Vorvergrauung: die Systeme im Vergleich

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Die Vorvergrauung erfreut sich immer größerer Beliebtheit und das hat auch einen Grund. Wirkt Regen auf das Holz an der Fassade, so setzt der Prozess der Vergrauung ein. Die Holzoberfläche nimmt im Verlauf der Zeit eine graue bis dunkle Farbe an. Kann die Holzoberfläche wieder trocknen, so entstehen meist keine Schäden an der Fassade. Dennoch empfinden viele die optischen Veränderungen als störend.

Mit der Vorvergrauung die Optik in Bahnen lenken

Der natürliche Farbton einer Holzfassade schwindet recht schnell, setzt man das Holz der Witterung aus. Dies gilt für alle Holzarten ohne Ausnahme. Dabei können die Farbtöne des Holzes stufenlos von hellstem Braun bis Dunkelgrau und Schwarz variieren. Den Prozess der Vergrauung zu stoppen ist nicht möglich.

Besonders auffällig wird die Veränderung, wenn diese sehr ungleichmäßig geschieht. Ein Teil der Fassade trägt noch die gewohnten Farbtöne, während an vielen Stellen das Grau die Macht ergreift.

Einheitliches Erscheinungsbild der Holzfassade

Mit der Vorvergrauung greift man dem Veränderungsprozess vor und taucht die gesamte Fassade von Anfang an in einen grauen Farbton. Somit übernimmt nicht die Natur die Regie, sondern der Bauherr selbst, respektive sein Architekt.

Der große Vorteil der Vorvergrauung ist zudem, dass nicht der Eindruck des morbiden Verfalls einer ungepflegten Fassade entsteht und man vor allem den Grauton selbst bestimmen kann. Der Grauton ist bei der Vorvergrauung zudem recht einheitlich über die gesamte Fläche hinweg.

Aufwändigen Unterhalt der Holzfassade ersparen

Will man den Effekt der Vergrauung bei gefärbten Holzfassaden vermeiden, erfordert dies einen recht aufwändigen Unterhalt. Mit der Vorvergrauung kann man den Unterhalt ersparen und dennoch ein stets ansprechendes Erscheinungsbild der Fassade erreichen, da die wilden Farbspiele durch das Einwirken der Natur entfallen.

Man sollte bedenken, dass bei transparent farbigen Oberflächenbehandlungen trotz eines aufgebrachten Holzschutzes Unterhaltsarbeiten alle drei bis fünf Jahre zu erwarten sind. Ist die Oberfläche der Holzfassade deckend farbig behandelt, sind Unterhaltsarbeiten zumindest alle fünf bis neun Jahre fällig. Verzichtet man auf die Unterhaltsarbeiten, werden die Holzfassaden recht schnell unansehnlich und können zudem Schaden nehmen.

Die natürliche Bewitterung bewirkt den Übergang der natürlichen oder auch der aufgetragenen Farbe des Holzes in einen Grauton. (Foto: Shutterstock-Jacques Durocher)

Die natürliche Bewitterung bewirkt den Übergang der natürlichen oder auch der aufgetragenen Farbe des Holzes in einen Grauton. (Foto: Shutterstock-Jacques Durocher)

Vorvergrauung ist präventive Pflege

Mit der sorgfältig ausgeführten Vorvergrauung benötigt die Oberfläche der Fassade keine weitere Pflege zur Erhaltung der Farbe mehr, Dies reduziert dauerhaft die Unterhaltskosten der Fassade. Mit Vorvergrauungssystemen werden vorzugsweise Fassaden mit den Holzarten Fichte und Tanne behandelt.

Mehrere Systeme mit Produkten mit grauen Farbpigmenten zur Vorvergrauung stehen zur Auswahl, doch zeichnen sich alle Systeme durch Gemeinsamkeiten aus.

  • Das Holz der Fassade wird in einem Grauton eingefärbt, welcher der zu erwartenden natürlichen Vergrauung entspricht.
  • Setzt der Prozess der Verwitterung ein, so wäscht dies die graue Farbe aus und das Holz nimmt im Zuge der Vergrauung eben den vorgewählten Farbton an. Das Auge nimmt somit praktisch keine Veränderung der Oberflächenfarbe wahr.
  • Die im Rahmen der Vorvergrauung aufgebrachten Farben dienen ausschließlich der Erstbehandlung. Sie haben nicht die Aufgabe dauerhaft zu decken, sondern signifikante Farbunterschiede zu vermeiden.

Die historische Entwicklung

Die Vorvergrauung etablierte sich in den letzten fünfundzwanzig Jahren. Sie geht zurück auf das Produkt Weathering Stain aus den USA, einem Naturharzöl. Der Trend zu frei bewitterten Fassaden an Gebäuden führte recht schnell zur Verbreitung des Verfahrens. Seit dem kamen viele neue Produkten auf den Markt, auch die Zahl der Anbieter ist gestiegen.

Die Systeme zur Vorvergrauung: der Vergleich

Derzeit existieren vier Systeme, die sich in ihrer Wirkungsweise grundlegend unterscheiden. Die Betrachtung ist für die Planung der eigenen Vorgehensweise wichtig. Folgende Systeme sind etabliert.

Vorvergrauungslasuren (wässrig)

Mit zu den ersten Produkten am Markt gehören die sogenannten wässrigen Vorvergrauungs-Lasuren. Es handelt sich dabei um offenporige Verwitterungslasuren. Der Lasuren werden mitunter Additive zugesetzt, wie etwa Perlmutt-Pigmente. Diese sorgen für zusätzliche Lichtreflexe auf der Oberfläche der Holzfassade. Technische Grundlage ist zumeist eine Alkydharz-Basis. Die Produkte werden in einer Schicht aufgetragen.

Die wässrigen Vorvergrauungslasuren haben sich am Markt wenig bewährt. Viele Produkte erfuhren Überarbeitungen seitens ihrer Hersteller. In der Praxis zeigte es sich, dass die Vorvergrauungs-Lasuren zwar kostengünstig sind und einfach aufgebracht werden, doch neigen sie recht schnell dazu, unerwünschte Farbeffekte zu zeitigen – genau das, was man mit der Vorvergrauung vermeiden wollte. Zudem kann man mit den wässrigen Lasuren nur wenig Einfluss auf Spannungs- und Trocknungsrisse auf der Oberfläche nehmen.

Unterschiede bei den Vorvergrauungslasuren

Generell unterscheidet man die Vorvergrauungslasuren nach ihren Eigenschaften.

  • Wieviele Behandlungen sind für den gewünschten Effekt nötig?
  • Viele Lasuren bieten eine Palette von Farbtönen an. Dieses Feature ist meist weniger auf der Notwendigkeit begründet, sondern wird der Herkunft der Hersteller aus dem Bereich der Farbenproduktion geschuldet.
  • Bewirkt das Produkt einen Bläueschutz?
  • Ist eine separate Grundierung nötig?
  • Trägt das Produkt mit seinen Inhaltsstoffen aktiv zur Verwitterung bei?

Bei Produkten ohne Inhaltsstoffe ohne Einfluss auf die Verwitterung handelt es sich zumeist um Lasuren, welche die Textur und Maserung auch nach der Behandlung gut erkennen lassen. Später dann setzte die natürliche Verwitterung ein. In dem Maß, in dem der Farbton der Lasur sich zurücknimmt, kommt die natürliche Vergrauung der Holzoberfläche zum Vorschein.

Holzbläue

Die Holzbläue ist eine bläuliche bis blaugraue Verfärbung des Holzes. Sie wird von Pilzen (insbesondere Vertretern der Ascomyceten) verursacht. Ein Bläueschutz in den Lasuren reduziert die Fleckenbildung in der Zeit zwischen dem Auftrag und der vollständigen natürlichen Vergrauung.

Dies betrifft vor allem schattige, nach Norden ausgerichtete Standorte. Ein Bläueschutz findet heutzutage weniger Anwendung als noch in den früheren Produkten. Dennoch erfüllt der Bläueschutz eine wichtige Aufgabe, vor allem bei Hölzern, welche meist im Fußbereich von Fassaden dem Spritzwasser ausgesetzt sind.

Der natürliche Farbton einer Holzfassade schwindet recht schnell, setzt man das Holz der Witterung aus.  ( Foto: Shutterstock- Marsan )

Der natürliche Farbton einer Holzfassade schwindet recht schnell, setzt man das Holz der Witterung aus. ( Foto: Shutterstock- Marsan )

Verwitterungsaktive Lasuren

Besitzt die Lasur Inhaltsstoffe, welche die Verwitterung aktiv unterstützen, so ist ein weiterer Umstand zu beachten. Sind einzelne Fassadenteile keiner oder nur einer sehr geringen Einwirkung durch Wasser ausgesetzt, dann verhindert dies oft das schnelle Erreichen des Zustands der natürlichen Vergrauung.

Dieser Zustand kann dann oft erst nach Jahren erreicht werden. Handelt es sich um gedeckten Fassadenteile, kann dieser Zustand auch gar nicht eintreten.

Verwenden Lasuren verwitterungsaktive Zusatzstoffe, so können diese den Vorgang der Verwitterung auch dort beschleunigen, wo kein Wasser hinkommt. Dies bewirkt eine zunehmend gleichmäßige Vergrauung der gesamten Fläche. Hier unterscheiden sich bewitterte und unbewitterte Fassadenteile nurmehr gering.

Gerade auf glatten Oberflächen können die verwitterungsaktiven Lasuren ihre Stärken ausspielen. Eine Reihe von Lasuren setzen Zusatzstoffe ein, welche der Oberfläche des Holzes einen zarten Silberglanz geben.

Die Holzart nimmt maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis

Je nach verwendeter Holzart kann das Ergebnis der Behandlung der Oberfläche mit der Vorvergrauungslasur unterschiedlich ausfallen. Hölzer von der Fichte oder der Tanne zeitigen vorzugsweise eine silbergraue Färbung. Behandelt man dagegen Holz der Lärche, so führt dies zu dunkleren bis schwarzen Farben.

Lasuren auf Wasserbasis gelten zudem als umweltverträglich.

Vorvergrauungslasuren (Öl-Basis)

Die Vorvergrauungslasuren auf Öl-Basis bieten eine hydrophobierende Behandlung der Hölzer. Diese Lasuren dringen gut in die Holzoberfläche ein und stehen nicht als Farbschicht auf dem Holz. Ihre hydrophobierende Wirkung führt auch dazu, dass auf der Oberfläche des Holzes weniger Risse entstehen. Somit gleicht sich das Aussehen des behandelten Holzes wesentlich stärker an natürlich abgewittertes Holz an.

Die Vorvergrauungslasuren auf Öl-Basis erfuhren im Verlauf ihres Einsatzes auch Veränderungen seitens der Hersteller. Grundsätzlich kann man sagen, dass sie sich besser bewährt haben, als ihre wässrigen Kollegen. Welche Lasuren zum Einsatz kommen hängt auch sehr stark von den Beschichtungsanlagen ab, denn nicht alle Anlagen können ölbasierte Lasuren verarbeiten.

Dennoch ist eher eine hydrophobierende Vorvergrauung zu empfehlen, wann immer dies möglich ist. Dabei sollte man bedenken, dass kostengünstige Anwendungen auch im Bereich der ölbasierten, hydrophobierenden Vorvergrauungslasuren möglich sind.

Ökologisch sinnvoll: die beschleunigte und kontrollierte natürliche Vorvergrauung

Die sogenannte natürliche Vorvergrauung setzt tatsächlich auf Pilzkulturen. Dabei werden die Pilzkulturen auf das Holz aufgebracht und die Hölzer über einen Zeitraum von mehreren Monaten der natürlichen Verwitterung ausgesetzt. Durch die Pilzkulturen wird der Verwitterungsprozess beschleunigt und somit eine zügige Vergrauung der Hölzer erreicht.

Für diesen Behandlungsprozess werden zwei Schweizer Produkte eingesetzt. Diese Vorgehensweise gilt als ökologisch wertvoll. Preislich ist dieses Verfahren anspruchsvoller, da hier neben dem Material auch personeller Aufwand für die 6-monatige Behandlung anfällt.

Das Tannenholz der Schweiz liefert oft die Hölzer für Fassaden, die die mit dem Verfahren der beschleunigten und kontrolliert natürlichen Vorvergrauung behandelt werden.  ( Foto: Shutterstock-_Mario Krpan)

Das Tannenholz der Schweiz liefert oft die Hölzer für Fassaden, die die mit dem Verfahren der beschleunigten und kontrolliert natürlichen Vorvergrauung behandelt werden. ( Foto: Shutterstock-_Mario Krpan)

Die vergrauende Wirkung wird bei diesem Verfahren völlig ohne chemische Wirkstoffe erzielt. Ausschließlich die UV-Strahlung der Sonne und Wasser aus Kondensat und Niederschlägen wirken auf das Holz ein und bewirken die Bewitterung.

Was man beim Einsatz dieses Verfahrens bedenken sollte, das ist die Tatsache, dass der Verwitterungsprozess auch nach der Behandlung anhält. So kann sich das Fassadenholz weiterverfärben und von Grau nach Braun wechseln. Die Intensität dieses Prozesses hängt vor allem auch von der Wetterexposition und dem lokalen Klima des Standorts ab. In der Schweiz bevorzugt man hierbei das heimische Tannenholz, auch aufgrund der kurzen Transportwege.

Wer über die beschleunigte und kontrollierte natürliche Vorvergrauung als das Verfahren seiner Wahl nachdenkt, sollte bedenken, dass die Hölzer im Regelfall nicht ab Lager geliefert werden können. Die Hölzer müssen zumeist zuerst der Behandlung mit den Pilzkulturen unterzogen werden, was bei der eigenen zeitlichen Planung berücksichtigt werden muss.

Druckimprägnierung und gleichzeitiges Färben

Mit der Druckimprägnierung möchte man die natürliche Vergrauung vorwegnehmen. Bei diesem Verfahren werden die Hölzer der Fassade nicht nur chemisch gegen Verwitterung geschützt, sondern durch Beigabe von grauer Farbpaste auch gleichzeitig eine Färbung der Holzoberfläche herbeigeführt.

Die behandelten Hölzer kommen vergrautem Holz aus natürlicher Bewitterung sehr nahe. Das Verfahren der Druckimprägnierung als vorbeugender Holzschutz ist zudem seit Jahren bewährt und schützt die Holzfassade tatsächlich wirkungsvoll vor Pilzbefall und Insekten. Die Druckimprägnierung ist eine Tiefenbehandlung und verleiht dem Holz vor allem eine lange Lebensdauer.

Wie bei den anderen Vorvergrauungsverfahren setzt auch hier der Change-Prozess ein. Während die natürliche Vergrauung einsetzt, löst diese die graue Anfärbung in ihrer Rolle als Farbgeber ab und erfüllt so perfekt die zugedachte Rolle. Auch hier muss nicht nachgepflegt werden.

Kritiker bemängeln eine ungleichmäßige Verteilung der farbgebenden Pigmente auf der Oberfläche des Holzes. Darüber hinaus sagen sie dem Verfahren nach, dass die Hölzer der Fassade bei der Behandlung ihre Größe verändern. Auch die aufgebrachten Farben sollen mitunter auffällige und ungewollte Farbeffekte zeitigen. Dieses Erscheinungen führt man auf das Verfahren der Druckimprägnierung zurück, welches keine gleichmäßige Verteilung von Farbpigmenten zuließe.

Hölzer von der Fichte oder der Tanne zeitigen vorzugsweise eine silbergraue Färbung.  ( Foto: Shutterstock-  Mike Pellinni )

Hölzer von der Fichte oder der Tanne zeitigen vorzugsweise eine silbergraue Färbung. ( Foto: Shutterstock- Mike Pellinni )

Häufige Fragen zur Vergrauung

Welches Holz vergraut schön?

Besinders schön und schnell vergraut die Thermo-Kiefer. Das Ergebnis ist ein sehr helles Grau. Andere Hölzer wie etwa die Douglasie oder die Lärche zeigen nach etwa ein bis zwei Jahren des Vergrauens eine schöne und hell silbrige Oberfläche. Die Lärche hingegen vergraut eher dunkel.

Wie kann man Holz schneller vergrauen lassen?

Holz wird schneller vergrauen, wenn man eines der oben beschriebenen Verfahren einsetzt. So etwa das Schweizer Verfahren zur beschleunigten und kontrollierten natürlichen Vorvergrauung. Hier bewirken Pilzkulturen die Beschleunigung der Vergrauung.

Wie lange braucht Holz zum Vergrauen?

Transparent farbig behandelte Holzoberflächen vergrauen schon nach wenigen Jahren. Wurde die Oberfläche der Holzfassade deckend farbig behandelt, setzt der Prozess langsamer ein, doch auch nach rund neun Jahren ist hier mit einer dunklen Holzfarbe zu rechnen.

Wie Lärchenholz vor Vergrauen schützen?

Wer das Holz vor dem Vergrauen schützen möchte, kann farbige und UV-undurchlässige Anstriche aufbringen. Vor dem Vergrauen schützt auch das Beizen. In beiden Fällen wird verhindert, dass das Sonnenlicht das tieferliegende Lignin erreicht. Das Holz bleibt so geschützt.

Welches Holz wird nicht grau?

Holz, das nicht grau wird, gibt es nicht. Jedes Holz wird unter Einwirkung von UV-Strahlung und Regen grau. Wer verhindern möchte, dass das Holz grau wird, muss es behandeln, etwa mit farbigen oder UV-undurchlässigen Anstrichen oder mit Beizen.

Wird Douglasie Holz grau?

Das abriebfeste Douglasie-Holz zählt wie das Lärchenholz zu den mittelharten Hölzern. Das Douglasie-Holz wird grau mit einer schönen und hell silbrigen Oberfläche.

Wird Lärchenholz grau?

Lärchenholz wird grau. Unter dem Einfluss von UV-Strahlung und dem Wasser von Regen und Kondensat entwickelt Lärchenholz einen sehr dunklen Grauton.

About Author

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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