Französische Fliesen und Tonplatten: auf 200 Jahren Krieg und Frieden wohnen

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Antike französische Fliesen sind wie so vieles, Althergebrachtes groß in Mode. Historische Wand- und Bodenfliesen sind eine Seltenheit und besitzen schon deshalb einen besonderen Charme. Sind aber auch von edler Machart und mit Ornamenten verziert, die man heute nicht mehr oder nur sehr schwer findet. Umso wichtiger, historische Fliesen zu pflegen oder bei der Sanierung eines Altbaus ihre Schönheit zu erhalten.

Alte Zementfliesen in Rot oder Sandfarbe, geschmorte Fliesen, burgundische Fliesen, alte Terrakottafliesen, rote Janshof Fliesen oder antike Lindenhoff Fliesen, es gibt eine Vielzahl antiker Fliesen mit immer wieder anderem Erscheinungsbild. Nicht jeder mag moderne Bodenbeläge. Wer möchte, kann die Bausubstanz seiner Immobilie bei einem Umbau an vorhandene Fliesen anpassen. Antike Fliesen geben einem Haus Charakter und vermitteln einen neuen Eindruck von Geschichte. Wer keine Originale findet oder kaufen möchte, kann sich antike Fliesen nach historischem Vorbild herstellen lassen. Sie werden heute in wenigen Manufakturen in reiner Handarbeit gefertigt.

Fliesen im Stil alter Bausubstanz

Einige gut ausgebildete Hersteller brennen Fliesen in historischer Optik, die deutlich bessere Materialeigenschaften besitzen als früher. Darüber hinaus können historische Fliesen auch fachgerecht erneuert werden und erstrahlen damit wieder im alten Glanz. Gerade in Gewerbeobjekten wirken sie eindrucksvoll. Wer schon einmal einen alten Weinkeller oder ein Restaurant mit antikem Flair betreten hat weiß, dass die Atmosphäre maßgeblich von historisch anmutenden Bodenbelag herrührt.

Terrakottafliesen aus dem 17. und 19. Jahrhundert – oft schon Sammlerobjekte

200 Jahre alte französische Fliesen kann man mit Fug und Recht als antiken Bodenbelag bezeichnen. Sie atmen Geschichte aus und es ist ein Genuss, darauf zu laufen. Rotbunt, bunt, braunrot und orangerot, wer mit antiken französischen Fliesen wohnt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt und hält gleichzeitig Geschichte lebendig. Die warmen, viereckigen Tonfliesen kommen in Eingangsbereichen, Hallen und Fluren von Gewerbegebäuden besonders gut zur Geltung. Sie hinterlassen aber auch in Wohnhäusern einen erstklassigen Eindruck. Alte französische Fliesen passen hervorragend zu modernen Wohnungseinrichtungen, können beispielsweise gut mit einer eleganten Küche kombiniert werden. Auch im Wohn- und Schlafzimmern entfaltet sich mit historischen Fliesen aus Spanien, Frankreich oder Marokko wohnlicher Landhausstil mit antikem Flair.

Moderne Fliesenherstellung wie anno dazumal

Französische Fliesen nach alter Machart sind Terrakottafliesen, die man auch heute noch von Hand herstellt. Sie sind extrem widerstandsfähig und haben eine individuelle Ausstrahlung. Jeder dieser Tonböden ist ein Unikat begeistert durch zeitlose Eleganz und Wärme. Terrakottaböden nach altem Vorbild sind Klassiker gehobener Wohnkultur. Als natürliche, lebendige, atmungsaktive und fußwarme Baustoffe sind sie außerdem baubiologisch wertvoll. Tonfliesen können den Schall brechen und die Feuchtigkeit im Raum regulieren. Sie verschleißen nicht und auch im Brandfall entstehen keine gesundheitsschädlichen Gase. In Relation zur Nutzungsdauer sind Tonböden preiswert und ökologisch unbedingt empfehlenswert. Sie eignen sich sogar für Fußbodenheizungen, denn sie nehmen die Wärme sehr gut auf und geben sie lange und gleichmäßig ab. Selbst wenn die Heizung nicht angestellt ist, kühlt ein solcher Boden nicht komplett aus.

Tonfliesen für mehr Wohngesundheit

Bereits die alten Römer kannten die Vorteile einer Flächenheizung und sind die eigentlichen Erfinder der Fußbodenheizung. Sie heizten die Böden und Wände ihrer Badehäuser mit warmer Luft. Zu diesem Zweck wurde ein Brennofen in einem zentralen Heizraum unter oder neben dem Haus auf 250 °C vorgeheizt. Die aufsteigende Warmluft verteilte sich über Tonrohre in den Hohlräumen unter den Fußböden und wärmte Hohlziegel in den Wänden. Moderne Fußbodenheizungen arbeiten nach dem gleichen, energiesparenden Prinzip. Sie benötigen eine deutlich geringere Vorlauftemperatur als konventionelle Heizungen und sind daher aktuell wie nie zuvor.

Historische Baustoffe erleben eine Renaissance

Historische Baustoffe zu verwenden liegt im Trend, denn sie haben einen unverwechselbaren Charakter und schenken Gebäuden jede Individualität, die man bei industriell gefertigten Produkten oft vermisst. Möchte man historische Terrakottafliesen wiederverwerten, trägt man sie in der Regel aus Bodenfliesen von Klöstern, Weinkellern und Landhäusern mühevoll zusammen. Anschließend werden die Fliesen nach Dekoren sortiert. Für die Gründerzeit ist eine besondere Farbenpracht typisch. Man verzierte Flure, Küchen und Eingangshallen in Schlössern und Landsitzen. Selbst Friedrich Wilhelm IV. schmückte den Schlosspark von Sanssouci mit Terrakotta, weil er das mediterrane Flair liebte.

Architekten und Natursteinliebhaber haben vor allem Baustoffe aus dem 17. und 19. Jahrhundert für sich entdeckt. Französische Fliesen sind wie andere alte Baustoffe sehr vielseitig verwendbar. Unter Kennern erfreuen sich auch alte Dachschindeln, Türen und Holzbohlen besonderer Beliebtheit. Bei der Renovierung werden sie ebenso gerne verwertet wie im Neubau. Da sich der Recyclinggedanke immer stärker durchsetzt, werden alte Gebäude glücklicherweise seltener komplett abgerissen. Heute versucht man, historische Bausubstanz möglichst zu erhalten. Daher werden Böden und Fliesen geborgen und wieder aufbereitet. Im Sinne der Werterhaltung kann man historische Baustoffe längst originalgetreu restaurieren.

Simse, Säulen und Kamine aus historischen Baustoffen

Granit, Sandstein und Marmor waren als Baustoff schon immer sehr gefragt. Vor allem zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert stattete man Simse, Treppen, Wege und Kamine gerne mit Naturstein aus. Diese gemauerten Strukturen haben eine unverwechselbare Optik und sind ein erhaltenswertes Stück Zeitgeschichte. Als Architekturelemente kommen sie heute wieder zu neuen Ehren. Neben Fliesen gehören auch alte Gefäße und Skulpturen zu dieser gerne gesammelten Kategorie. Möchte ein Bauherr sein Objekt mit historischen Stücken ausstatten, muss er sich in der Regel auf einer Bauteilebörse umschauen. Hier findet er alte Gebäudeteile wie Eingangstüren, seltene Dachziegel, Fliesen oder Torbögen aus Fachwerkhäusern. Die Suche nach dem passenden Stück ist sehr aufwändig und nicht gerade preiswert. In unseren Nachbarländern werden Liebhaber besonderer Bauteile schneller fündig, denn hier gibt es gesetzliche Vorschriften zur Wiederverwertung. In Holland beispielsweise werden Abrissunternehmen dazu verpflichtet, ein Lager mit historischen Baustoffen zu unterhalten und mit den Stücken zu handeln. Auch in der Schweiz genießen alte Bauelemente ein besseres Image als bei uns. Während diesen Stücken in Deutschland oft ein Makel anhaftet, kann man ihre Besonderheit in anderen Ländern eher wertschätzen.

Gärten mit historischen Baustoffen schmücken

Barocke Ornamente im Garten sind eine von vielen Möglichkeiten, historische Bausubstanz in neue Zwecke zu überführen. Sie verleihen dem Garten ein romantisches Antlitz, sind wetterfest und kommen vor dem Pflanzengrün besonders gut zur Geltung. Bäume und Büsche scheinen die Schönheit der Skulpturen, Vasen, Brunnen und Balustraden aus Naturstein noch hervorzuheben. Eine malerische Sandsteinbank oder die Rekonstruktion eines Rosenbogens lassen innehalten und laden zum Träumen ein.

Keramische Artefakte als Zeugen der Zeit

Keramiken sind bereits aus der Frühzeit bekannt. Die Originale gehören zwar ins Museum, doch Nachbildungen können auch heute erworben werden. Antiquitätenhändler bieten solche Keramiknachbildungen an. Wer möchte, kann heute sogar eine Replik einer etruskischen oder römischen Grabbeigabe aus Terrakotta kaufen. Für die wissenschaftliche Forschung sind historische Keramiken besonders wertvoll, denn durch sie lässt sich der Lebensalltag vor Jahrtausenden nachvollziehen. An der Herstellung keramischer Reproduktionen für Museen sind Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen beteiligt. Archäologen, Handwerker, Ethnologen, Materialwissenschaftler und Ethnoarchäologen arbeiten hier Hand in Hand.


Bildnachweis: © freeimages.com – Marcelo Terraza

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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