Moderne Planung von Schaltern und Steckdosen

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Der Neubau des Hauses steht, jetzt geht es an die Planung von Schaltern und Steckdosen. Auch bei Umbau und Renovierung kann dieser Schritt anstehen. Jetzt nur keine Fehler machen!

Planung von Schaltern und Steckdosen: Ausstattungsrichtlinie beachten

Auch wenn die Planung von Schaltern und Steckdosen gut überlegt war, zeigt sich später doch, dass Anschlüsse fehlen. Die immer zahlreicher werdenden Geräte, die mit Strom betrieben werden, wollen einen Anschluss haben. Doch nur allzu oft zeigt sich im Alltag, dass bei der Planung von Schaltern und Steckdosen doch zu wenig an morgen gedacht wurde. Dabei ist bei der Elektroinstallation die Ausstattungsrichtlinie wichtig.

Die Ausstattungsrichtlinie als Norm

Beim Bau eines Hauses gibt es umfassende Normen, die berücksichtigt werden müssen. So auch bei der Elektroinstallation, die in puncto Sicherheit und Komfort besonders wichtig ist. Gültig ist hierfür die DIN 18015, nach der eine Ausstattungsrichtlinie mit zahlreichen Punkten entworfen wurde. Zunächst sind hier drei Ausstattungswerte genannt, die für Wohn- und Geschäftsräume sowie für Nebenräume gelten. Die Ausstattungswerte von eins bis drei sind von gering nach hoch geordnet.

Wichtig zu wissen: Für einen Raum können sogar verschiedene Ausstattungswerte zur Anwendung kommen. Dabei ist die Ausstattungsrichtlinie für das eigene Haus keine gesetzliche Vorschrift, sondern sie kann vielmehr als Hinweis und Ratgeber verstanden werden. Tipp: Wer das Haus später vermieten oder verkaufen möchte, sollte die Schalter und Steckdosen professionell planen und vorgegebene Anzahlen bei der Elektroinstallation berücksichtigen.

Ein Beispiel: Ein Wohnraum hat 20 m² und den Ausstattungswert 3. Er muss über mindestens elf Steckdosen verfügen sowie über vier Leuchtenauslässe. Mehrfachsteckdosen werden als Einzelsteckdosen gezählt. Zudem ist es entsprechend der Richtlinie wichtig, auch an Antennen- und Telefonanschlüsse zu denken.

Video: Elektroplanung | Kosten, Lampenanschlüsse, Steckdosen? | HAUSBAU UPDATE #9

Per Richtlinie die passende Anzahl von Schaltern und Steckdosen finden

Die RAL-RG 678 ist die anzuwendende Richtlinie, wenn es um die Planung von Schaltern und Steckdosen geht. Dabei wird klar, dass nicht nur die Größe des Raums wichtig für die Anzahl der Steckdosen ist, sondern auch verschiedene weitere Ausstattungsmerkmale in Betracht gezogen werden müssen. Unterschieden wird dabei zwischen den Ausstattungsvarianten Mindest, Komfort und Standard. Je komfortabler das Wohnen sein soll, desto höher wird der Ausstattungswert angesetzt und desto mehr Steckdosen müssen eingeplant werden.

Bei einer Standardausstattung ergeben sich die folgenden Anzahlen von Schaltern und Steckdosen:

  • Wohnzimmer mit 20 m²

    Im Wohnzimmer werden Steckdosen für ein Radio und den Fernseher, für Computer und die Musikanlage sowie für viele weitere Geräte gebraucht. Auch zum Laden des Tablets beim gemütlichen Sitzen auf dem Sofa braucht es eine Steckdose. Ist hier eine smarte Steuerung für die Geräte angedacht, sollte auch das bei der Planung berücksichtigt werden.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 20
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 24

  • Küche

    In der Küche gibt es viele Geräte wie Herd und Backofen, Kühlschrank und Mikrowelle, Radio und Spülmaschine sowie einige weitere mehr. Dicht gedrängt müssen Kleingeräte versorgt werden. Bei der Planung von Schaltern und Steckdosen sollte daher darauf geachtet werden, dass unbedingt genügend Anschlüsse in der Küche vorhanden sind.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 10
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 15

  • Bad

    Im Bad braucht der Fön einen Anschluss, die elektrische Zahnbürste möchte geladen werden und vielleicht soll auch ein Heizlüfter aufgestellt werden können. Zwei Anschlüsse sollten sich in der Nähe des Bodens befinden. Ganz wichtig: In diesem Raum ist die Luftfeuchtigkeit hoch, es könnte auch zu Spritzwasser kommen. Die Steckdosen sollten daher entsprechend geschützt sein.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 2
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 4

  • Kinderzimmer

    Kleine Kinder brauchen nur wenige Steckdosen, doch die Kleinen werden schon bald größer. Dann müssen elektronische Geräte angeschlossen werden, die wiederum eine Steckdose brauchen. Kinderzimmer sollten daher mit Blick auf die Zukunft geplant werden. Tipp: Lichtschalter sollten sich nicht nur neben der Tür befinden, sondern auch in der Nähe des Bettes. So können die Kinder später das Deckenlicht ausschalten, ohne danach durch den dunkeln Raum bis zum Bett laufen zu müssen.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 8
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 11

  • Arbeitszimmer

    Auch hier in diesem Raum sind viele Anschlüsse wichtig: Computer und Drucker, Kopierer, Ladekabel etc. wollen einen Platz finden. Gerade in diesem Zimmer ist es wichtig, besser zu viele Steckdosen als zu wenige zu haben.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 8
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 10

  • Außenbereich

    Abends auf der Terrasse sitzen, den Elektrogrill anwerfen oder das Notebook zum Arbeiten laden? Das geht nur mit der passenden Anzahl an Schaltern und Steckern! Außerdem sollte bei der Planung berücksichtigt werden, dass auch viele Gartengeräte elektrisch betrieben werden. Wer dann nicht mit einer Verteilersteckdose zur Tat schreiten will, sollte lieber auf einige mehr dieser wichtigen Anschlüsse setzen.

    Anzahl Steckdosen Mindestvariante: 7
    Anzahl Steckdosen Komfortvariante: 8

Tipp: Das Smartphone ist überall dabei? Dann sollte auch in jedem Raum die Möglichkeit bestehen, das mobile Telefon zu laden. Dafür ist eine separate Steckdose nötig

Steckdosen und Schalter gibt es in verschiedenen Serien ( Foto: Shutterstock-Iakov Filimonov )

Steckdosen und Schalter gibt es in verschiedenen Serien ( Foto: Shutterstock-Iakov Filimonov )

Weitere Tipps zur Planung von Schaltern und Steckdosen

Die Steckdosen und Schalter sind alle verlegt, das Haus bezogen. Nun gilt es, nicht unnötig aus dem Vollen zu schöpfen, denn bei allem Komfort muss auch an den Verbrauch gedacht werden. Wichtig ist, heimliche Stromfresser entlarven zu können, denn ein Gerät, das eigentlich ausgeschaltet wurde, ist meist dennoch nicht wirklich vom Stromnetz getrennt. Und was ist, wenn sich später herausstellt, dass zu wenige Steckdosen verlegt wurden?

Weitere Steckdosen verlegen

Auch wenn sich alles darum dreht, Strom zu sparen, so muss die Planung von Schaltern und Steckdosen doch manchmal doch nach oben korrigiert werden, weil mehr Abnehmer vorhanden sind als ursprünglich gedacht. Dank der modernen Technik gibt es nun auch die Chance zum Nachrüsten, ohne dass extra eine Wand aufgestemmt werden muss. Dafür werden Steckdosen auf der Wand befestigt, was über ein sogenanntes Aufputz-Programm möglich ist.

Diese Elektroinstallation kann überall dort durchgeführt werden, wo bereits ein Stromanschluss vorhanden ist. Mehrere Leereinheiten können dabei angebracht werden, die mit Schaltern und Steckdosen oder auch mit Sendern und Dimmern gefüllt werden können.

Übrigens kennt der Elektromeister, der dieses Aufputz-Programm verlegt, auch zahlreiche Tipps zum Reinigen der Steckdosen. Eine davon ist, dass zur Reinigung von Verteilersteckdosen die Sicherung rausgeschraubt werden muss. Danach kann die Leiste geöffnet werden (unbedingt alle Schrauben entfernen) und ist in der Spülmaschine zu reinigen. Nun noch trocknen lassen, neu montieren und die Sicherung wieder einschrauben.

Lieber eine Steckdose mehr anbringen. (Foto: Shutterstock- PV productions )

Lieber eine Steckdose mehr anbringen. (Foto: Shutterstock- PV productions )

Weitere für die Planung interessante Neuerungen

Steckdosen und Schalter sind der Klassiker, der bei der Planung eines Gebäudes berücksichtigt werden muss. Doch auch sie haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und können heute weitaus mehr als noch vor einigen Jahren. Es muss zum Beispiel niemand mehr konventionelle Steckdosen installieren, denn auch die USB-Spannungsversorgung ist möglich. Hiermit lassen sich mobile Geräte ganz einfach aufladen und es wird kein weiteres Zubehör benötigt.

Manche Steckdosen verfügen über eine kleine Lampe. Diese wird als Orientierungsleuchte bezeichnet und leitet die Hausbewohner in der Nacht. Es muss kein Licht angestellt werden, denn ein kleiner Lichtkorridor auf dem Boden zeigt, wo es lang geht.

Sehr hilfreich ist zudem der integrierte Sensor für die smarte Beleuchtung. Über ihn kann ein blendfreies Licht bei Dämmerung angestellt werden. Dieses schaltet sich am nächsten Tag automatisch wieder aus, wenn es hell genug wird. Somit ist immer eine gewisse Beleuchtung vorhanden, ohne dass zu viel Strom verbraucht wird. Auch eine zeitgesteuerte Beleuchtung kann infrage kommen, diese beleuchtet zum Beispiel einen Zufahrtsweg innerhalb einer definierten Zeit. In der Nacht ist das Licht dann aus und wird erst am nächsten Morgen wieder angestellt.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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