Hamburg Hochbunker

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Flaktürme heißen in Hamburg Hochbunker und erzählen stumm ihre Geschichte, die nun schon bald 80 Jahre zurück liegt. Einige der Hamburger Hochbunker gibt es nicht mehr, sie wurden abgetragen. Andere Hochbunker führen auch heute noch ein illustres Leben.

Hamburg: Hochbunker in St. Pauli und auf dem Heiligengeistfeld

Die Hamburger Flaktürme sind zwei Gebäude: der sogenannte Flakturm IV in St. Pauli (das ist der Bunker an der Feldstraße) und der Flakturm VI in Wilhelmsburg, der heute als Energiebunker Wilhelmsburg dient.

Flakturm IV in Hamburg: Hochbunker in St. Pauli

Die Hamburger Flaktürme sind Mehrzweckbauten. Als Luftschutzbauten boten Sie einem Teil der im Umfeld ansässigen Zivilbevölkerung Schutz bei Luftangriffen der Briten. In Betonbauweise mit Stahlarmierungen errichtet, nahmen die Hochbunker in Hamburg auf ihrer obersten Plattform auch Flugabwehrgeschütze auf. Kleine Hochbunker dienten als Feuerleitstände für die beiden Flaktürme. Ein dritter Flakturm wurde geplant, doch es kam nie zur Bauausführung. Die Hamburger Hochbunker (die beiden Flaktürme und die beiden Feuerleittürme) entstanden in den Jahren von 1942 bis 1944. Heute sind nur noch die beiden Gefechtstürme bzw. Flaktürme erhalten. Die Feuerleittürme wurden abgetragen.

Dieser Bunker an der Feldstraße wird zur sogenannten Bauart 1 gezählt. Er entstand im Jahr 1942. 1.000 Zwangsarbeiter errichteten den Hochbunker in nur 300 Tagen Bauzeit. Zunächst wurde der Flakturm mit vier 10,5-cm-Flakgeschützen bestückt. Im August 1942 wurde die Bewaffnung des Hochbunkers gegen vier 12,8 cm-Flakzwilling 40 ausgetauscht.

Der Hochbunker „Flakturm IV“ zählt zu den größten Bunkerbauwerken. Das Gebäude besitzt eine Grundfläche von 75 x 75 Meter. Die 3,5 Meter dicken Betonwände sind 38 Meter hoch, die Decke des Bunkers ist 5 Meter dick. Die Fenster im Bunker wurden mit Betonplomben verschlossen. Als Luftschutzbau bot der Flakturm IV 18.000 Personen Platz. Für Frauen mit Kindern gab es einen speziellen Kinderwagen-Eingang. Im Sommer 1943 wurden sogar bis zu 25.000 Menschen in seinem Innern gezählt.

Nach dem Krieg diente der Hochbunker in der Zeit des Wohnraummangels zivilen Mietern als Wohnung. Zu Zeiten des kalten Krieges diente der inaktive Hochbunker als Luftschutzbunker. Später dann – Im Jahr 1990 – veräußerte man das Gebäude und baute es um zu einem Medienzentrum. Heute findet sich dort die Diskothek Uebel & Gefährlich.

Schon wenige Jahre später – 1993 – wurde das Erbpachtrecht für den Hochbunker bis zum Jahr 2053 an einen Investor übertragen. Die Pläne sehen eine Aufstockung des Bauwerks um fünf Stockwerke um etwa 20 Meter vor. Ein Hotel, ein Fitnessclub, Gastronomiebetriebe, eine Veranstaltungs- und Sporthalle sollen dort entstehen wie auch eine Bepflanzung auf dem Dach. Die Baukosten wurden mit etwa 30 Millionen Euro geschätzt.

Video (Dronenflug!) über den Hochbunker St. Pauli

In luftiger Höhe fliegt die Drohne über den Hochbunker in St. Pauli hinweg und zeigt ihn uns aus der Vogelperspektive.

Flakturm VI in Hamburg: Hochbunker in Wilhelmsburg

Der Flakturm VI in Hamburg-Wilhelmsburg entstand bis Oktober 1943 und wird der Bauart 2 zugerechnet. Die Grundfläche des Hochbunkers ist kleiner als die seines älteren Bruders: nur 57 x 57 Meter. Dafür ragt der Hochbunker 41,6 Meter auf. Seine Wände sind mit 2 Metern dünner und auch die Decke ist nur 3,5 Meter dick. Der zugehörige Feuerleitbunker (Leitturm) ist noch kleiner, seine Grundfläche misst 39 x 23,5 Meter bei einer Bauhöhe von 41,8 Metern.

Die vier Geschützstellungen waren mit 12,8-cm-Zwillingsflak vom Typ Flak 40 ausgestattet. Die maximale Schussweite der 12,8-cm-Flak beträgt 21 Kilometer, vertikal beträgt die maximale Schusshöhe immerhin 15.000 Meter. Die Hochbunker der Bauart 2 boten den Waffenteams einen besseren Schutz als jene der Bauart 1.

Die Zuführung der Munition erfolgte über Kettenaufzüge aus dem Depot im Erdgeschoss. Die vier Zwillingsflak verschossen 2.900 Granaten à 26 Kilogramm pro Stunde. Auf einem Plateau, welches eine Etage unter der Geschützplattform angeordnet war, standen kleinere Flakgeschütze der Kaliber 2cm und 3,7cm zur Abwehr von Tieffliegern. In den neun Stockwerken des Hochbunkers fanden bis zu 30.000 Menschen Schutz vor den alliierten Bomben.

Video 1 über den Hochbunker Heiligengeistfeld

Ein Video eines Besuchers gibt Einblicke in das Innere des Hochbunkers.

Video 2 über den Hochbunker Heiligengeistfeld

Eine Zeitzeugin berichtet über ihre Erlebnisse im Hochbunker.

Video 3 über den Hochbunker Heiligengeistfeld

Die Sprengung des Hochbunkers ist spektakulär – und ein Fail. Der Innenraum wird zerstört, die Außenhülle bleibt bestehen.

Energiebunker Wilhelmsburg: der ehemalige Hochbunker Hamburgs erlebt ein Revival

In den Jahren 2010 bis 2013 wurde der Hochbunker umfunktioniert. Zur Internationalen Bauausstellung wurde aus dem Hochbunker ein „Energiebunker“. Das Energiezentrum im früheren Hochbunker ist mit einem Biomasse-Blockheizkraftwerk, einem Wärmewasserspeicher, einer Solarthermieanlage über dem Turm und mit einer Photovoltaikanlage an der Südseite ausgestattet.

Im Rahmen des Umbaus des ehemaligen Flakturms wurde der völlig zerstörte Innenraum von Schutt befreit. Tragende Pfeiler im Innenraum erneut aufgebaut. Ein Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Kubikmetern Wasser dominiert nun den Innenraum. Der Wärmespecher nimmt die bislang ungenutzt an die Umwelt abgegebene Abwärme eines nahen Industriebetriebs auf.

Wo früher die Flakbatterie stand, eröffnete im März 2013 ein Café mit Aussichtsterrasse. In 30 Metern Höhe haben die Besucher einen herrlichen Blick über Wilhelmsburg und den gesamten Hamburger Hafen.

Die Geschichte der Hochbunker Hamburgs

Im Jahr 1940 wurde als eine Reaktion auf die britischen Luftangriffe beschlossen, die Stadt Berlin durch die Aufstellung von Flaktürmen gegen britische Bombenangriffe zu schützen. Im weiteren Verlauf des Krieges erweiterte sich der Horizont und schloss bis zum Ende des Jahres 1942 auch die Städte Wien und Hamburg ein.

Hamburg war zum Teil auch deswegen ein Ziel alliierter Luftangriffe, weil in Hamburg mehrere große Schiffswerften und Fabriken U-Boote, Schiffe und weitere kriegswichtige Güter produzierten. Die Planung und Konstruktion der Flaktürme und Hochbunker erfolgte unter der Leitung von Albert Speer – dem Generalbauinspektor der Reichshauptstadt – und durch den Architekten Friedrich Tamms. Die Ausführung übernahm die Organisation Todt.

Ursprüngich waren für den Schutz Hamburgs sogar drei Hochbunker als Gefechtstürme geplant. Die drei Flaktürme sollten in Dreiecksform über das Stadtgebiet verteilt angeordnet werden. Dies sollte eine gute Schussüberdeckung gewährleisten. Jedem der drei Gefechtstürme (G-Türme) war ein zusätzlicher Hochbunker als Leitturm (L-Turm) für die Feuerleitung zugeteilt. Zwischen dem Feuerleitturm und dem Gefechtsturm lag ein Abstand von wenigstens 100 Metern. Der Grund für diesen Abstand waren die Vibrationen und der dichte Rauch des Flak-Mündungsfeuers, welches vom Gefechtsturm ausging. Man befürchtete, dass auf eine kürzere Entfernung die Vibrationen und der Rauch die Mess- und Radargeräte beeinflussen würde. Auf diesen Leittürmen fand sich beispielsweise das Radargerät Würzburg-Riese. Die Leittürme waren generell kleiner ausgelegt als die Gefechtstürme.

Von den drei geplanten Flaktürmen wurde der Flakturm im Hamburger Osten nicht mehr ausgeführt, so dass letztlich nur zwei Hochbunker als Flaktürme und zwei Hochbunker als Leittürme entstanden. Die Nummerierung der Flaktürme erfolgt reichsweit und zwar nach Beginn der Bauarbeiten. So ersieht man, dass vor den Flakturm IV bereits drei weitere Flaktürme erbaut wurden. Dem Flakturm VI ging ein weiterer Flakturm an anderem Standort voraus. Die Hamburger Flaktürme erhielten so die Kennungen „Flakturm IV“ und „Flakturm VI“.

Wo stehen die Hochbunker und Flaktürme?

Hochbunker: Flaktürme in Berlin, Hamburg und Wien
Name Standort Bauart Fertigstellung jetziger Zustand / Nutzung
Flakturm I Berlin-Tiergarten,
Großer Tiergarten
1 04/1941 Gesprengt und rückgebaut
Flakturm II Berlin-Friedrichshain,
Volkspark Friedrichshain
1 10/1941 Gesprengt und überdeckt
Flakturm III Berlin-Gesundbrunnen,
Volkspark Humboldthain
1 04/1942 Teilweise gesprengt. Aussichtsplattform, Kletterwand, Museum. Hochstraße 5, 13357 Berlin
Flakturm IV Hamburg-St. Pauli,
Heiligengeistfeld
1 10/1942 Medienzentrum.
Musikclub Uebel & Gefährlich.
Koordinaten 53° 33′ 23″ N, 9° 58′ 12″ O.
Flakturm V Wien, Stiftskaserne,
Esterházypark
3 07/1944 Im Leitturm: Haus des Meeres, Kletterwand, Foltermuseum, Im Gefechtsurm: Bundesheer
Flakturm VI Hamburg-Wilhelmsburg 2 10/1943 2010–2013 umgebaut zum „Energiebunker“.
Koordinaten 53° 33′ 23″ N, 9° 58′ 12″ O.
Flakturm VII Wien, Augarten 3 01/1945 Ungenutzt
Flakturm VIII Wien, Arenbergpark 2 10/1943 Gefechtsturm: Depot des Museum für angewandte Kunst (MAK), Leitturm: gelegentliche Ausstellungen und Führungen, Rechenzentrum.
Quelle: Wikipedia

Loft-Projekt in Hamburger Hochbunker

Ein einzigartiges Bauprojekt hat ich in der Hamburger Welt der Bunker entwickelt. Kunst, Stahl, Mauern… Ein Traum geht hier für manchen in Erfüllung.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild

About Author

Klaus Müller-Stern

Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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