Alte Fliesen aufbereiten: 8 DOs & DONTs

Alte Fliesen aufbereiten: 8 DOs & DONTs

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Alte Fliesen aufzubereiten umfasst sowohl die Reinigung als auch die Ausbesserung einzelner Fliesen oder die komplette Neulackierung. Die Aufarbeitung von Fliesen richtet sich stets nach dem vorhandenen Material. Fliesen unterteilt man in Natursteinfliesen, Zementfliesen, Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug. Glasierte, keramische Wandfliesen werden heute meist als Steingutfliesen bezeichnet und sind in unzähligen Farben und Dekoren erhältlich. Keramische Fliesen sind sehr hart und robust. Noch härter als Steingut sind Steinzeugfliesen, die glasiert sein können, doch für Böden in der Regel unglasiert sind.

Alte Fliesen unterscheiden sich in ihrer Optik und Porosität der Oberfläche. Nach dieser Beschaffenheit richtet sich auch die Reinigungsart. Jedes Material verlangt eine geeignete Reinigungsmethode und ein passendes Pflegemittel, denn falsch verwendete Reiniger können auf alten Fliesen erheblichen Schaden anrichten. Naturstein wird anders behandelt als Glasfliesen oder Zementfliesen. Doch Scheuermilch oder Säuren sind für die Reinigung von Natursteinfliesen ungeeignet. Bei glasierten Fliesen sind Reiniger mit Tensiden tabu, weil sie die Oberfläche angreifen. Häufig bringen Hausmittel mehr Effekt, doch auch sie dürfen nicht grundsätzlich verwendet werden. Bewährte Haushaltshelfer wie Zitronensaft, Natron und Essig sind bei vielen Natursteinen falsch, eignen sich aber zur Säuberung der meisten glasierten Fliesen. Wer Zweifel hinsichtlich der Vorgehensweise hat, sollte einen Fachmann, zum Beispiel ein Fliesenleger, zurate ziehen.

1. Reinigen von Steingut- und Steinzeugfliesen mit Natron

Natron, auch bekannt als Baking Soda, ist ein vielseitiges Hausmittel, dass man zum Reinigen ebenso verwenden kann wie zur Abschreckung von Ameisen. Natron hilft bei verstopften Abflüssen und kann Gerüche neutralisieren. Auch gegen Geruchsbildung im Kühlschrank ist Natron ideal. Es hilft beim Säubern eingebrannter Kochtöpfe und vertreibt den lästigen Kohlgeruch beim Kochen. Sogar auf Fliesen kann Natron wahre Wunder vollbringen. Allerdings dürfen die Fliesen nicht offenporig, also unglasiert und lediglich poliert sein. Zur Reinigung von Steinzeugfliesen hat sich Natron jedoch bewährt. Wurden die Fliesen längere Zeit vernachlässigt, verlieren sie ihren Glanz. Mitunter haftet ihnen sogar eine richtige Schmutzschicht an. So ist es nachvollziehbar, dass man für die Reinigung von alten Fliesen Zeit investieren muss. Natron wird nicht pur auf die Fliesen gegeben. Man stellt eine dickflüssige Paste aus Natron und Wasser her. Mit dieser reibt man die Fliesen vollflächig ein. Die Paste muss eine Weile einwirken. Anschließend werden die Fliesen mit großem Druck poliert und man spült mit Wasser gründlich nach. Auch die Fugen von Keramikböden werden mit Natron wieder schön sauber. Auch hier erdordert die Reinigung mit Bürste Kraft und ist nicht in wenigen Minuten erledigt.

2. Zementfliesen reinigen

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Zementfliesen als Bodenbelag modern. Da man sie ohne Brennen herstellte, sind sie weniger robust als Steinzeugfliesen. In der Regel haben die dekorativen Zementfliesen dieser Zeit ornamentale Muster, sind einfarbig, kommen aber auch mehrfarbig vor. Schon nach wenigen Jahrzehnten bekommen sie eine Art Patina, die den besonderen Reiz dieser Fliesenart ausmacht. Zementfliesen muss man imprägnieren und in regelmäßigen Abständen, am besten mit Schmierseife, reinigen. Wer keine regelmäßige Pflege mit Schmierseife durchgeführt hat, kann groben Schmutz normalerweise mit Bürste und Seife entfernen. Auch hier sind scharfe, vor allem säurehaltige Reiniger tabu, denn sie zerstören die empfindlichen Fliesen.

3. Natursteinfliesen reinigen

Natursteinfliesen sind empfindlich gegenüber allen Haushaltsreinigern. Da es viele verschiedene Natursteine gibt, erfolgt die Reinigung der Oberfläche passend zum Gestein. Der Fliesenleger gibt Auskunft darüber, welche Reinigungsmethode sich für welchen Naturstein eignet. Marmor und Kalksandsteinplatten sind nicht säureresistent und reagieren auf handelsübliche Reinigungsmittel ebenso wie auf Zitronensaft oder Essig, die zur Fliesenaufarbeitung häufig genutzt werden. Auch Natron kann auf Natursteinfliesen mehr Schaden anrichten als nützen. Am besten wendet man hier biologische Seife an, die mit klarem Wasser abgespült wird.

4. Alte Fliesen wiederverwenden

Wer einen Altbau sanieren und dabei alte Fliesen wiederverwenden möchte, kann sich später durch sorgfältiges Herauslösen und Reinigen unbeschädigter Fliesen über einen Bodenbelag von besonderer Schönheit freuen. In den meisten Fällen lassen sich einzelne Fliesen aus historischen Gebäuden gut ablösen. Vielfach gibt es gar keine Alternative zum Herauslösen der Fliesen, denn Nachbildungen sind extrem selten oder so schwer zu bekommen, dass sie nicht bezahlbar wären. Nach dem Ablösen finden sich auf der Rückseite meist Klebstoffreste, die gründlich entfernt werden sollten. Grobe Klebstoffreste lassen sich mit dem Spachtel abkratzen. Vorher muss die Fliese aber sicher befestigt werden. Um Klebstoff restlos zu beseitigen, ist auch hier Abschleifen erforderlich. Dafür konstruiert man sich eine Holzauflage, in der jede einzelne Fliese sicher befestigt werden kann. Da alte Fliesen gewöhnlich in einem Klebebett verlegt werden, muss man beim Neuverlegen alter Fliesen darauf achten, dass der rückseitige Klebstoff immer die gleiche Höhe hat. Wer nur eine einzelne Fliese ausbessert, muss fast immer alte Klebereste abschleifen, um eine plane Oberfläche zu erhalten.

5. Zementfliesen aufbereiten – Unterhaltsreinigung

Aufbau, Herstellungsart und Farbenvielfalt machen Zementfliesen zu einem langlebigen und beliebten Bodenbelag. Dennoch kann seine Farbschicht ähnlich wie bei Parkett abgeschliffen werden und ist nach einer Versiegelung wieder wie neu. Durch diese Aufbereitung entsteht ein Boden, der Jahrzehnte haltbar und höchsten Anforderungen gerecht bleibt. Die Sanierung von Zementplattenböden ist aufwändig und zeitintensiv. In historischen Altbauten sollte dies nur von Fachleuten vorgenommen werden. Es gibt jedoch Zementplattenpflege, die speziell auf die Bedürfnisse von Terrazzoböden und Zementplatten ausgerichtet ist. Es handelt sich um eine biologische und hautschonende Wischpflege ohne Farb- und Geruchsstoffe.

6. Alte Fliesen versiegeln mit Nanotechnologie

Eine Versiegelung ist eine Schutzimprägnierung für keramische Bodenbeläge im Wohn- und Außenbereich. Diese Versiegelungen sind für mineralische, saugende Flächen, zum Beispiel Beton, ideal. Die neuesten Produkte haben sogar einen Selbstreinigungseffekt und bieten Schutz gegen Verschmutzungen. Sie bilden einen unsichtbaren Oberflächenschutzfilm und machen die Reinigung leichter. Neuartige Produkte schützen und verstärken mineralische Oberflächen aller Art. Die modernsten Versiegelungen sind Ergebnisse der Nanotechnologie. Sie bestehen aus ultrafeinen Nanopartikeln, die man mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann. Die Partikel dringen tief in die Oberfläche ein und versiegeln sie. So lassen sich auch Beton und Pflastersteine auf Balkonen, Einfahrten und Terrassen versiegeln. Vorher kann der Bodenbelag mit einem Diamantschleifer abgeschliffen werden. Die Diamantkörnung ist extrem hart und öffnet die Poren des Untergrundes, sodass die Versiegelung noch besser haften kann. Auch historisch wertvolle Gebäude und Treppen können so versiegelt werden. Für Glas, Holz, Aluminium und Chrom ist diese Schutzimprägnierung nicht geeignet.

7. Lösemittelfreie Steinimprägnierung

Dieser Oberflächenschutz wurde für alte Fliesen aus Granit, Naturstein oder Terrakotta entwickelt. Er ist für saugende Untergründe gedacht. Nach dem Aushärten wird die Steinimprägnierung durchsichtig und die Natürlichkeit des Untergrundes bleibt vollkommen erhalten. Zusätzlich entsteht ein angenehmer Abperleffekt.

8. Renovieren mit Fliesenlack

Fliesen, die nicht älter als einige Jahrzehnte sind, müssen zum Renovieren nicht immer abgeschlagen werden. Man kann ihre Optik auch mit Farbe auffrischen. Fliesenlack für Bodenfliesen ist eine gute Alternative, wenn man keine Komplettsanierung des Badezimmers vornehmen möchte. Denn die macht häufig eine Neuverlegung des Estrichs notwendig. Fliesenlack gibt den alten Fliesen einen neuen Look und erzeugt weder Staub noch Bauschutt. Bodenfliesen können auch mit einer völlig neuen Farbe gestrichen worden. Damit der Fliesenlack gut haftet, muss der Boden mehrere Male lackiert werden. Vorher ist ein Aufrauen der Oberfläche mit grobem Schmirgelpapier notwendig. Nachteil: Epoxid-Fliesenlack ist giftig und sollte nur unter entsprechenden Schutzvorkehrungen angewendet werden. Wer dies vom Fachbetrieb erledigen lässt, läuft weniger Gefahr, dass ein uneinheitliches Gesamtbild entsteht.

Video: Alte Fliesen aufbereiten


Bildnachweis: © freeimages.com – Pascal Thauvin

Marius BeilhammerAlte Fliesen aufbereiten: 8 DOs & DONTs

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