Erotik-Friseur: des Nachbars bester Freund

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Ein Erotik-Friseur als Mieter in der Gewerbeimmobilie. Da kommt Freude auf. Es ist sicher nie einfach, auf Dauer seriöse und solvente Mieter für eine Gewerbeimmobilie zu finden. Je nachdem, wer anklopft und Interesse an den Geschäftsräumen bekundet, kommt man als Eigentüer der Gewerbeimmobilie ins Grübeln. Nicht, dass man dem Erotik-Friseur etwas unterstellen möchte – Man hat so seine Vermutungen, welche Auswirkungen ein solches Engagement zeitigen kann.

Über den potentiellen Mieter „Erotik-Friseur“

Bleiben wir mal bei dem Fall, dass ein an dem Ladenlokal interessierter Geschäftsmann sich als Erotik-Friseur outet. Welche Gedanken schießen einem da als Eigentümer so durch den Kopf? Wer in solch einer Situation sachlich bleibt, der wird den Erotik-Friseur nicht gleich in die Rotlichtecke stellen. Ungewöhnliche Geschäftsmodelle gibt es in jeder Branche und man soll Unternehmensgründern ja auch einen guten Start ermöglichen – sofern man dabei nicht ins Risiko gehen muss.

Wie steht es um die Bonität?

Zunächst einmal ist die Frage nach der Bonität des Herrn Erotik-Friseur zu klären. Die Bonität ist relativ leicht zu prüfen, da hat man ja auch Routine. Andererseits kann es um die Bonität eines Gründers im Friseurgewerbe durchaus generell etwas wacklig bestellt sein. Insofern ist hier eventuell nicht viel zu erwarten.

Darf der Erotik-Friseur sein Gewerbe betreiben?

Eine ebenfalls nicht zu vernachlässigende Frage ist jene nach der Anmeldung des Gewerbes. Was nützt ihnen die Solvenz des Erotik-Friseur, wenn dieser noch keine Anmeldung für sein Gewerbe besitzt und diese womöglich nach Einzug nicht erhält? Dann hatten Sie viel Aufwand um nichts und haben eventuell noch einem anderen Mietinteressenten abgesagt, den Sie jetzt nur zu gerne als Mieter in ihrem Ladenlokal sehen würden. Fraglich ist auch, ob der Erotik-Friseur womöglich eine besondere Erlaubnis zum Betrieb dieser Variante seiner Handwerks benötigt. Fehlt diese, kann es sein, dass der Erotik-Friseur schon bald nach der Eröffnung seine Pforten wieder schließen muss.

Was werden die Nachbarn zum Erotik-Friseur sagen?

Ja, das ist eine ganz spannende Frage. Ob die anderen Mieter der Gewerbeimmobilie den Erotik-Friseur genauso sachlich betrachten werden, ist fraglich. Je nach Branche der anderen Mieter kann da schon etwas Unmut aufkommen, wenn diese von ihrem künftigen Nachbarn erfahren. Was wird die Klientel der anderen Mieter zum Erotik-Friseur im Erdgeschoss sagen? Was erst, wenn er in einer der oberen Etagen einzieht?

Man möchte natürlich nicht die bestehenden Mieter vergraulen und zum Auszug bewegen. Passt der Erotik-Friseur nicht in das Branchengefüge im Haus, kann der Auszug der anderen durchaus eine reale Folge des Einzugs des einen sein. Sicher wird der Mietinteressent nicht nur bei ihnen auf Zurückhaltung stoßen. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass er beim Mietzins etwas beweglicher sein wird. Es verlockt natürlich, das zu erwartende Entgegenkommen anzunehmen und eine vermeintlich gute Rendite einzufahren. Die vorgenannten Risiken sollten allerdings mitbedacht werden, denn diese sind der Preis für die gute Rendite.

„Aktschnitt“: der Erotik-Friseur in Berlin

Betrachten wir doch bei dieser Gelegenheit den Berliner Erotik-Friseur „Aktschnitt“. Damals im Jahr 2009 öffnete „Aktschnitt“ in Berlin sein Pforten. Das Medienecho war gewaltig, schwappte bis in die BILD-Zeitung hinein. Die Freude des Unternehmers hielt allerdings nicht lange an. In der Zwischenzeit wurde der Salon „Aktschnitt“ wieder geschlossen. Wenn Sie sich eine Vorstellung von dem Salon des Berliner Unternehmers machen möchten, haben Sie im nachfolgenden YouTube-Clip Gelegenheit dazu.

„Le521“: ein französischer Erotik-Friseur

Auch in Frankreich versuchte man sich als Erotik-Friseur. Es war im Jahr 2011, als man im kleinen Örtchen Cavaillon im Departement Vaucluse ( gehört zur Region Provence-Alpes-Côte d’Azur ) den Salon eröffnete. Die 25.636 Einwohner des Örtchens waren damals hoch begeistert, als sich das neue Angebot auftat. Im Angebot hat das „Le521“ auch Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Junggesellenabschiede und den Abschied aus dem aktiven Arbeitsleben. Zu jedem dieser Anlässe empfiehlt man den Besuch beim Erotik-Friseur.

Der Erotik-Friseur „Le521“ hat den Salon mittlerweile wieder geschlossen. Wie in Berlin kann man sich auch hier über den YouTube-Clip aus der damaligen Zeit auch heute noch einen ersten Eindruck verschaffen. „Le521“ wirbt mit einer „ambiance intimiste et chaleureuse“, die den Kunden beim Bereten des Salons umfängt. Etwas zweideutig kündigt man an, dass der Haarschnitt im Salon „par une professionnelle“ ausgeführt wird. Somit darf man sich kompetenten Hände erwarten. Honi soit qui mal y pense!

„Bikini-Cuts“: ein US-Erotik-Friseur in Provo

Die Zeitungen in Utah berichteten schon im Jahr 2005 von Mike Fuller, der bei seinem Versuch, weitere Filialen zu seinen bestehenden Erotik-Friseur-Salons hinzuzufügen, auf Widerstand stieß. Man muss dazusagen, dass der US-Bundesstaat Utah für seine sehr „christliche“ Einstellung durchaus bekannt ist.

Mike Fuller hatte zuvor bereits zwei Filialen des Erotik-Friseur „Bikini Cuts“ in Sandy und West Jordan eröffnet. Als Mike Fuller im Jahr 2005 beschloss, sein Filialnetz im Bundesstaat Utah auszuweiten, plante er als künftige Standorte 3 und 4 zwei der Städte Provo, Orem und Salt Lake City ein.

In Provo biss Mike Fuller auf Granit, als eine ganze Reihe der 116.288 Bewohner auf die Barrikaden gingen. Der Anwalt und Nachbarschaftsaktivist Jacki DeGaston fungierte damals als Sprachrohr der Gegenbewegung. Das Blatt „Deseret News“ berichtete damals darüber. Jacki DeGaston argumentierte ganz sachlich „Provo ist ein Ort, an den Leute ziehen, die eine gute Umgebung für ihre Kinder suchen. Es ist ein Ort mit religiösen Standards. Wir brauchen Gesetze, welche eine Erosion dieses Image verhindern.“„. Dies macht durchaus deutlich, was einem Vermieter auch in gewissen Regionen in Deutschland blühen kann, der sein Ladenlokal an einen Erotik-Friseur vermietet.

Mike Fuller bediente sich recht geschickt der Presse. Als man den Unternehmer in ein anderes Stadtviertel abdrängen wollte, weil für „Geschäfte mit sexuellen Bezügen“ eher die East Bay vorgesehen war, konterte er öffentlich mit „Unsere Friseurinnen schneiden Haare im gleichen Outfit, in welchem man Frauen im Swimming Pool oder im Fitness-Center sieht.“.

Schon vorher, als Provo noch nicht zu den geplanten Standorten gehörte, hatte Mike Fuller die Anmietung eines Ladenlokals in Murray versucht. Murray liegt ebenfalls im Bundesstaat Utah und ist mit nur 48.612 Einwohnern noch etwas kleiner als Provo. Die Einwohner von Murray waren allerdings noch etwas durchtriebener als ihre Artgenossen in Provo. Sie redeten solange auf den Vermieter der anvisierten Immobilie ein, bis dieser nicht mehr bereit war, an Mike Fuller zu vermieten. „Nur über meine Leiche!“ war noch einer der zurückhaltenden Drohanrufe, welche Mike Fuller zu dieser Zeit desöfteren erreichten.

Auch vom Erotik-Friseur „Bikini-Cuts“ gibt es einen YouTube-Clip, den wir ihnen nicht vorenthalten möchten.

In Jersey: der Bikini Barbershop

Nein, aus Jersey kommt jetzt keine Geschichte eines leidgeplagten Vermieters oder Mietraum suchenden Unternehmers. Es ist fast sogar ein wenig unterhaltend, was in New Jersey zum Thema Erotik-Friseur geboten wird. Es geht um eine TV-Reality-Show im amerikanischen Fernsehen auf AXS TV.

Der US-Erotik-Friseur hat einen Namen: Jeff Wulkan. Jeff betreibt unter dem Namen „Bikini Barbers“ einen sogenannten Friseurshop in Long Beach in New Jersey. Von den dortigen Ereignissen wurden insgesamt zwölf Folgen einer Staffel abgedreht und gesendet.

Das Friseurteam sind attraktive Haar-Stylistinnen, die bei ihrer täglichen Arbeit ausschließlich Bikinis tragen. Zur Story gehört auch, dass Jeff Wulkan nach dem Hurrikan Sandy das dann plötzlich rückläufige Geschäft schließen muss. Die zwölf Clips der Staffel sind auch heute noch auf YouTube zu sehen. Wir haben einen davon herausgegriffen, den wir weiter unten in diesem Artikel zeigen.

Vorab möchten wir die Hauptakteure der Reality-Show hier kurz vorstellen.

Jeff – Von ihm haben wir bisher gesprochen. Er ist der Eigentümer und der Geschäftsführer des Bikini Barber Shop. Jeff zeigt sich als Chef und Ekelpaket. Er könnte den Begriff „Bossing“ erfunden haben. Er ist stets unfair und sexistisch – und trotz allem geschäftlich recht versiert. Eine seiner herausragendsten Eigenschaften ist sein Hang zum Personal.

Ariana – Sie gibt gleichzeitig Managerin und Hair-Stylistin. Arianas Rolle besteht vor allem aus dem Konflikt mit Jeff Wulkan. Während Ariana eine starke Persönlichkeit besitzt, verbeisst sie sich ständig mit Jeff oft in kleinere oder größere Hakeleien. Wenn Ariana und Jeff sich mit Worten duellieren sinkt die TV-Show rasch noch unter RTL-Niveau.

Natalie – Hier gibt es im Bikini Barber Shop auch mal eine sympatische und attraktive Friseurin. Jeff schätzt an ihr ihre „ästhetischen“ Qualitäten – und ihre angenehme Art.

Alissa – Sie ist etwas albern, aber das ist nicht so schlimm, denn Alissa ist eine recht hübsche Friseurin.

Lauren – Sie ist ebenfalls eine der Friseurinnen. Viel mehr kann man über sie nicht berichten.

Kim – Auch Kim ist Friseurin…

Hier die zwölf Titel der Staffel:

  1. „Open for Business“
  2. „Self Defense“
  3. „Bachelor Party“
  4. „Bikini Contest“
  5. „Ariana“
  6. „Date Breaker“
  7. „Atlantic City“
  8. „Sugar Daddy“
  9. „Boob Job“
  10. „Hostile Takeover“
  11. „Wax On Wax Off“
  12. „Investor Invasion“
  13. „Party Crasher“
  14. „Best of: Jeff“

Oben kündigten wir bereits an, dass wir eine der Folgen mit einem YouTube-Clip zeigen möchten. Wir haben einen der Clips ausgewählt. Es ist jener der Folge „Party Crasher“. Bitte sehr.

Fazit

Natürlich muss jeder Eigentümer seine Entscheidungen pro oder contra eines bestimmten Mieters selbst treffen. Mit den oben gezeigten Beispielen und unseren theoretischen Überlegungen kann man allerdings schon ein wenig spüren, welcher Art die Entscheidung sein wird. Wir hoffen, ein paar Argumente die Waagschale geworfen zu haben.


Bildnachweis: © Unsplash.com – Nina Strehl

About Author

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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