebpanzertürmen und zwei 10-cm-Haubitzen gehörten ebenfalls dazu. Später sollten zwei Werke für drehbare Panzertürme mit jeweils zwei 12-cm-Minenwerfern hinzukommen.

Das Münchener Abkommen 1938 führte dazu, dass der Bau der Bunker-Anlage eingestellt wurde und es nie zur Fertigstellung kam. In der Zeit des Protektorats von 1939 bis 1945 war die Festung geschlossen. Geographisch liegt die Bunker-Anlage „Stachelberg“ etwa 3 km von Žaclér entfernt. In einem der Werke, dem wiederhergestellten Infanteriebunker T-S73 befindet sich ein Museum mit einem Geländemodell der gesamten Festungsanlage.

Wer sich von seinem Navi dort hingeleiten lassen möchte: Koordinaten: N50°38`49.53“ E15°55`44.36″. Wer nicht auf die Dame im Handy hören möchte, fährt nach Piliri, 54201 Žaclér. Ab dort folgt man den Hinweisschildern zur Festung.

Auch hier führt uns das Video eines Urlaubers in die bestens erhaltenen Bunker-Anlagen und Schützengräben.

Die Bunker-Anlagen von Vogelsang in der Eifel

Oberhalb der Urfttalsperre auf dem Berg Erpenscheid wurde die NS-Ordensburg Vogelsang errichtet. Bei Schleiden-Gemünd in Nordrhein-Westfalen liegt die damalige Schulungsstätte. Ein Teil der Bauwerke ist erhalten, steht teilweise unter Denkmalschutz. Etwa 100 ha bebaute Fläche umfasst die Ordensburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen britische Streitkräfte die Burg und richteten auf dem umliegenden Gelände auf 6354 ha einen Truppenübungsplatz ein. In den Jahren 1950 bis 2005 nutzten belgische Militärstreitkräfte die Anlage als „Camp Vogelsang“.

Das Deutsche Reich errichtete damals zum Schutz der Ordensburg Vogelsang 16 Bunker in der Linie des Westwalls. Reste der Bunker-Anlagen sind noch heute erkennbar, wurden am 1. Dezember 2006 unter Denkmalschutz gestellt. Die nachfolgenen Videos zeigen einige der Werke und das Umland.

Die Bunker-Anlagen im Buhlert nahe dem Hürtgenwald

Der Buhlert war im Zweiten Weltkrieg Teil der besonders stark umkämpften Nordeifel. Nahe dem Buhlert liegt auch der Hürtgenwald, Schauplatz der großen Abwehrschlacht der Wehrmacht gegen die anstürmende US Army. Die Bunker-Anlagen in der Nordeifel, lange Schützengräben zahllose Bombentrichter zeugen noch heute von den schweren Kämpfen.

Der damalige Westwall zog sich auch durch den Buhlert. Einige der Bunker-Anlagen um Buhlert sind auch heute noch gut erhalten und teilweise auch begehbar. Die gut erhaltenen Bunker-Anlagen sind solche aus dem sogenannten Limes-Programms der 1930er-Jahre. Die Gruppenunterstände 131 und 132, der Doppelgruppenstand 139/140, der MG-Bunker 135 und einen Bunker zur Wasserversorgung.

Zur Durchführung der Bauarbeiten wurde zur Zeit der Errichtung der Bunker-Anlagen die „Bunkerstraße“ errichtet. Über die Bunkerstraße wurden die Baustellen mit dem benötigten Material beliefert, die noch heute als asphaltierter Waldweg erhalten ist. Die Bauarbeiten wurden vom damaligen Reichsarbeitsdienst ausgeführt. Dessen Lager 7/315 liegt an der Stelle des heutigen Wandererparkplatzes an der L 246.

In den beiden Videos sehen wir einige der oben angeführten Bauwerke, teils auch von innen.

Die Bunker-Anlagen auf dem Pionierübungsplatz Markendorf

Markendorf ist ein Ortsteil von Jüterbog und liegt ca. 7 km östlich der Stadt. Das kleine Sackgassendorf Markendorf wurde bereits 1368 als „Marggreuendorf“ bzw. „Markgrafendorf“ erwähnt, ist jedoch älteren Ursprungs. Im Jahr 1908 wurde nach französisch-belgischem Vorbild durch die Königlich-Preußische Festungsbau-Schule Berlin-Charlottenburg der Pionierübungsplatz erbaut.

Hier gab es für Truppenversuche Bunker-Anlagen als Beschussziele für 42-cm-Mörser der Krupp A.G. Der geplante Mörser- und Granatbeschuss sollte im Sommer 1914 durchgeführt werden, dies blieb aber aus. Ende des Jahres 1914 erflgte ein Rückbau der Ausstattung mit Bunker-Anlagen und eine Verbringung nach Königsberg. Hier entstand kurze Zeit später ein Versuchsschießplatz für Grenz- und Feldbefestigungen. Hierzu wurde ein Nachbau zweier französischer Festungswerke errichtet, den die Minenwerferschule als Beschussziel nutzte.

  • Artilleriewerk

    Großes Fort, ein Bauwerk aus Stahlbeton, teilweise mit zwei Etagen und einem Panzerturm. Außenmaße: 60 x 15m

  • Infanteriewerk

    Kleines Fort, ein Bauwerk aus Stahlbeton, Außenmaße: 38 x 10m, Nutzfläche: 95 m²

Ab 1930 lag hier die Erprobungsstelle des Heeres-Waffenamtes und ein Bombenabwurfplatz. In den 1970er Jahren kam es zur Verfüllung des Artilleriewerks.

Das Video zeigt einige der noch erhaltenen Bauten des Pionierübungsplatzes Markendorf.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Gilmanshin

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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