Kindgerechte Hausplanung: Darauf sollten Eltern achten

Kindgerechte Hausplanung: Darauf sollten Eltern achten

In Sicherheit

Smart Home nennt sich die neueste Entdeckung der Immobilienwelt. Doch auch wenn das intelligente Zuhause bereits zu einigen Dingen imstande ist, das Kind hüten kann es nicht. Auch deswegen sollten sich Häuslebauer und werdende Eltern bei der Planung ihres Eigenheims überlegen, wie dieses möglichst kindersicher gestaltet werden kann. Aber was ist dabei von Bedeutung?

Im Straßenverkehr lauern die größten Gefahren für das eigene Kind. Dies zumindest meinen Eltern. 85 Prozent aller besorgten Erziehungsberechtigten gehen davon aus, dass nirgends die Gefahr für Unfälle größer sei als im Straßenverkehr. Die Realität sieht aber anders aus.

Die meisten Unfälle passieren nämlich dort, wo es eigentlich am sichersten sein sollte: Nämlich zu Hause in den eigenen vier Wänden. Dies belegt eine Studie der GfK Finanzmarktforschung, die im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erhoben wurde.

 

Statistik: Zu Hause passieren Kindern die meisten Unfälle.

Statistik: Zu Hause passieren Kindern die meisten Unfälle. Bildquelle: gdv.de

Tatsache ist auch, dass die Anzahl der Kinderunfälle im Straßenverkehr seit 2010 sukzessive zurückgeht. Dies hat natürlich auch damit zu tun, dass Eltern Kinder über einige Risiken bereits früh aufklären. Welche Gefahren beim Umgang mit Geld im Internet oder auch beim Fahren im Straßenverkehr bestehen, weiß jedes Kind. Nur die Unfallrisiken zu Hause, die kennt fast kein Heranwachsender. Zeit also, dass Eltern dies ändern.

Größte Gefahr kommt aus der Küche

Die größte Gefahr zu Hause geht übrigens von der Küche aus. Hier drohen im schlimmsten Fall nämlich sogar lebensgefährliche Verletzungen. Verbrühungen oder Schnittverletzungen beispielsweise ,können sich nachhaltig auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Laut der genannten Umfrage lassen bereits 41 Prozent aller Eltern ihre Sprösslinge unbeaufsichtigt in der Küche herumtollen, obwohl diese noch unter fünf Jahre alt sind.

Grafic: So sieht es aus in deutschen Haushalten, was die Kindersicherheit betrifft.

Grafic: So sieht es aus in deutschen Haushalten, was die Kindersicherheit betrifft. Bildquelle: architektur-welt.de

Auch deswegen ist es wichtig, gerade in der Küche geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, um dauerhaft die Unversehrtheit des Nachwuchses garantieren zu können.

Die folgenden Tipps zeigen, wie einfach dies sein kann:

  • Herdsicherung: Um kleine und neugierige Kinderhände vor kochendem Wasser oder heißen Fettspritzern zu bewahren, sollte die Herdplatte unbedingt mit einer Herdsicherung abgesichert werden.
  • Schubladensicherung: Spezielle Kindersicherungen gibt es auch für Schränke. Dies ergibt gerade in der Küche Sinn, wo Messer, Korkenzieher und andere Utensilien gefährlich werden können. Auch ein Fingerklemmschutz kann sinnvoll sein.
  • Backofenabdeckung: Bekanntermaßen kann es beim Backen im Backofen sehr heiß werden. Neugierige Kinder finden das Brutzeln und Backen allerdings besonders interessant, insbesondere wenn sich das Fenster auf Augenhöhe befindet. Doch auch hier gibt es Schutzabdeckungen. Alternativ wird der Backofen direkt bei der Haus- bzw. Küchenplanung in rückenschonender Höhe installiert.
  • Kantenschützer: Zwar nicht ausschließlich für die Küche gedacht, hier aber besonders sinnvoll, wenn das Kind einmal unbeaufsichtigt über die Fliesen krabbelt, sind Kanten- bzw. Eckenschützer. Diese stellen sicher, dass Kopf, Augen und Ohren nicht buchstäblich anecken.

256.000 Unfälle im Jahr

Natürlich gibt es einige grundlegende Tipps, die Eltern ihren heranwachsenden Kindern mit zunehmendem Alter beibringen sollen. Denn verständlicherweise können die wachsamen Augen von Mama und Papa nicht immer auf den Kindern ruhen.

Video: Familie Hull / Haus-tour


Doch manchmal helfen auch die besten Tipps nicht viel, wenn es im Haus selbst Gefahren gibt, die bei aller Achtsamkeit im Ernstfall lebensgefährlich sein können. Auch aus diesem Grunde sollte von Eltern und Hausherren und -damen einige grundlegende Sicherheitsmechanismen im Haushalt installiert werden:

  • Die wohl wichtigste Regel ist es, Stolperfallen zu vermeiden. Dies bedeutet, dass bei der kindgerechten Hausplanung architektonische Spielereien vermieden werden sollten. Stufen, Schwellen und Schnörkel sehen zwar oft gut aus, sind aber wenig funktionelle Verzierungen, die gerade für Kinder gefährlich werden können.
  • Viele und gerade jüngere Menschen mögen es, wenn Licht gedimmt ist. Dies kann tatsächlich die Stimmung zu Hause ändern und mitunter für eine wohlige und gar romantische Atmosphäre sorgen. Das Problem: Im Dunkeln ist bekanntlich gut munkeln, dafür sieht man aber auch nicht allzu viel. Auch deswegen geraten Kinder gern ins Straucheln. Hier gilt also: Für gute Beleuchtung im und um das Haus sorgen. Ganz nebenbei schreckt dies auch noch Einbrecher ab.
  • Auch Treppen werden häufig eingesetzt, um das Innere eines Hauses etwas hübscher zu gestalten. Derzeit sind insbesondere Treppen mit Glas- und Metallelementen sehr gefragt, die darüber hinaus auch noch offen sind und keine Geländer vorweisen. Dass natürlich auch hier jede Menge Gefahren für kleine und flinke Kinderbeine lauern, muss eigentlich gar nicht erst erwähnt werden. Geschlossene Treppen mit rutschfesten Trittstufen und Setzstufen sind ein Muss im Kinderhaus. So bleiben die kleinen Körper garantiert unversehrt.
  • Und auch bei den kleinen Dingen können wachsame Eltern viel tun, damit das Kind gesund bleibt und unbeschadet ins Erwachsenenalter kommt. Hier sind natürlich vor allem Steckdosen mit Kindersicherung zu nennen, die übrigens auch im Nachhinein montiert werden können und nicht viel kosten. Zudem sind Rauchmelder im Kinderzimmer ein Muss. In Deutschland ist es für Wohnungen ohnehin Pflicht, Rauchmelder anzubringen. Dafür haben die Eigentümer zu sorgen. Beim Eigenheim fällt diese Verantwortung in den Bereich der Besitzer, die dieser Pflicht im Sinne der Gesundheit ihrer Kinder auch nachkommen sollten. Denn gerade die Kleinen finden Feuer und Flamme sehr interessant, können die Gefahren aber oft nicht einschätzen.

Wie man also sieht, kann mit wenig Aufwand bereits viel für die Sicherheit zu Hause getan werden. Sicherheit, Ordnung und Ästhetik müssen sich übrigens gar nicht ausschließen, wie fähige Architekten wissen. Bei derzeit über 250.000 Unfällen im Jahr, die Kinder in den eigenen vier Wänden passieren, erscheint es durchaus angebracht, mehr für die Sicherheit im Eigenheim zu tun und weniger auf Stil und Form zu achten.

Doch manchmal helfen auch die besten Tipps nicht viel, wenn es im Haus selbst Gefahren gibt, die bei aller Achtsamkeit im Ernstfall lebensgefährlich sein können. (#02)

Doch manchmal helfen auch die besten Tipps nicht viel, wenn es im Haus selbst Gefahren gibt, die bei aller Achtsamkeit im Ernstfall lebensgefährlich sein können. (#02)

Was tun im Notfall? Tipps bei Kinderunfällen im Haushalt

Doch bei aller Vorsicht kann es natürlich immer noch vorkommen, dass tatsächlich etwas Ernstes passiert und Eltern bei ihren eigenen Kindern erste Hilfe leisten müssen. Denn selbst bei der geschicktesten Hausplanung kann es sein, dass neugierige Kinder sich verletzen. Folgendes können Eltern bei den fünf häufigsten Kinderunfällen tun:

  1. Verschlucken kleiner Gegenstände
    Werden kleine Gegenstände aus dem Haushalt verschluckt, sollten Eltern ihr Kind mit dem Bauch im Sitzen auf den Oberschenkel legen. Dann mit der flachen Hand ausholen und zwischen die Schulterblätter des Kindes schlagen, bis der Gegenstand hinausfällt. Und nicht vergessen: Schnellstmöglich den Arzt kontaktieren!
  2. Verbrennungen
    Sofern in der Küche oder anderswo doch nicht ausreichend Maßnahmen zur Kindersicherung getroffen wurden und die kleinen Kinderhände sich verbrennen, hilft natürlich eines: Kühlen. Am besten werden die Hände unter lauwarmes, nicht kaltes Wasser gehalten. Auch das Kühlen mithilfe eines feucht-kalten Lappens ist möglich. Je nach Verbrennungsgrad sollte daraufhin aber trotzdem der Gang zum Arzt erfolgen.
  3. Knochenbrüche
    Fällt das Kinder von der Treppe o.Ä., so sind Knochenbrüche keine Seltenheit. Sie sind die dritthäufigste Unfallfolge bei Kindern im Haushalt. In diesem Fall hilft allerdings nur der Gang zum Arzt, was bedeutet, dass man es auch unterlassen sollte, einen Verband anzulegen oder die Fehlstellung zu korrigieren. Dies sollte allein ein fähiger Arzt tun.
  4. Offene, blutende Wunden
    Die zweithäufigste Unfallfolge sind offene Wunden. Diese können zum Beispiel beim Hinfallen entstehen, aber auch wenn sich Kinder an scharfen Kanten im Haushalt schneiden. Eltern sollten in diesem Fall die Wunde mit einem sauberen Tuch abdecken bzw. diese verbinden. Je nach Schweregrad und Blutung ist aber auch hier der Weg ins Krankenhaus nicht zu vermeiden, weil die Wunden oft genäht werden müssen. Auch dies wird besser dem Facharzt überlassen.
  5. Kopfverletzungen
    Leider sind Kopfverletzungen die am häufigsten auftretenden Erscheinungen im Haushalt als Folge eines Kinderunfalls. Bei Kopfverletzungen liegt die große Gefahr darin begründet, dass es von außen oft nicht ersichtlich ist, wie schwer sich das Kind verletzt hat. Von einfachen Beulen bis hin zum Schädelbasisbruch könnte im Ernstfall alles Mögliche passiert sein. Eltern sollten in diesen Fällen die Ruhe bewahren und versuchen, das Kind in die stabile Seitenlage zu bringen. Wichtig ist es, die Kopfposition möglichst nicht zu verändern, das Kind ruhig zu halten und ihm Beistand zu leisten, bis der Krankenwagen angekommen ist. Auf keinen Fall sollten Eltern das Kind eigenständig ins Krankenhaus fahren, wenn unklar ist, um welche Kopfverletzung es sich handelt.

Bei all den Dingen, die im Haushalt passieren können, sollten gut ausgerüstete Hausbesitzer immer eine Notfallapotheke für Kinder in den eigenen vier Wänden bereithalten.

Zur Standardausrüstung in jedem Haus zählen die folgenden Dinge:

  • Notfallmedikamente (hoch dosiertes Granulat; Entschäumer)
  • Paracetamol
  • Antiemetisch wirksame Suppositorien
  • Nasentropfen
  • Salzlösungen zum Inhalieren
  • Salben für Nachbehandlungen bei Prellungen etc.
  • Zinkpaste, Wund- und Heilsalbe
  • Sonnenschutzcreme
  • Individuelle Medikamente bei chronischen Erkrankungen
  • Digitales Fieberthermometer
  • Desinfektionsmittel
  • Gazebinden und sterile Kompressen
  • Pflasterrolle
  • Verbandschere
  • Nasensekretabsauger
  • Einmalhandschuhe
  • Kalt-und-Warm-Kompressen
  • Taschenlampe
  • Metalline-Verbandtuch

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Yuganov Konstantin-#01: Iakov Filimonov -#02: Daniel Jedzura _

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