„Brunnenwasser riecht nach Abwasser“: 6 üble Gerüche und was man schnell dagegen tun kann

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Wenn Sie mal wieder durch den Garten gehen und feststellen „Mein Brunnen riecht nach Abwasser“, dann sollten Sie genau prüfen, welche Ursachen dies haben kann. Der Brunnen ist eine stilvolle Zierde für jeden anspruchsvollen Garten. Doch sollten von diesem Schmuckstück keine Gefahren ausgehen.

Gerüche im Brunnenwasser

Der Brunnen ist oft die Zierde des Gartens. Man erfreut sich nicht nur am Anblick, man nutzt das Wasser zur Bewässerung des Gartens und vielfach auch als Trinkwasser – eben direkt aus der Natur! Umso unerfreulicher ist es, wenn das Brunnenwasser nach Abwasser riecht.

#1: „Das Brunnenwasser riecht nach Abwasser und Fäkalien!“

Besonders unangenehm ist der Geruch von Fäkalien im Brunnenwasser. Die Ursache des üblen Geruchs sind oft undichte Abwasser-Rohre, aus denen Flüssigkeit austritt und ins Grundwasser gelangt. Auch Fäkalientanks oder eine Sickergrube können die Ursache sein. Die Fäkalien im Grundwasser gelangen so in den Brunnen und führen zu dem üblen Geruch im Brunnenwasser.

Tipp:
Bevor Sie am Brunnen selbst tätig werden, sollten Sie unbedingt die Quelle des Abwassers ermitteln. Liegt diese beim Nachbarn, sind Schadensersatzansprüche zu klären. Liegt diese im eigenen Haus kann das ausgetretene Abwasser im Haus selbst weitere Schäden ausgelöst haben. Hier ist Eile geboten. Hier sollte man einen Sanitär-Spezialisten (eigenes Haus) oder das Bauamt (Ursache außerhalb des eigenen Grundstücks) zu Rate ziehen.

Ist die Ursache beseitigt – und erst dann – muss der Brunnen vollständig entleert werden. Erst wenn alle Gerüche beseitigt sind, kann der Brunnen wieder in Betrieb genommen werden.

#2: „Das Brunnenwasser riecht nach Chlor!“

Wenn das Brunnenwasser nach Chlor riecht, muss das noch nicht beunruhigen. Chlor wird oft von den Wasserwerken eingesetzt, um Bakterien auch im Grundwasser zu entfernen. Dieser Einsatz von Chlor erfolgt nicht regelmäßig, sondern gezielt beispielsweise dann, wenn der Boden nicht mehr in der Lage ist, zu filtern. Das ist vor allem nach starken Regenfällen der Fall. Dann unterstützt das Chlor den Boden bei seiner Filterfunktion.

„Schadet das Chlor im Brunnenwasser dem Menschen?“ wird man sich jetzt sicher fragen. Für Chlor gibt es einen zulässigen Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Liter. Bis zu diesem Grenzwert schadet Chlor dem menschlichen Körper nicht. Dennoch können wir den erhöhten Chlorgehalt im Wasser riechen.

Tipp:
Nach starken Regenfällen sollte man für mehrere Tage das Brunnenwasser nicht benutzen. Prüfen Sie einfach, wie der Chlorgeruch des Brunnenwassers wieder abnimmt. Mit dem Geruch sinkt auch der Chlorgehalt des Brunnenwassers.

Video: Behandlung von gechlortem Wasser mit Vitamin C

Uwe Gallinsky bekennt im Video: „Vitamin C ist die Lösung aber nur für den Moment.“. Er führt aus, wie das Problem mit rötlich verfärbtem Wasser und mit Chlor nachhaltig angegangen werden kann – und sollte.

‚3: „Das Brunnenwasser riecht nach Öl!“

Wie kommt Öl in den Brunnen?

So werden wir uns fragen, wenn wir dessen Geruch im Brunnenwasser wahrnehmen. Die Quelle des Öls ist banal und ebenso überraschend zugleich. Das Öl stammt meist von den Brunnenbauern, die für das Ausschachten des Brunnens ihre Brunnenbohr-Maschinen einsetzen. Diese Maschinen wiederum schützen die Brunnenbauer durch den Auftrag des Schneidöls. Das Schneidöl schützt die Baumaschinen vor Korrosion und Festfressen.

Beim Brunnenbohren setzt sich das Schneidöl der Maschine im Erdreich der Brunnenwände ab. Füllt sich später der Brunnenschacht mit Wasser, bildet das Öl vielfach einen leicht schmierigen und schillernden Film auf der Wasseroberfläche. Öl ist nämlich nicht wasserlöslich. Aus dem Ölfilm auf dem Wasser erhebt sich dann der Ölgeruch im Brunnenwasser.

Tipp:
Nehmen Sie umgehend Kontakt mit dem Brunnenbauer auf. Er hat den Ölgeruch im Brunnenwasser verursacht und sollte ihn auch wieder beseitigen.

Eine weitere Quelle des Ölgeruchs kann jedoch auch der liebe Nachbar sein. Hat der Nachbar bei seinem Auto einen Ölwechsel durchgeführt, kann ohne weiteres Öl in den Boden gelangt sein. Das Öl nimmt dann seinen Weg durchs Erdreich und erreicht das Grundwasser. Und hier wiederum findet das Öl im Grundwasser den Weg zum Brunnen.

Unwahrscheinlich aber möglich: das Öl kann auch aufgrund einer anderen Verschmutzung in den Boden gelangt sein. Hier ist der Gartenbesitzer jedoch schnell überfragt. Es bietet sich an, sofort das Umweltamt einzuschalten. Allerdings sollte der Gartenbesitzer vorher sicherstellen, dass es auf dem eigenen Grundstück keine „Vorkommnisse“ gab.

Wie kann man den Ölgeruch aus dem Brunnenwasser entfernen?

Letztlich wird man den gesamten Brunnen leeren müssen, um alle Reste von Öl herauszunehmen. Dabei sollte man auch die Brunnenwände auf Ölreste untersuchen. Vor der erneuten Benutzung des Brunnens sollten allerdings die Ursachen der Ölverschmutzung erkannt werden.

#4: „Das Brunnenwasser riecht nach Moder!“

Der Moder-Geruch im Brunnenwasser ist besonders unangenehm: das Brunnenwasser stinkt dann nämlich fürchterlich. Seine Ursache hat der Moder-Geruch in der Bildung von Biomasse im Brunnen selbst oder auch in den Zuleitungen (Rohren) zum Brunnen hin. In der Biomasse findet sich ein Gemisch aus Pilze, Algen und Bakterien. Je länger man das Problem liegen lässt, um so mehr nimmt die Biomasse zu und der Moder-Geruch ebenfalls.

Tipp:
Die Reinigung der Zuleitungsrohre muss gründlich erfolgen, da sich sonst die verbliebene Biomasse erneut schnell vermehrt. Deswegen sollte man hier einen Fachbetrieb mit der Reinigung der Rohre und Zuleitungen zum Brunnen beauftragen. Im Baumarkt und auch im Versandhandel findet man durchaus Artikel zum Einsatz in den Zuleitungsrohren des Brunnens. Man sollte hier bedenken, dass deren Einsatz ebenfalls Fachkenntnisse voraussetzt.

Wie kann ich dem Moder-Geruch vorbeugen?

Dem Moder-Geruch kann man jedoch auch vorbeugen. Beim Bau des Brunnens sollte man darauf achten, dass alle Rohre in Zuleitungen glatte Oberflächen aufweisen. Die Algen, Bakterien und Pilze der Biomasse setzen sich besonders gerne an rauen Oberflächen fest. Hält man die Oberflächen glatt, entzieht man den üblen Gesellen die angenehme Unterkunft im Brunnen und sie ziehen weiter.

#5: „Das Brunnenwasser riecht nach faulen Eiern!“

Ein fauliger Geruch des Brunnenwassers deutet auf eine stattfindende Verrottung im Boden hin. Es sind organische und anorganische Stoffe, die sich im Boden befinden und die bei den ablaufenden biologischen und chemischen Prozessen dem durchsickernden Wasser ihre Duftstoffe mitgeben. Insbesondere dann, wenn Sie Ihren Garten gut wässern, werden die Stoffe weitertransportiert und gelangen umso schneller durch das Erdreich ins Grundwasser und damit in Ihr Brunnenwasser. Ein kräftiger Regen ist hier ebenfalls im negativen Sinne förderlich.

Manchmal sind Stoffe im Erdreich die Ursache, manchmal ist es auch Kompost, der verrottet oder auch der ausgebrachte Kunstdünger. Letztlich kommt es stets zur Bildung von Schwefelwasserstoff, der für den Geruch verantwortlich ist.

Tipp:
Wenn Sie einen Komposthaufen angelegt haben, sollten Sie über dessen Entfernung nachdenken. Haben Sie Kunstdünger eingesetzt und in das Erdreich eingearbeitet, wird es schwieriger. Da bleibt tatsächlich nichts anderes übrig, als den Abschluss der Verrottungsprozesse und damit das Ende der Produktion von Schwefelwasserstoff abzuwarten. Zudem empfiehlt es sich, das Erdreich um den Brunnen herum auszutauschen. Sie können den Schwefelwasserstoff auch mit Filtern aus dem Brunnenwasser herausfiltern.

Vorsicht:
Schwefelwasserstoff ist hochgiftig. Das Einatmen von Luft, in der hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff enthalten sind (ab etwa 500 ppm) ist für Menschen sogar tödlich. Daher ist es zu vermeiden, dass das betreffende Wasser in den eigenen Körper gelangt. Das Gleiche gilt für Haustiere.

Video: Aufbereitung von Brunnenwasser mit Vliesfilter und Aktivkohle

Das Video zeigt eine selbst entwickelte Lösung, um die zu geringe Leistung von Filterkartuschen bei hohem Wasserverbrauch auszugleichen. Das Brunnenwasser wird hier zur Versorgung eines Fischbassins eingesetzt. Dies erklärt auch den hohen Bedarf an hochwertigem Wasser.

#6: „Das Brunnenwasser riecht nach Rost!“

Rost-Geruch im Brunnenwasser deutet auf Eisen oder Mangan im Erdreich hin. Ob es tatsächlich „Rost“ ist, lässt sich sehr leicht testen. Das oxidierte Metall im Wasser verursacht Flecken auf Stoff, den man ins Wasser taucht. Der metallisch-rostige Duft lässt sich auch schmecken. Zudem färbt das oxidierte Metall das Wasser leicht rötlich.

Die Ursache des Rost-Geruchs sind keine spontan auftauchenden Bodenschätze im Garten. Vielmehr sind hier rostende Rohre oder andere metallische Gegenstände im Erdreich typische Kandidaten. Das Wasser aus Regen oder Bewässerung, das an diesem vorbeifließt, nimmt seinen Weg durch den Boden hin zu Grundwasser und Brunnen. So gelangt der metallene Geruch ins Brunnenwasser.

Tipp:
Suchen Sie die Ursache und beseitigen Sie diese. Rostige Rohre sollte man ohnehin ersetzen. Wenn die Ursache des Übels beseitigt ist, pumpen Sie alles Wasser aus dem Brunnen. Mit dem übelriechenden Brunnenwasser verschwindet auch der Geruch aus dem Brunnen. Die Verfärbung des Brunnenwassers verschwindet ebenfalls, sobald wieder nicht-metallisches Wasser nachläuft.

Video: braunes Wasser

Im Video wird das Thema „Braunes Wasser“ aus Leitung und Brunnen nochmals vertieft. Auch Beeinträchtigungen werden hier angesprochen, Auswirkungen auf Gesundheit, technische Anlagen und Materialien werden berichtet. Weitere Ursachen über den Rost hinaus werden auch genannt. Eine einfache Überprüfung, ob Eisen oder Mangan die Ursache sind, wird ebenfalls vorgestellt.

Wie kann ich den Brunnen reinigen?

Das Brunnenwasser ist Sammelstelle für vielerlei Stoffe. Je länger das Wasser steht und nicht genutzt wird, desto eher neigt das Brunnenwasser zum „Stinken“. Dann stellt sich die Frage der Brunnenreinigung. Unter Gartenfreunden ist das Reinigen des Brunnens mit chlorhaltigen Mitteln weit verbreitet. Wie wir weiter oben bereits gelernt haben, ist dies nicht unumstritten und das Chlor lässt sich nur mit Mühe wieder vollständig aus dem Brunnen entfernen. Hier sprechen wir vom vollständigen Ausschöpfen des Brunnens. Zudem müssen gegebenenfalls die Brunnenwände gesondert gereinigt werden.

Eine wesentlich verträglichere Methode zur Bakterienentfernung und Feinreinigung des Brunnenwassers ist die Aktivkohle Filtration und die Verwendung einer UV Desinfektionslampe. Beide Verfahren stehen im Ergebnis dem Chlor in nichts nach.

Was tun bei Verunreinigungen im Brunnenwasser?

Sie werden es beim Lesen des Artikels bereits festgestellt haben: zuerst sollten Sie die Ursache der Verschmutzung identifizieren und beseitigen. Erst dann können Sie sicher sein, dass keine weiteren Schadstoffe weiterhin in das Brunnenwasser gelangen. Und erst dann ergibt ein Auspumpen des Brunnens Sinn.

Es ist übrigens stets ein guter Rat, Fachleute hinzuzuziehen. Eine Behörde kennt womöglich ähnliche Fälle in der Stadt, welche auf Ursachen außerhalb des eigenen Einflussbereichs zurückzuführen sind. Ein Experte ist geübter im Finden der Ursachen und erspart einem die langwierige Suche.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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